Ab in den Urlaub: So gelingen die Fotos - foto.kunst.kultur.

Ab in den Urlaub: So gelingen die Fotos

Helga Partikel, Cefalu

Ab in den Urlaub: So gelingen deine Fotos

Schon mal erlebt? Du kommst aus dem Urlaub zurück und bist gespannt wie ein Flitzebogen, wie deine Fotos geworden sind. Aber dann die Enttäuschung: „Das war doch in echt viel schöner.“ „Das wirkt ja auf den Bildern ganz anders.“

Lasse dich nicht entmutigen. Es ist gar nicht so schwer, gelungene Urlaubsfotos aufzunehmen. Ich gebe dir eine Handvoll Tipps dazu.

Schauen wir uns erst einmal an, was man alles im Urlaub fotografieren kann. Natürlich kommt es darauf an, wohin du reist. Aber meistens bedient man im Urlaub gleich mehrere fotografische Genres. Hier eine Aufteilung versehen mit ein paar Anregungen zu Motiven:

Auf dem Land

  • Übersichtsaufnahmen
  • Detailaufnahmen
  • Straßen und Wege
  • Wegkreuze, Marterl
  • Ruhebänke
  • Wasser
  • Wald
  • Felder, Wiesen
  • Landwirtschaft

 

In der Stadt

  • Plätze, Straßen, Wege
  • Gebäude
  • Detailaufnahmen
  • Innenansichten
  • Blick von oben (steigen Sie auf einen Turm)
  • Parks und Grünflächen
  • Geschäfte und Schaufenster
  • Friedhöfe
  • Schilder, Plakate
  • Verkehrsmittel

 

Menschen

  • Straßenszenen
  • Feste und Feiern (Umzüge)
  • Kinder, Senioren
  • Menschen bei der Arbeit
  • Touristen

 

Abstraktion

  • Farben
  • Formen
  • Linien
  • Muster

Die Liste ließe sich endlos fortsetzen. Du siehst: Es gibt weit mehr fotografisch zu entdecken als die üblichen Sehenswürdigkeiten.

Teilnehmer meiner Fotokurse kennen meinen (zugegeben dummen) Spruch: „Wenn du ein normales Foto vom Eiffelturm willst, kaufe dir eine Ansichtskarte.“

Und das führt uns auch schon zum ersten Ratschlag:

 

Konzentriere dich bei deinen Urlaubsfotos auf Details und ungewöhnliche Blickwinkel

Alle Sehenswürdigkeiten dieser Welt sind schon millionenfach von Touristen fotografiert worden. Und unzählige Fotos zeigen immer die gleiche Perspektive. Du machst es im nächsten Urlaub anders.

Nehmen se sich, wenn möglich, Zeit und schaue dir dein Motiv erst einmal in Ruhe an. Ohne Kamera. Gehe in die Hocke oder in die Höhe. Schaue genau. Was spricht dich an? Was ist das Besondere? Sind es die Linien? Die Farben? Gibt es Muster? Konzentriere dich auch auf die Details.

Ein Mini-Fotoprojekt von einem einzigen Haus, das viele Details zeigt, ist weit aussagekräftiger als ein Überblicksfoto.

Mache DEIN Bild. Wir bemühen uns in vielen Bereichen so sehr um Objektivität. Beim Fotografieren musst du subjektiv sein. Dein Foto soll deine Empfindungen ausdrücken. Es soll dein Bild vom Eiffelturm & Co. zeigen. Du weißt schon: „Wenn du ein normales …“

 

 

Auf dem Land: Landschaft/Naturfotografie

Egal, ob im Gebirge oder auf dem flachen Land. Gute Landschaftsfotos haben eines gemeinsam: Sie leben vom Licht.

Die meisten Hobbyfotografen zücken die Kamera, wenn die Sonne scheint und lassen sie hübsch verpackt in der Tasche, wenn es regnet.

Du machst es anders. Du fotografierst IMMER. Bei Sonne, Regen, Wind und Wetter. Nebelfotos sind fantastisch. Regenfotos sowieso.

Natürlich sind glutrote Sonnenuntergänge spektakulär. Aber auch mittags kann man gute Fotos machen. Achte auf die Schatten. Wenn die Sonne hoch am Himmel steht, gibt es kurze harte Schatten. Beziehe diese gekonnt ins Bild ein. Der Spruch, dass man um die Mittagszeit nicht fotografieren kann, ist quatsch. Es ist nur etwas schwieriger.

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Fotografieren zu allen Tageszeiten

Vielleicht machst du ein kleines Fotoprojekt?  Wenn es dein Urlaubszeitplan erlaubt. fotografiere das gleiche Motiv zu allen möglichen Tageszeiten und verschiedenen Wetterbedingungen. Erstens lernst du daraus eine Menge über Licht und zweitens wirst du eine tolle Auswahl von Fotos haben.

 

Der Einsatz von Filtern

Bei der Reisevorbereitung schon erwähnt: Ein Grauverlaufsfilter verhindert ausgefressene Lichter am Himmel. Und weil wir schon bei Filtern sind: Wasser kann man prima mit Graufiltern fotografieren. Damit kannst du auch tagsüber mit langen Belichtungszeiten arbeiten.

 

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In der Stadt: Architekturfotografie

Schnappe dir deine Kamera und los geht’s zum ausgiebigen Stadtbummel. Wen interessiert da schon shopping?

Zieht ein Gebäude deinen Blick an? Dann mache doch ein kleines Miniprojekt. Zuerst ein paar Überblicksaufnahmen von verschiedenen Seiten. Dann gehst du ins Detail. Fotografiere den Eingang, die Fenster, die Mauer und Schmuckelemente.

Gehe noch mehr ins Detail. Gibt es besondere Beschläge an Türen und Fenstern? Spiegelungen in Glasscheiben?

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Gehe nah ans Gebäude ran und fotografiere es aus der Froschperspektive. Vielleicht kannst du auch Innenaufnahmen machen? Oder aus der Vogelperspektive den Blick von oben festhalten?

 

Oh weh: Das Haus kippt um

Achte bei Gebäuden darauf, dass du deine Kamera gerade hältst. Wenn sie auch nur ein wenig gekippt wird, führt das zu den sog. „stürzenden Linien“, das Haus kippt auf dem Foto fast um.

Diese stürzenden Linien sind zu vermeiden, wenn die Kamera absolut gerade ausgerichtet ist. Für ein paar Euro gibt es Aufsteckwasserwaagen, die bei der korrekten Ausrichtung der Kamera sehr nützlich sind. Natürlich nur, wenn du mit Stativ fotografierst.

Stürzende Linien kannst du vermeiden, wenn du:

  • weiter weg vom Motiv gehst,
  • ein Weitwinkelobjektiv einsetzt,
  • ein Fachobjektiv (Tilt-/Shift) verwendest.

Manchmal nützt aber alles nichts. Wenn ein Gebäude zu hoch ist, und du die Kamera neigen musst, mache aus der Not eine Tugend. Gehe nah ran und fotografiere  aus der Froschperspektive. Wenn schon stürzende Linien, dann richtig.

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Natürlich kann man stürzende Linien hinterher in Photoshop & Co. gerade richten. Wenn du schon bei der Aufnahme weißt, dass dies notwendig sein wird, lasse oben und an den Seiten genügend Luft. Beim Aufrichten werden Bildbereiche abgeschnitten, und es sieht einfach nicht schön aus, wenn zu den Bildrändern keine Luft ist.

Und dann schlendere weiter und richten Sie Ihren Blick auf Verkehrsmittel, Schilder, Plakate …

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Vergiss die Menschen nicht!

Auch wenn die Portraitfotografie nicht zu deinen bevorzugten Genre gehört: Bringe die Menschen mit aufs Bild. Ich weiß: Es kostet schon Überwindung, unbekannte Leute einfach so zu fotografieren. Und nicht jeder reagiert freundlich, wenn er abgelichtet wird.

Ein entsprechendes Teleobjektiv lässt dich zwar unbemerkt fotografieren, aber irgendwie ist das doch auch nicht die feine Art. Findest du nicht? Also lieber lächeln, fragen, noch einmal lächeln und sich bedanken.

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Und wenn dir das so gar nicht liegt, dann beziehe die Menschen so mit ins Bild ein, dass man sie nicht erkennt. Von hinten zum Beispiel. Oder in einer großen Gruppe.

Ein Hinweis am Rande: Hartnäckig hält sich das Gerücht, das Fotos von Menschen dann veröffentlicht werden dürfen, wenn mehr als sieben auf dem Bild sind. Das ist falsch!

Bis zum 25. Mai 2018 war richtig ist, dass du Fotos mit Menschen veröffentlichen darfst, wenn „die abgebildeten Personen nur als Beiwerke einer Landschaft oder Örtlichkeit erscheinen. Das ist leider genauso schwammig, wie es klingt.

Seit Einführung der neuen EU-Datenschutzverordnung am 25. Mai gilt diese Regel leider nicht mehr. Nun darf man keine Fotos speichern, auf denen Menschen erkennbar abgebildet sind. Für uns Fotografen heißt das, dass wir sie gar nicht fotografieren dürfen. Das AUS für die Streetphotography – zumindest in EU-Ländern. Aber es bleibt abzuwarten, ob da nicht noch Änderungen gemacht werden. Ich bin gespannt auf die ersten Gerichtsurteile. Bid dahin gilt zum Glück: andere Länder, andere Regeln.

 

 

Werde abstrakt

Egal, ob du in der Stadt oder auf dem Land Urlaub machst, achte auf

  • Farben
  • Formen
  • Linien
  • Mustern
  • Strukturen

Abstrakte Fotografie ist einfach wunderbar. Wen dieses Fieber gepackt hat, den lässt es nicht mehr los. Gehe nah ran an die Motive. Noch näher! Fein, wenn du ein Makro-Objektiv hast.

Oder suche abstrakte Muster und Linien z. B. In Gebäuden. Das geht auch ohne Makro.

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Bei der abstrakten Fotografie steht der abgebildete Gegenstand nicht mehr im Fokus. Oft kann man gar nicht mehr erkennen, was genau fotografiert wurde. Wenn du die Fotos hinterher präsentierst, werden die Betrachter rätseln, was du da abgelichtet hast.

Du wirst sehen: Es eröffnen sich unendlich viele gestalterische Möglichkeiten, wenn du deinen Fokus auf Linien, Formen, Farben und Muster richtest.

 

Nach dem Urlaub: Wohin mit den Bildern?

Wenn du aus der Reise ein Fotobuch machen willst, denke schon beim Aufnehmen daran, dass die Fotos zusammenpassen.

Vielleicht erzählst du eine Geschichte? Das kann die Geschichte deine Reise sein. Oder deine Reise aus der Sicht von einer anderen Person, einem Hund, …

Ein Fotobuch muss nicht unbedingt chronologisch den Verlauf deiner Reise zeigen. Überlege dir vorab schon Kapitel und mache auf der Reise die entsprechenden Aufnahmen.

 

Vergiss nach dem  Urlaub nicht, deine Fotos in unserer Facebook-Gruppe zu posten. Ich freue mich darauf. Hier geht es zur Facebook-Gruppe.

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Ich wünsche dir entspannte Urlaubstage. Komm gut wieder!

 

 

  • Ihren Satz: „Beim Fotografieren müssen Sie subjektiv sein.“ werde ich mir zu Herzen nehmen! Herzlichen Dank für diesen wirklich tollen und praxisnahen Artikel, aus dem sich Anfänger als auch Fortgeschrittene etwas für sich herausziehen können. Jetzt kanns in den Urlaub gehen. 🙂

    • Herzlichen Dank für Ihren Kommentar, liebe Frau Meinhold. Ich freue mich auf Ihre „subjektiven Fotos“.
      Zunächst aber einen wunderschönen Urlaub! Vielleicht ergibt sich ja danach die Gelegenheit, dass ich Ihre Ausbeute sehe.

      Viele Grüße
      Helga Partikel

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