30.11.17

Die Kunst der Fotografie

Die Kunst der Fotografie, Bruce Barnbaum, foto.kunst.kultur

Die Kunst der Fotografie

Nur wenige Lehrbücher der Fotografie habe ich so interessiert gelesen, wie dieses. Bruce Barnbaum lässt nichts aus: Von der Komposition über den fotografischen Blick bis hin zur Präsentation der Bilder.

Auch in der neuen Auflage widmet sich ein großer Teil des Buchs der Analogfotografie. Da es aber noch nie geschadet hat, etwas über den eigenen Tellerrand zu blicken, sollte man auch diese Kapitel nicht auslassen. Die digitale Fotografie kommt auf keinen Fall zu kurz. So gibt es z. B. ein eigenes Kapitel über das digitale Zonensystem mit ausführlicher Erklärung des Histogramms.

Der größte Teil des Buchs befasst sich sowieso mit Dingen, die für die Analog- und die Digitalfotografie Gültigkeit haben. Übungen, um das Licht exakter wahrzunehmen beispielsweise. Oder die Fähigkeit ein Bild zu visualisieren. Auch mit einigen Mythen räumt das Buch auf, z. B. mit dem, dass alle Bilder im Goldenen Schnitt aufzuteilen sind.

Was dieses Lehrbuch der Fotografie für mich von vielen anderen unterscheidet: Hier ist nicht nur von Fototechnik, Komposition und dergl. die Rede.

  • Visualisierung,
  • Kreativität,
  • Suche nach dem eigenen Ausdruck,
  • Begeisterung für die Fotografie,
  • Umsetzung der eigenen Interessen …

kurz: all dass, was für die kreative Fotografie besonders wichtig ist, kommt zur Sprache.

Kapitel 4 beispielsweise befasst sich mit der Visualisierung. Barnbbaum zeigt 4 Schritte und alternative Ansätze auf.

  1. Fotografisches Schauen und Sehen
  2. Bildkomposition
  3. Vorstellung des Aussehens des fertigen Abzugs
  4. Planung einer kompletten Strategie zur Realisation des fertigen Abzugs.

Die meisten Foto-Lehrbücher zeigen die Einstellungen der Kamera und/oder die Regeln der Bildkomposition. Barnbaum fängt weit früher an: mit der Vorstellung des fertigen Bildes im Kopf, dem Schauen und Sehen (was für ihn zwei sehr verschiedene Dinge sind).

„Zwei Menschen können dieselbe Sache anschauen und der eine wird eine Menge sehen, während der andere nichts sieht. (Natürlich sieht die Person etwas, aber es hat keine Bedeutung für sie).“

Barnbaum erläutert die Grundvoraussetzungen für Kreativität und deren Hindernisse, aber er macht vor der Technik nicht halt. So widmet sich ein eigenes Kapitel dem Einsatz von Filtern, ein anderes den Werkzeugen zur digitalen Bildbearbeitung.

Für mich gehört dieses Buch zu den besten Lehrbüchern, die es derzeit am Markt gibt. Es ist kein Buch zum Überfliegen, zumal es eher textlastig ist. Im Vergleich zu anderen Fotobüchern gibt es nur wenige, meist kleine Bilder. Lesen heißt hier die Devise. Lesen und ausprobieren oder lesen und darüber nachdenken – z. B. über die Richtung einer persönlichen Philosophie, auf die der Autor in einem separaten Kapitel eingeht.

 

Die Kunst der Fotografie

Der Weg zum eigenen fotografischen Ausdruck
Bruce Barnbaum

dpunkt-Verlag
2. erweiterte und überarbeitete Auflage
August 2017, 430 Seiten, komplett in Farbe, Festeinband
dpunkt.verlag
ISBN Print: 978-3-86490-458-5

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