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5 Fehler beim Fotografieren – und wie du sie vermeidest

Sie drücken den Knopf, wir erledigen den Rest.

Mit diesem Werbeslogan für seine Rollfilm-Kamera „Brownie“ erschloss sich Kodak einst den Massenmarkt.

Auch heute wollen uns einige Kamerahersteller weismachen, dass man einfach nur aufs Knöpfchen drücken muss, um perfekte Bilder zu erhalten.

Ein „Fachverkäufer“ in einem Münchener Fotogeschäft erzählte mir eimal, dass man doch nur 100x dasselbe Motiv fotografieren müsse, damit eines davon scharf und gelungen sei. Er meinte es ernst. Ich war fassungslos.

Ich halte es da lieber mit der deutsch-französischen Fotografin Gisèle Freund (1908-2000), die sagte:

Das Auge macht das Bild, nicht die Kamera. 

Einfach nur drauf zu drücken, ist also keine Lösung. Außerdem macht Fotografie als Hobby doch erst dann richtig Spaß, wenn sie der kreativen Entfaltung dient. Findest du nicht?

Gerade für Anfänger ist es aber oft schwer, den Absprung vom Automatik-Modus zu schaffen. Denn es kann schon sein, dass die Ergebnisse erst einmal schlechter werden, wenn man sich selbst um die Kameraeinstellungen kümmert.

Aber lasse dich nicht entmutigen!

Die Einstellungen der Kamera kann man lernen (z. B. In einem Grundlagenkurs). Beherrscht man die Basis, geht der Spaß doch erst richtig los! Denn zum Fotografieren gehört weit mehr, als „nur“ die Technik.

Damit du die erste Hürde etwas schneller überwindest, hier 10 Anfängerfehler – und wie du sie vermieden kannst.

1. Erst Hirn – dann Kamera einschalten

Die Teilnehmer meiner Fotokurse kennen diesen – zugegeben wenig charmanten – Spruch von mir.

Immer wieder beobachte ich Hobbyfotografen, die einfach nur drauf los knipsen. Kamera aus den Rucksack, mit ausgestrecktem Arm ein kurzer Blick ins Display – und klick. Das nächste Bild. Klick.

Wen wundert’s, dass so nur Zufallstreffer gelandet werden können?

Nimm dir Zeit. Schaue dir dein Motiv genau an und stelle dir u. a. folgende Fragen:

  • Warum will ich dieses Motiv überhaupt fotografieren?
  • Was will ich mit dem Foto ausdrücken?
  • Was genau fasziniert mich daran? Sind es die Muster, die Farben? Ist es die Atmosphäre? Der Gesamteindruck?
  • Wie kann ich das Motiv so ins Bild setzen, dass genau das zur Geltung kommt, was mich fasziniert?
  • Soll alles scharf sein?
  • Ist das Motiv fotogen? Nicht jedes schöne Motiv führt zwangsläufig zu schönen Fotos. Manchmal ergeben auch völlig unspektakuläre Motive ganz tolle Fotos.

Noch einmal: Nimm dir Zeit! Fotografie hat etwas Meditatives an sich. Du musst doch nicht zum nächsten Zug beim Fotografieren, oder?

2. Weniger ist mehr

Alles soll aufs Foto: Tante Lisa, der Hund, der Eiffelturm in voller Größe und halb Paris im Hintergrund.

Entscheide dich und mache lieber mehrere Fotos: Eines vom Eiffelturm, eines von Tante Lisa mit dem Hund und eines von der Skyline von Paris.

Wenn du zu viel aufs Foto packst, ist der Betrachter nur verwirrt und weiß nicht, worauf es sich jetzt konzentrieren soll. Nimm ihm die Entscheidung ab und konzentriere dich auf ein Hauptmotiv.

Minimalistscher geht’s wohl kaum – und doch
zeigt für mich das Foto genau die Stimmung an der Nordsee,

die an diesem Tag vorherrschte und die ich zeigen wollte.

3. Bewege dich

Gut, du hast dir für teures Geld ein klasse Zoom-Objektiv gekauft. Aber heißt das, dass du deine Beine nicht mehr benutzen sollst?

Klebe nicht am Boden und zoome wie ein Weltmeister. Gehe hin zum Motiv oder auch weiter weg.

Meine Schulungsteilnehmer bekommen oft die folgende Hausaufgabe:

„Fotografiere ein und dasselbe Motiv mehrfach:

  • Mit drei verschiedenen Brennweiten, indem du zoomst.
  • Aus drei verschiedenen Positionen, indem du auf das Motiv zugehst.

Und dann vergleiche die Bilder.“

Mache diese kleine Übung. Du wirst sehen, es ist nicht dasselbe, ob du zoomst oder an das Motiv ran gehst. Am besten funktioniert diese Aufgabe, wenn du dir ein Motiv suchst, das aus Vordergrund, Mittelteil und Hintergrund besteht.

4. Ran ans Motiv

Wenn deine Bilder nicht gut genug sind, warst du nicht nah genug dran, …

… Das wusste schon Robert Capa (1913-1954), der ungarisch-amerikanische Fotograf, der als Kriegsfotograf in die Fotogeschichte einging.

Wie recht er hatte! Gehe ran an dein Motiv. Noch näher! Man sollte schon auf dem ersten Blick erkennen, was das Hauptmotiv deines Fotos ist.

Fotografiere auch Details. Der Eiffelturm wurde millionenfach in voller Größe abgelichtet. Versuche doch mal Detailfotos vom Eisenfachwerk. Oder gehe ganz nah ran und fotografiere den Turm aus der Froschperspektive. Wobei wir bei Punkt 5 wären:

5. Perspektivenwechsel

Gehe in die Knie, steige auf eine Bank, schmeiße dich auf den Boden. Wer fotografiert, braucht kein Fitness-Studio.

Beobachte mal die Schar von Hobbyfotografen vor einer Sehenswürdigkeit. Die meisten stehen aufrecht und halten die Kamera in die Luft – so weit der Arm reicht. Die immer gleiche Perspektive führt zu immer gleichen Fotos. Wie langweilig.

Überlege dir auch, was der Kamerastandort mit dem Motiv macht. Ein Porträt von oben herab fotografiert, macht den Fotografen zum Überlegenen. Von unten nach oben gibt es der fotografierten Person Macht, denn sie schaut nun von oben herab auf den Betrachter. Vor allem bei Bewerbungsfotos sollte man sich dieser Tatsache bewusst sein.

 

Verschiedene Bilder vom selben Bauwerk:

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