31.07.15

So belichten Sie Ihre Fotos richtig

Helga Partikel, Sylt

So belichten Sie Ihre Fotos richtig

Immer wieder werde ich in meinen Fotokursen gefragt, wie man richtig belichtet. Gemeint sind weniger die technischen Fragen, sondern vielmehr:

  • Welche Belichtung führt zu welchem Effekt?
  • Was stelle ich wann ein, damit mein Foto so aussieht, wie ich es mir vorstelle?

Es ist eigentlich ganz einfach: Man muss sich nur vorab überlegen, was genau das Foto zeigen soll. Einfach drauf los zu schießen, führt zu nichts.

Die Kernfrage lautet: Bewegt sich das Hauptmotiv im Moment der Aufnahme oder nicht?

  • Wenn Sie diese Frage mit JA beantworten, geht es um Bewegung
    Sie fotografieren z. B. Menschen beim Sport, spielende Kinder, fahrende Autos oder fließendes Wasser.
    Dafür ist der Verschluss, also die Belichtungsdauer zuständig.
  • Wenn Sie diese Frage mit NEIN beantworten, geht es nicht um Bewegung sondern um den Raum.
    Sie fotografieren z. B. eine Person, ein Tier, eine Blume, eine Statue …
    Dafür ist die Blende, also die Öffnung des Objektivs zuständig.

 

Erinnern Sie sich?

Für die Belichtung sind drei Funktionen Ihrer Kamera zuständig:

  • ISO
    Ein höherer ISO-Wert lässt auch Fotos bei schlechten Lichtverhältnissen zu. Aber: Je höher der ISO-Wert, desto größer die Gefahr von Rauschen (Grobkörnigkeit).
    Daher mein Tipp: Erhöhen Sie den ISO-Wert nur dann, wenn es sein muss.
    Neue Kameras bringen zwar auch bei höheren ISO-Werten sehr gute Ergebnisse, dennoch würde ich die ISO-Einstellung erst als letzte Konsequenz ändern – wenn Blende und Verschluss nicht zum gewünschten Ergebnis führen.
  • Blende
    Die Blende bestimmt die Öffnung des Objektivs. Dabei gilt: Je höher die Blendenzahl, desto kleiner die Blenderöffnung. Und umgekehrt. Eine große Blendenöffnung gestattet Unschärfen im Bild.
  • Verschluss
    Der Verschluss bestimmt, wie lange die Blende geöffnet ist. Das ist einfach. Jedes Kind weiß, dass eine Sekunde länger ist als eine halbe.

 

Zurück zur Überlegung: Geht es um Bewegung oder Raum?

Bewegung

In Ihrem Bild geht es also um die Bewegung. Nun kommt die nächste Frage: Soll alles scharf dargestellt werden, oder möchten Sie Unschärfen?

Bewegungsunschärfe
Für Bewegungsunschärfen wählt man eine lange Verschlusszeit. Die Dauer hängt von der Geschwindigkeit der Bewegung ab. Wenn Sie mit einer halben Sekunde Belichtungszeit einen Fußgänger und ein schnelles Auto fotografieren, wird das Auto wesentlich unschärfer sein als der Fußgänger. Oder es ist sogar ganz weg.
Denn: Bei sehr langer Belichtungszeit verschwinden Objekte, die sich bewegen, völlig. Probieren Sie es aus.

 

Gehen Sie auf einen belebten Platz und fotografieren Sie ihn mit langer Belichtungszeit. Damit dies auch tagsüber möglich ist, brauchen Sie ggf. einen Graufilter. Sie werden sehen: Autos und Personen, die sich sehr schnell bewegen, sind einfach verschwunden. Je langsamer sich ein Objekt bewegt, desto mehr Spuren sind davon zu sehen.

Witzig ist der folgende Effekt: Wenn wir gehen, bewegen wir die Beine schneller als den Oberkörper. Das kann bei langen Verschlusszeiten dazu führen, dass die Beine weg sind, der Oberköper aber noch da ist. Ein Effekt, der manchmal komisch, manchmal störend sein kann. Achten Sie daher ganz besonders darauf, wenn Sie Langzeitbelichtungen von Menschen machen.

 

Alles scharf
Sie alle kennen die Fotos, bei denen ein Sportler in der Luft hängt. Solche Effekte werden mit sehr kurzen Verschlusszeiten erreicht. Man spricht hier von „Bewegung einfrieren“.
Auch hier hängt alles von der Geschwindigkeit des Objekts ab. Probieren Sie es einfach aus. Mit der Zeit bekommen Sie ein Gefühl dafür, welche Verschlusszeit passt.

Eine lange Verschlusszeit lässt Wasser fließen, …
… eine kurze „friert Wasser ein“.

 

Raum

Ihr Motiv ist ruhig oder bewegt sich kaum? Dann geht es wohl um den Raum.
Auch hier lautet die nächste Frage: Will ich alles scharf oder Unschärfen?

Unschärfen
Für Unschärfe im Vorder- oder HIntergrund des Hauptmotivs wählt man eine möglichst große Blendenöffnung. Wichtig ist natürlich, dass Sie auf das Element fokussieren, das scharf sein soll. Bei Portraits sind das meist die Augen.
Das Spiel mit der Schärfentiefe macht richtig Spaß. Leider braucht man dazu ein lichtstarkes Objektiv – und die sind meist teuer.

Tipp: Wenn ihr Objektiv keine große Blende zulässt, ziehen Sie den Kauf eines Objektivs mit 50 mm Festbrennweite in Erwägung. Ein solches Objektiv gibt es mit einer Lichstärke von 1,8 für unter 200 €. Und damit kann man wirklich tolle Bilder mit unscharfem Vorder- oder Hintergrund machen.

Beispiele für 50mm Objektive. Prüfen Sie aber bitte vor dem Kauf, ob das Objektiv auch zu Ihrer Kamera passt, Sie z. B. den Autofokus verwenden können. Es gibt mittlerweile auch von derselben Herstellerfirma mehrere Angebote. Im Handbuch zu Ihrer Kamera finden Sie die Angaben, welche Objektive passen.

 

Alles scharf
Soll alles scharf dargestellt werden, wird eine kleine Blendenöffnung benötigt.
Sie erinnern sich? Große Blendenzahl = kleine Blendenöffnung (und umgekehrt).
Aber Achtung: Die Schärfentiefe ist nicht nur von der Blendenöffnung abhängig. Auch der Abstand zum Motiv und die Brennweite spielen eine Rolle. Eine Übersicht:

 

Der Hintergrund ist scharf dargestellt durch eine geschlossene Blende (f8) und einen größeren Abstand zur Statue.
Der Hintergrund ist unscharf durch eine offene Blende (f2.8) und einen geringeren Abstand zur Statue.

 

Kameraeinstellungen

Die Einstellungen können Sie mit dem Modus MANUELL oder mit der Halbautomatik vornehmen. Achten Sie dabei aber immer auch auf den Wert, den die Kamera einstellt.

  • S/TV
    Sie stellen den Verschluss ein, die Kamera bestimmt die Blende. Achtung: Wenn Sie kein lichtstarkes Objektiv haben, aber eine große Blenderöffnung benötigt wird, blinkt die Angabe der Blende oder wird rot angezeigt.
  • A/AV
    Sie stellen die Blende ein, die Kamera bestimmt den Verschluss. Achtung: Wenn der Verschluss zu lang ist und Sie kein Stativ haben, wird Ihr Foto verwackelt sein.

 

Nehmen Sie nun Ihre Kamera zur Hand und machen Sie zur Übung die folgenden Aufnahmen. Verwenden Sie dazu den manuellen Modus der Kamera oder die Halbautomatik.

  • Bewegungsunschärfe
    Machen Sie verschiedene Aufnahmen mit langer und mit kurzer Belichtungszeit. Fotografieren Sie z. B. fahrende Autos, einen Wasserfall, rennende Kinder oder Sportler.
  • Schärfentiefe
    Fotografieren Sie z. B. ein Portrait, eine Pflanze oder ein Objekt. Nehmen Sie dasselbe Motiv jeweils zwei Mal auf: mit scharfen und mit unscharfen Hintergrund.

 

Zum Schluss noch eine Übersicht, die alles knapp zusammenfasst:

Richtig belichten, Helga Partikel

 

 

Bleibt mir nur noch, Ihnen viel Spaß beim Fotografieren zu wünschen. Und vergessen Sie bitte nicht, das Ergebnis in unsere Facebook-Gruppe zu posten. Hier geht es zur Facebook-Gruppe foto.kunst.kultur:

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