Die Seele der Kamera - foto.kunst.kultur.

Die Seele der Kamera

seele der kamera dpunkt jpg

Dieses Buch werde ich mit Sicherheit öfter lesen. Oder zumindest immer mal wieder zu Hand nehmen, darin blättern und mir den einen oder anderen Abschnitt wieder ins Gedächtnis rufen. Der Autor David duChemin spricht mir darin aus der Seele. Er bringt Dinge ins Bewusstsein, über die es sich nachzudenken lohnt. Darüber hinaus enthält das Buch zahlreiche Tipps fürs Fotografieren. Man muss sie nur beherzigen. 🙂

  • Das Buch „Die Seele der Kamera“ ist kein Lehrbuch – obwohl man viel daraus lernen kann.
  • Es ist schon gleich kein Bildband – obwohl es wunderbare Schwarzweiß-Aufnahmen von David duChemin enthält.

David duChemin plaudert in gewohnt unterhaltsamer Art über die Fotografie. Das Buch fängt gut an: „Die Rolle der Technik“ wird im ersten Kapitel durchleuchtet. Der Leitsatz spricht Bände:

„Schlussendlich werden die Leute nicht über die Bildschärfe oder Ihre überwältigenden Histogramme sprechen.“

Es wird Zeit, dass sich dies endlich herum spricht. Es gibt tausende überschärfte und übersättigte Bilder im Netz. Den Fotografen dieser Bilder möchte ich dieses Buch besonders ans Herz legen (und auch denen, die diese Bilder in den Social-Media-Kanälen tausendfach liken). Aber zum Glück gibt es ja auch viele, viele andere Fotos.

„Technik ist wichtig“ gesteht duChemin dennoch zu und zieht einen Vergleich mit dem Schreiben heran.

„Es ist also nicht dieser Stift, der die Leser anspricht, sondern es sind Sie und Ihre Geschichten.“

Wer würde ein Buch daran messen, ob es mit einer alten Schreibmaschine oder mit dem Computer geschrieben wurde?

Brechen Sie mit der Perfektion, empfiehlt der Autor in einem anderen Kapitel und vergleicht wieder mit dem Schreiben.

„Jeder Zugewinn an Schärfe oder Dynamikumfang macht eine Geschichte nicht besser als dies eine moderne Schriftart bei einem Gedicht täte.“

Es geht halt doch nicht darum, die Technik bis ins Letzte auszureizen. Es geht immer um die Geschichten, die Bilder erzählen. Und ein Bild mit technischen Mängeln, das eine gute Geschichte erzählt, ist mir persönlich allemal lieber, als ein hohles, aber technisch perfektes Foto. Was natürlich nicht heißen soll, dass man auf die Technik gar nicht achten sollte. Am besten ist immer noch beides: Technisch perfekt und inhaltlich aussagekräftig.

David duChemin läßt in dem Buch keinen Aspekt aus. Er schreibt von der Entdeckung des Sehens, von Geduld, Mut, Kritik, Improvisation, Disziplin und von vielem mehr.

Folgst du nur einigen der zahlreichen Ratschläge, werden deine Bilder mit Sicherheit profitieren.

Die liebe Kreativität

Immer wieder geht es im Buch um die Kreativität.
„Vertrauen Sie demselben kreativen Prozess, der sich bei Tausenden Künstlergenerationen vor Ihnen bereits bewährt hat.“

Nein, der Autor zählt jetzt nicht die einzelnen Phasen des kreativen Prozess auf (du weißt schon: Präparation, Inkubation, Illumination und Verifikation). Das Zitat oben ist der Leitsatz zum Kapitel „Geduld“.

Es geht bei der Geduld nicht darum, sich einfach mehr Zeit zu lassen. David duChemin spricht von der Geduld, auf den entscheidenen Moment zu warten. Auf den Moment z. B., an dem sich das Licht ändert. Oder auf den Moment, „bei einer Portraitsitzung, bis man der Person etwas mehr entlocken kann als die Maske, die sie sich auferlegt hat.“

Wer von sich glaubt, nicht kreativ zu sein, wird die Tipps interessieren, wie man der Kreativität auf die Sprünge helfen kann. Denn: JEDER IST KREATIV (siehe dazu diesen Beitrag in meinem foto.blog).

Beim Schreiben dieses Artikels habe ich natürlich immer wieder in dem Buch geblättert. Das machte Lust auf mehr. Daher höre ich auf mit dem Schreiben, mache mir eine gute Tasse Tee und gönne mir ein Stündlein Lektüre in „Die Seele der Kamera“.

Wir hören, sehen oder lesen uns bald. Bis dahin!

Die Seele der Kamera

… und die Rolle des Fotografen

dpunkt-Verlag
288 Seiten, gebunden
ISBN Print: 978-3-86490-469-1

>