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So belichtest du deine Fotos richtig

Immer wieder werde ich in meinen Fotokursen gefragt, wie man richtig belichtet. Gemeint sind weniger die technischen Fragen, sondern vielmehr:

  • Welche Belichtung führt zu welchem Effekt?
  • Was stelle ich ein, damit mein Foto so aussieht, wie ich es mir vorstelle?

Es ist eigentlich ganz einfach: Man muss sich nur vorab überlegen, was genau das Foto zeigen soll. Einfach drauf los zu schießen, führt zu nichts.

Die Kernfrage lautet:

Bewegt sich das Hauptmotiv im Moment der Aufnahme oder nicht?

  • Wenn du diese Frage mit JA beantwortest, geht es in deinem Bild um Bewegung
    Du fotografierst z. B. Menschen beim Sport, spielende Kinder, fahrende Autos oder fließendes Wasser.
    Dafür ist der Verschluss, also die Belichtungsdauer zuständig.
  • Wenn du diese Frage mit NEIN beantwortest, geht es nicht um Bewegung sondern um den Raum/die Tiefe.
    Du fotografierst z. B. eine Person, ein Tier, eine Blume, eine Statue …
    Dafür ist die Blende, also die Öffnung des Objektivs zuständig.

 

Erinnerst du dich?

Für die Belichtung sind drei Funktionen deine Kamera zuständig:

  • ISO
    Ein höherer ISO-Wert lässt auch Fotos bei schlechten Lichtverhältnissen zu. Aber: Je höher der ISO-Wert, desto größer die Gefahr von Rauschen (Grobkörnigkeit).
    Daher mein Tipp: Erhöhe den ISO-Wert nur dann, wenn es sein muss.
    Neue Kameras bringen zwar auch bei höheren ISO-Werten sehr gute Ergebnisse, dennoch würde ich die ISO-Einstellung erst als letzte Konsequenz ändern – wenn Blende und Verschluss nicht zum gewünschten Ergebnis führen.
  • Blende
    Die Blende bestimmt die Öffnung des Objektivs. Dabei gilt: Je höher die Blendenzahl, desto kleiner die Blenderöffnung. Und umgekehrt. Eine große Blendenöffnung gestattet Unschärfen im Bild.
  • Verschluss
    Der Verschluss bestimmt, wie lange die Blende geöffnet ist. Das ist einfach. Jedes Kind weiß, dass eine Sekunde länger ist als eine halbe.

 

Zurück zur Überlegung: Geht es um Bewegung oder Raum?

Bewegung

In deinem Bild geht es also um die Bewegung. Nun kommt die nächste Frage: Soll alles scharf dargestellt werden, oder möchtest du Unschärfen?

Bewegungsunschärfe

Für Bewegungsunschärfen wählt man eine lange Verschlusszeit. Die Dauer hängt von der Geschwindigkeit der Bewegung ab. Wenn du mit einer halben Sekunde Belichtungszeit einen Fußgänger und ein schnelles Auto fotografierst, wird das Auto wesentlich unschärfer sein als der Fußgänger. Oder es ist sogar ganz weg.
Denn: Bei sehr langer Belichtungszeit verschwinden Objekte, die sich bewegen, völlig. Probiere es aus. So kannst du spielend „einen Platz leer fegen“. Nur die Objekte sind im Bild sichtbar, die sich nicht (oder wenig) bewegen – z. B. die Häuser oder parkende Autos.

 

Geheauf einen belebten Platz und fotografiere ihn mit langer Belichtungszeit. Damit dies auch tagsüber möglich ist, brauchst du ggf. einen Graufilter. Du wirst sehen: Autos und Personen, die sich sehr schnell bewegen, sind einfach verschwunden. Je langsamer sich ein Objekt bewegt, desto mehr Spuren sind davon zu sehen.

Witzig ist der folgende Effekt: Wenn wir gehen, bewegen wir die Beine schneller als den Oberkörper. Das kann bei langen Verschlusszeiten dazu führen, dass die Beine weg sind, der Oberköper aber noch da ist. Ein Effekt, der manchmal komisch, manchmal störend sein kann. Achte daher ganz besonders darauf, wenn du Langzeitbelichtungen von Menschen machst.

 

Alles scharf

Wir alle kennen die Fotos, bei denen ein Sportler in der Luft hängt. Solche Effekte werden mit sehr kurzen Verschlusszeiten erreicht. Man spricht hier von „Bewegung einfrieren“.
Auch hier hängt alles von der Geschwindigkeit des Objekts ab. Probiere es einfach aus. Mit der Zeit bekommst du ein Gefühl dafür, welche Verschlusszeit passt.

Eine lange Verschlusszeit lässt Wasser fließen, …
… eine kurze „friert Wasser ein“.

 

Raum

Dein Motiv ist ruhig oder bewegt sich kaum? Dann geht es wohl um den Raum.
Auch hier lautet die nächste Frage: Will ich alles scharf oder Unschärfen?

Unschärfen

Für Unschärfe im Vorder- oder HIntergrund des Hauptmotivs wählt man eine möglichst große Blendenöffnung. Wichtig ist natürlich, dass du auf das Element fokussierst, das scharf sein soll. Bei Portraits sind das meist die Augen.
Das Spiel mit der Schärfentiefe macht richtig Spaß. Leider braucht man dazu ein lichtstarkes Objektiv – und die sind meist teuer.

Tipp: Wenn dein Objektiv keine große Blende zulässt, ziehe den Kauf eines Objektivs mit 50 mm Festbrennweite in Erwägung. Ein solches Objektiv gibt es mit einer Lichstärke von 1,8 für unter 200 €. Und damit kann man wirklich tolle Bilder mit unscharfem Vorder- oder Hintergrund machen.

Beispiele für 50mm Objektive. Prüfe aber bitte vor dem Kauf, ob das Objektiv auch zu deine Kamera passt, du z. B. den Autofokus verwenden kannst. Es gibt mittlerweile auch von derselben Herstellerfirma mehrere Angebote. Im Handbuch zu deine Kamera findest dudie Angaben, welche Objektive passen.

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Alles scharf

Soll alles scharf dargestellt werden, wird eine kleine Blendenöffnung benötigt.
Du erinnerst dich? Große Blendenzahl = kleine Blendenöffnung (und umgekehrt).
Aber Achtung: Die Schärfentiefe ist nicht nur von der Blendenöffnung abhängig. Auch der Abstand zum Motiv und die Brennweite spielen eine Rolle. Eine Übersicht:

 

Der Hintergrund ist scharf dargestellt durch eine geschlossene Blende (f8) und einen größeren Abstand zur Statue.
Der Hintergrund ist unscharf durch eine offene Blende (f2.8) und einen geringeren Abstand zur Statue.

 

Kameraeinstellungen

Die Einstellungen kannst du mit dem Modus MANUELL oder mit der Halbautomatik vornehmen. Achte dabei aber immer auch auf den Wert, den die Kamera einstellt.

  • S/TV
    Du stellst den Verschluss ein, die Kamera bestimmt die Blende. Achtung: Wenn du kein lichtstarkes Objektiv hast, aber eine große Blenderöffnung benötigt wird, blinkt die Angabe der Blende oder wird rot angezeigt.
  • A/AV
    Du stellst die Blende ein, die Kamera bestimmt den Verschluss. Achtung: Wenn der Verschluss zu lang ist und du kein Stativ verwendest, wird dein Foto verwackelt sein.

 

Nimm nun deine Kamera zur Hand und mache zur Übung die folgenden Aufnahmen. Verwende dazu den manuellen Modus der Kamera oder die Halbautomatik.

  • Bewegungsunschärfe
    Mache verschiedene Aufnahmen mit langer und mit kurzer Belichtungszeit. Fotografiere z. B. fahrende Autos, einen Wasserfall, rennende Kinder oder Sportler.
  • Schärfentiefe
    Fotografiere z. B. ein Portrait, eine Pflanze oder ein Objekt. Nimm dasselbe Motiv jeweils zwei Mal auf: mit scharfen und mit unscharfen Hintergrund.

 

Zum Schluss noch eine Übersicht, die alles knapp zusammenfasst:

Richtig belichten, Helga Partikel

 

 

Bleibt mir nur noch, dir viel Spaß beim Fotografieren zu wünschen.

 

 

  • Gisela G. sagt:

    Liebe Helga, es ist immer schön, deine Ausführungen und Tipps zu lesen, auch wenn man sie schon öfters gehört oder gelesen hat, man kann solche Ausführungen nicht oft genug lesen!

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