Der Schlüssel zum guten Foto - foto.kunst.kultur.

Der Schlüssel zum guten Foto

Der Schlüssel zum guten Foto

Was ist ein gutes Foto? Teilnehmer meiner Fotokurse kennen das Zitat von Elliott Erwitt (geb. 1928 in Paris), dem berühmten amerikanischen Fotografen:

Ein gutes Foto ist
erstens gut komponiert,
hat zweitens etwas zu sagen und
hat drittens – und das ist das Wichtigste – etwas Magisches.

Der dritte Punkt ist natürlich nicht einfach zu erreichen. Ansel Adams (1902-1984), der König der Landschaftsfotografie prägte den Satz:

Zwölf gute Fotos im Jahr sind eine gute Ausbeute.

Im Sinne von Erwitt meinte Adams sicher zwölf magische Fotos.

Nun, die Ansprüche solch berühmter Fotokünstler sind wahrscheinlich andere als deine und meine. Lassen wir also die dritte Aussage ruhen und schauen wir uns lieber die ersten beiden Aussagen Erwitts an:

Er spricht zunächst von einer guten Komposition und ist damit in guter Gesellschaft. Der französische Maler Pierre Bonnard (1867-1947) sagte:

Jede Kunst ist Komposition – das ist der Schlüssel zu allem.

Jede Kunst! Also Musik, Malerei … und Fotografie leben von der Komposition. Es reicht einfach nicht aus, dass man die Funktionen der Kamera kennt. Wer richtig gute Fotos machen möchte, muss wissen, wie er seine Motive in Szene setzt.

Das Unangenehme daran: Es handelt sich bei der Bildkomposition um einen Sack voll Regeln, die gelernt und eine Zeit lang bewusst angewendet werden wollen. Man scannt quasi das Sucherbild ab und überlegt sich, ob die Regeln eingehalten wurden.

Hat man sie auf diese Weise verinnerlicht, braucht man gar nicht mehr darüber nachzudenken, welche Regeln an welcher Stelle zum Einsatz kommen sollen. Man tut dies quasi automatisch. Und dann kann man die eine oder andere Regel auch über Bord werfen, wenn es der Bildaussage förderlich ist.

Es ist nämlich schon komisch: Man merkt es einem Bild an, ob der Fotograf die Regeln kennt und bewusst über Bord geworfen hat, oder ob er von der Bildkomposition keine Ahnung hat.

 

Über Bildkomposition

Was genau bedeutet Bildkomposition?
Wikipedia verzweigt bei der Suche nach dem Begriff „Bildkomposition“ auf „Bildgestaltung“ und gibt Auskunft:

Bildgestaltung ist die Anordnung und Verbindung formaler Elemente in einem Kunstwerk.

Klar: Komponieren heißt ja auch „Zusammensetzen der Mittel“. Ein Komponist setzt Noten zusammen, ein Fotograf Bildelemente.

Der wichtigste Punkt ist schon angeklungen:

 

Eine gute Komposition unterstreicht die Bildaussage

Wobei wir bei der zweiten Aussage von Elliott Erwitt wären: „Ein gutes Foto hat etwas zu sagen“. Gemeint ist hier nicht, dass jedes Foto einen halben Roman erzählen muss. Die Aussage eines abstrakten Fotos beispielsweise können die Farben oder Muster sein.

Eine gute Komposition unterstreicht also die Bildaussage. Dazu ein Beispiel:

Der Goldene Schnitt, ein berühmtes Mittel der Bildkomposition (mehr dazu findest hier), sorgt für eine harmonische Aufteilung der Elemente im Bild. Wikipedia meint hierzu: „Seit dem 19. Jahrhundert wurde er zunächst in der ästhetischen Theorie und dann auch in künstlerischer, architektonischer und kunsthandwerklicher Praxis als ein ideales Prinzip ästhetischer Proportionierung bewertet.“ Allerdings, so heißt es weiter, sei die „Nachweisbarkeit einer derart besonderen ästhetischen Wirkung ist in der Forschung umstritten.“

Umstritten oder nicht: Der Goldene Schnitt steht i. d. R. für Harmonie im Bild. Was aber tust du, wenn du mit deinem Foto Dishamonie ausdrücken willst? Du fotografierst beispielsweise Abfall, hältst Umweltprobleme, Krankheit o. ä. fest. Wäre es dann nicht geradezu fatal, wenn du deinHauptmotiv im Goldenen Schnitt anordnen würdest? Du würdest sozusagen gegen die Bildaussage arbeiten.

Worauf ich hinaus will: Die Bildaussage hat immer das erste und das letzte Wort. Also nicht „Goldener Schnitt“ oder andere Kompositionsregeln um jeden Preis, sondern immer nur dann, wenn es der Aussage deines Fotos dient.

Zum diesem Thema kann ich dir das kleine Büchlein Big Shots! ans Herz legen, das ich vor einiger Zeit vorgestellt habe. Der Autor Henry Carroll weist in einem Kapitel darauf hin, dass man auch einmal alle Regeln außer Acht lassen sollte.

„Gute Fotos halten sich an die Regeln – die großartige Fotos häufig brechen“,

schriebt er und zeigt das berühmte Bild von Francis Bacon, aufgenommen von Bill Brandt. Er analysiert, wo und warum Brand die Regeln der Bildkomposition gebrochen hat. Lesenswert! (Hier erfährst du mehr über das Buch)

 

Was gehört zur Bildkomposition?

Auf was genau muss man aufpassen, will man seine Fotos gut komponieren? Hier zunächst eine Auflistung der wichtigsten Elemente (ohne Gewichtung).

• Farben, Kontraste und Tonwerte
• Linien und Formen
• Anordnung der Bildelemente zueinander und zur Bildfläche
• Wiederholung, Rhythmus, Muster, Strukturen
• Licht
• Positiver und negativer Raum
• Bildformat, Beschnitt
• Bildebenen: Vordergrund, Mittelteil, Hintergrund
• Achsen und Horizont
• Größenverhältnisse und Proportionen
• Perspektive und Raumwirkung
• Kräfte und Richtung: Schwerkraft im Bild
• Bewegung, Zeit
• Einsatz technischer Mittel: Brennweite, Schärfentiefe

Du siehst, da gibt es viel zu beachten. Ein Trost: Man muss ja nicht alle Regeln auf einmal lernen. Arbeite dich Schritt für Schritt durch den Berg. Eine Regel lernen – anwenden. Dann die nächste Regel lernen – und wieder anwenden. Usw. Oder du besuchst einen Kurs, bei dem du die Regeln lernst und gleich in der Praxis anwendest, z. B. meine Kurse der Prager Fotoschule Österreich „Fotopraxis & Bildgestaltung“, die ich in München, Salzburg und Zell an der Pram durchführe.

 

Ziel der Bildkomposition

Und wozu das Ganze? Ziel einer guten Bildkomposition ist es, den Betrachter durch das Bild zu führen. Schließlich wollen wir, dass man unsere Bilder genauer anschaut und nicht nur einen kurzen Blick darauf wirft. Mit einer gelungenen Bildkomposition ziehst du den Betrachter in dein Bild und lenkst seinen Blick.

Fange zu Anfang mit einer kleinen Übung an. Nimm deine Kamera und mache ein Bild! Eines! Nicht 10 oder 100. Nur ein einziges. Das aber gestaltest du ganz bewusst – auch ohne Kenntnis vieler Regeln.

Richte deine Kamera aus und schaue auf das Display oder in den Sucher:

  • Wo ist das Hauptmotiv platziert?
  • Gibt es Elemente, die besonders herausstechen?
  • Gibt es störende Elemente (du weißt schon: Das berühmte Stopp-Schild, das doch gar nicht da war, und nun doch auf dem Foto erscheint).

Ändere ggf. den Bildausschnitt. Wenn du sicher bist, so und nicht anders soll dein Bild aussehen, stellst du die Belichtung ein und löst aus. Übrigens: Am besten funktioniert diese Übung, wenn du mit Stativ arbeitst.

Ist dein Bild gemacht, lädtst du es gleich auf den Rechner und schaust es dir noch einmal genau an. Hast du beim Einstellen der Kamera etwas übersehen? Ist der Ausschnitt richtig gewählt?

Ich wünsche dir viel Spaß beim Fotografieren.

 

 

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