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Fotos aus der Werkstatt der Natur

Karl Blossfeldt Adiantum pedatum. Haarfarn,1898 – 1926
Stiftung Ann und Jürgen Wilde, Pinakothek der Moderne, München

 

Karl Blossfeldt:
Aus der Werkstatt der Natur

23.7. bis 25.10.2015
Pinakothek der Moderne, München

Fotografieren Sie gerne Pflanzen? Oder interessieren Sie sich für Fotokunst? Oder sind Sie Hobbygärtner? Oder …

Es gibt viele Gründe, sich die neue Ausstellung in der Pinakothek der Moderne anzusehen. Sie widmet sich dem deutschen Fotografen Karl Blossfeldt (1865-1932), der durch seine streng formalen Pflanzenfotos Weltruhm erlangte.

Blossfeldt fotografierte Pflanzen im Maßstab 1:1 und fertigte dann Ausschnitte in 12 bis 45facher Vergrößerung an. Obwohl er heute zu den bedeutendsten Fotokünstlern zählt, stand für ihn selbst die Fotografie bei seiner Arbeit nie im Mittelpunkt. Sie war ein Mittel für den Unterricht, sie war „Lehrmeisterin“, aber keine eigenständige Kunst. Seine Fotografien wurden an die Wand projiziert und von den Schülern abgezeichnet. Streng wissenschaftlich beschriftete er die Bilder mit lateinischen Namen.

Blossfeldt über seine Arbeit:

Meine Pflanzenurkunden sollen dazu beitragen, die Verbindung mit der Natur wieder herzustellen. Sie sollten den Sinn für die Natur wieder wecken, auf den überreichen Formenschatz in der Natur hinzuweisen und zu eigener Beobachtung unserer heimischen Pflanzenwelt anregen.

Längst dienen die Aufnahmen Blossfeldts nicht mehr dem Unterricht. Sie gehören zu den Meisterwerken der künstlerischen Fotografie des 20. Jahrhunderts und haben u. a. die Fotografie der Neuen Sachlichkeit geprägt.

Neben August Sander (1876-1964) und Albert Renger-Patzsch (1897-1966) gehört Blossfeldt zu den führenden Fotografen der Neuen Sachlichkeit, eine Stilrichtung der Fotografie, die sich durch eine streng objektive Bildsprache auszeichnet. Fotos sollten keine Geschichten erzählen, keine Interpretation zulassen und nicht inszeniert sein – kurz: sie sollten die Welt sachlich und nüchtern abbilden.

Und genau das tut Blossfeldt: Er stellt die Pflanzen vor einen neutralen hellen oder dunklen Hintergrund und platziert sie zentral im Bild. Es geht in erster Linie um die Form und nicht um die Schönheit der Pflanze. Die Formen erinnern an architektonische Ornamente.

 

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Karl Blossfeldt Papaver orientale. Orientalischer Mohn, 1898 – 1926
Stiftung Ann und Jürgen Wilde, Pinakothek der Moderne, München

 

Im Gegensatz zu Sander und Renger-Patzsch war Blossfeldt kein ausgebildeter Fotograf. Er absolvierte eine Kunstgießerlehre und studierte später an der Unterrichtsanstalt des Königlichen Kunstgewerbemuseums in Berlin (heute die Universität der Künste), wo er ab 1898 auch lehrte. Das Unterrichtsfach „Modellieren nach lebenden Pflanzen“ wurde speziell für ihn von seinem früheren Lehrer und Mentor Moritz Meurer eingerichtet.

Parallel zu seiner Tätigkeit als Dozent begann Karl Blossfeldt Pflanzen und Pflanzenteile fotografisch festzuhalten. 30 Jahre lang arbeitete er intensiv und systematisch an dieser einzigartigen Sammlung von Pflanzenfotos.

 

Ausstellung in der Pinakothek der Moderne

Die Pinakothek der Moderne zeigt nun in der Ausstellung „Karl Blossfeldt. Aus der Werkstatt der Natur“ neben berühmten Fotografien auch Arbeiten aus Blossfeldts Ausbildungszeit sowie kunsthandwerkliche Entwürfe und Materialien zu seiner Lehrtätigkeit. Wunderbar wird präsentiert, dass Blossfeld eben nicht nur Fotograf war. Neben über hundert, teils großformatigen, Fotografien, sind auch Zeichnungen, drei Bronzen und fünf Herbarien Blossfeldts zu sehen.

 

Fotokunst aus der Sammlung Wilde

Der größte Teil der Ausstellung stammt aus der berühmten Sammlung von Ann und Jürgen Wilde. Sie waren es, die die Fotografie schon zu Zeiten als Kunst einstuften, in denen es noch umstritten war, ob Fotografie nicht doch nur reines Handwerk sei. Sie betrieben die erste auf Fotografie spezialisierte Galerie in Deutschland!

In den 1970er Jahren nahmen Ann und Jürgen Wilde Kontakt zu den Nachfahren Karl Blossfeldts auf. Seitdem haben sie systematisch den fotografischen und schriftlichen Nachlass Blossfeldts zusammengetragen und begründeten das Karl Blossfeldt Archiv, dass 1991 in die Liste national wertvoller Archive aufgenommen wurde.

2010 wurde die mehrere tausend Fotografien umfassende Sammlung in München einer neu gegründeten  Stiftung „Ann und Jürgen Wilde“ übereignet und den Bayerischen Staatsgemäldesammlungen angegliedert.

Wir dürfen uns sicher noch auf viele weitere Ausstellungen mit den Schätzen der Sammlung freuen.

 

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Karl Blossfeldt Blumenbachia hieronymi. Blumenbachie, 1898 – 1926
Stiftung Ann und Jürgen Wilde, Pinakothek der Moderne, München

 

Lassen Sie sich aber zunächst von den Pflanzenbildern Karl Blossfeldts begeistert und inspirieren. Am besten Sie schnappen sich nach dem Ausstellungsbesuch Ihre Kamera und gehen auf Fotopirsch. Oder Sie machen es wie Blossfeldt: Sammeln Sie auf einem Spaziergang ein paar Pflanzen und versuchen Sie diese zuhause in Szene zu setzen. Ziel ist nicht, Fotos im Stile Blossfeldts zu erstellen. Lassen Sie sich inspirieren und finden Sie Ihren eigenen Weg. 

Viel Freude dabei! Und vergessen Sie nicht, Ihre Fotos in unserer Facebook-Gruppe zu präsentieren. Hier geht es zur Facebook-Gruppe.

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Karl Blossfeldt Dipsacus laciniatus. Weberdistel, 1898 – 1926
Stiftung Ann und Jürgen Wilde, Pinakothek der Moderne, München

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Karl Blossfeldt Equisetum hyemale. Winterschachtelhalm, 1898 – 1926
Stiftung Ann und Jürgen Wilde, Pinakothek der Moderne, München

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Karl Blossfeldt Eryngium bourgatii. Mannstreu, 1898 – 1926
Stiftung Ann und Jürgen Wilde, Pinakothek der Moderne, München

 

Ich danke der Pinakothek der Moderne herzlich dafür, dass ich die Bilder hier veröffentlichen darf.

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