04.09.17

Lesetipp: Fotografieren mit seidenweicher Unschärfe

Lesetipp: Fotografieren mit seidenweicher Unschärfer foto.kunst.kultur, Helga Partikel

Lesetipp: Fotografieren mit seidenweicher Unschärfe

Ich gebe zu, ich habe eine Schwäche für Bilder mit Bokeh. Für mich gehören die kleinen Zerstreuungskreise im Bild zu den vielen kreativen Möglichkeiten, die ich als Fotograf(in) habe.

Das Wort „Bokeh“ kommt aus dem Japanischen und bedeutet „unscharf“ oder „verschwommen“. In der Fotografie bezeichnet der Begriff die Qualität von unscharfen Bereichen im Foto. Es geht aber nicht darum, einfach Teile des Bildes unscharf darzustellen. Eine geringe Schärfentiefe ist noch lange kein Bokeh. Der Effekt zeichnet sich durch die besondere Art der Unschärfe aus, z. B. durch Ringe oder Kreise.

Ein „schönes Bokeh“ hängt vom Objektiv ab. Es gibt Linsen mit schönem Bokeh und welche, die fast gar kein Bokeh hervorzaubern. Wie üblich ist die Unschärfe abhängig von der Blendenöffnung, dem Abstand zum Objekt und der Brennweite.

Mit dieser Kenntnis kann man beginnen. So richtig spannend wird es aber erst dann, wenn man tiefer in das Thema einsteigt. Es gibt so viel zu wissen und zu berücksichtigen, dass nun sogar ein Buch über den beliebten Effekt erschienen ist. Tilo Gockel hat es geschrieben, der Fotograf, der von dem auch das Buch „Just one flash“ stammt (zum Bericht im foto.blog http://foto-kunst-kultur.de/licht-ins-dunkel-just-one-flash/). Erschienen ist es im dpunkt-Verlag.

Schon im Vorwort gibt es den ersten Hinweis zur Entstehung des Effekts:

„Aber Unschärfe ist nicht gleich Unschärfe … Unschärfe wird besonders deutlich, wenn sich helle Glanzlichter im Hintergrund befinden. Diese werden dann zu ansehnlichen, großen und weichen Zerstreuungskreisen, oder auch, bei minderwertigen Objektiven, zu unschönen Zwiebelringen, Sechsecken oder ähnlichen Formen.“

Wer die Bücher von Timo Gockel kennt, der weiß: Es bleibt keine Frage offen. Er erklärt die Technik rund ums Bokeh bis ins kleinste Detail. Leicht verständlich und nachvollziehbar – auch für Fotografen, die mit der Technik etwas auf Kriegsfuß stehen.

Ohne Technik geht es nicht – die Grundlagen

Das erste Kapitel des Buchs ist den Grundlagen gewidmet. Hier ist u. a. von der Scheimpflugschen Regel die Rede und von LensTilting. Der Autor liefert sogar eine Anleitung zum Selbstbau einer Tilt-Shift-Einheit!

Wer lieber zur Software greift, wird hier auch fündig. Eine der Möglichkeiten: Photoshops Wezichzeichnungsgalerie. Tilo Gockel zeigt auf, wie’s geht. Außerdem findet man Erklärungen für Defocus Stacking, Bokehrahmen und das beliebte Lensbaby. Nicht abschrecken lassen von den Begriffen. Es it einfacher als man denkt.

Wer das erste Kapitel durch gearbeitet hat, ist allerbesten gerüstet für die schönsten Bokeh-Aufnahmen.

Nach der Pflicht kommt die Kür

Wer sich die Technik erarbeitet hat, kann nun los ziehen und eigene Bilder mit Bokeh aufnehmen. Oder sich erst einmal weitere Anleitungen und Inspiration von Tilo Gockel holen. Die restlichen Kapitel des Buchs gehen auf verschiedene Motive für ein Bokeh ein:

  • Essen und Trinken
  • Schöne Dinge
  • Menschen
  • Stadt und Land

Anhand vieler Beispiele zeigt der Autor, wie er vorgegangen ist. Zu jedem Bild erklärt er,

  • welche Ausrüstung er verwendet hat,
  • wie das Lichtsetting aussah,
  • mit welchen Einstellungen die Aufnahme gemacht wurde und
  • wie das Bild nachbearbeitet wurde

Zu jedem Foto gibt es abschließend wertvolle Tipps und Tricks.

Die Bilder sind eine Quelle der Inspiration und machen Lust aufs Experimentieren und Ausprobieren.

Ich werde mit dem Schreiben aufhören, meine Kamera packen und loslegen. Wäre doch gelacht, wenn ich nach der Lektüre von Bokeh! nicht wenigstens ein paar Fotos mit diesem zauberhaften Effekt mit nach Hause bringen würde. Wer kommt mit?

 

Bokeh!

Fotografieren mit seidenweicher Unschärfe

Tilo Gockel
dpunkt Verlag
298 Seiten, komplett in Farbe, Festeinband
ISBN Print: 978-3-86490-393-9

Hier klicken, um einen Kommentar zu schreiben

Schreibe eine Antwort