Fotografieren im Flow - foto.kunst.kultur.

Fotografieren im Flow

Cartier-Bresson, Zitat, foto.kunst.kultur, fotografieren im flow

Das oberste Prinzip muss sein, den Blick von seiner Kopflastigkeit zu befreien und die automatische Fotografie zu praktizieren.

Was meint Henri Cartier-Bresson damit? Sicherlich nicht, dass wir die Kamera auf den Automatik-Modus stellen sollen. 🙂

Ich glaube, er spricht vom berühmten „Flow“. Mihály Csíkszentmihályi (* 1934 in Kroation) hat diesen Begriff geprägt. Er meint damit, dass man beim Ausüben einer Tätigkeit in einen Zustand gerät, in dem man alles um sich herum vergisst. Es fühlt sich fast an wie ein Rausch. Kennst du das? Autoren berichten, dass sie dann nicht mehr selbst schreiben, sondern „es schreibt“. Fotografierst du selbst oder fotografiert „es“? 🙂

Mihály Csíkszentmihályi setzt für das Flow-Gefühl klare Zielsetzungen voraus. Man muss sich voll auf das Tun konzentrieren, jede Ablenkung vermeiden (auch das Gedankenkarusell in unserem Hirn, das oft Kapriolen schlägt). Befreie dich also so oft es geht von der Kopflastigkeit und fotografiere im Flow. Deine Bilder werden es dir danken.

  • Berthold Holzwarth sagt:

    Ich habe etwas ein Problem mir HCB beim Fotografieren in einem Rauschzustand oder einer Trance, ähnlich einem Yogi vorzustellen.
    Meine Interpretation des Zitats wäre daher ein wenig anders.
    HCB war ein ausgebildeter Maler und Filmemacher, Bilder machen von daher für ihn eine theoretisch untermauerte, intellektuelle Tätgkeit. Als er dieses Statement abgegeben hat, war er schon einer, wenn nicht der wichtigste Gralshüter der künstlerisch wertvollen Pressefotografie. „Das Auge“
    Die Arbeitsweise des kühlen Beobachters (es gibt einige bekannte Filmdokumente, die ihn bei der Arbeit zeigen) gleicht für mich
    eher einem Lauerjäger der beständig das beste Bild sucht, als einem, der alles um sich herum vergisst.
    Automatisch ist seine Fotografie für mich insofern, als im entscheidenden Augenblick, indem er erkennt die Bildaussage maximal verdichten zu können, kein Nachdenken über das Bild mehr erforderlich ist. Auge und Hand mit Kamera werden in einer einzigen Bewegung auf Linie gebracht, die Komposition ist schon fertig, der visuelle Eindruck muß nur noch abgespeichert werden.

    • Danke für den Kommentar. In Trance hat Bresson sicher nicht fotografiert. 🙂
      Aber im entscheidenden Augenblick nicht mehr über das Bild nachdenken zu müssen, ist für mich auch eine Art „flow“ (der übrigens nicht mit einem Rauschzustand oder Trance zu tun hat).

  • >