alle Bilder: © Christa Schiffner
Und das Chaos sei willkommen - denn die Ordnung hat versagt!
Karl Kraus (1874-1936)
Chaos mögen die wenigsten von uns. Es kostet Zeit, Nerven und manchmal auch den Überblick. Fotografisch betrachtet ist Chaos jedoch ein faszinierendes Motiv. Überall dort, wo viele Formen, Farben und Strukturen aufeinandertreffen, entstehen spannende Bilder.
Dabei muss Chaos gar nicht spektakulär sein. Es begegnet uns täglich - zu Hause, in der Natur, in der Stadt oder sogar auf dem eigenen Schreibtisch.
Warum Chaos ein spannendes Fotomotiv ist
Vielleicht hast du schon einmal vom Schmetterlingseffekt gehört. Er stammt aus der Chaos-Theorie und beschreibt, dass kleine Veränderungen überraschend große Auswirkungen haben können.
Auch in der Fotografie gilt oft etwas Ähnliches: Aus einem scheinbar belanglosen Durcheinander kann plötzlich ein faszinierendes Bild entstehen. Entscheidend ist nicht das Motiv allein, sondern dein Blick darauf.
Chaos ist selten ordentlich. Genau deshalb fordert es uns heraus, trotzdem interessante Strukturen, Farben oder Zusammenhänge zu entdecken.
30 Motivideen zum Thema "Chaos"
Chaos zu Hause
Wenn Aufräumen und Ausmisten überfällig sind.
- unaufgeräumte Schränke
- offene Schubladen
- Bücher- und Zeitungsstapel
- ein überfüllter Wäschekorb
- Geschirrberge in der Küche
- herumliegendes Spielzeug im Kinderzimmer
- Keller voller Gerümpel
- eine Garage, in der das Auto kaum noch Platz hat
Chaos am Arbeitsplatz
Wenn sich Papiere, Ordner und Kartons stapeln.
- Schreibtische voller Schriftstücke und Büroutensilien
- überladene Regale
- die vollgestopfte Werkstatt eines Handwerkers
- überfüllte Materiallager oder Lagerräume
- Kabelsalat
Chaos in der Stadt
Wenn zu viele Eindrücke gleichzeitig aufeinandertreffen
- überfüllte Straßen und Stau zur Rush-Hour
- überfüllte Papierkörbe und Müllberge
- visuelle Reizüberflutung durch Reklame
- Geschäfte, in denen Warenkisten den Gang versperren
- Menschenmengen bei Veranstaltungen
Chaos in der Natur
Wenn die Natur sich ihren Platz zurückerobert.
- überwuchernde Pflanzen im Garten oder auf dem Balkon
- dichtes Unterholz im Wald
- umgestürzte Bäume
- zugewachsene Pfade
- überwachsene Mauern oder Gebäude
- verlassene Orte, die sich die Natur zurückholt
Chaos im Detail
Wenn das Chaos erst beim genauen Hinsehen sichtbar wird.
- Splitterlinien in einer Glasscheibe
- Lichtbrechungen im Wasser
- Risse im Eis
- Öl auf Wasser
- verwirrende Spiegelungen
- ineinander verschlungene Strukturen
Erschaffe dein eigenes Chaos
Nicht überall findest du ein passendes Motiv. Du kannst es aber jederzeit selbst gestalten.
Räume eine Schublade aus, verteile Bücher auf dem Tisch oder kippe den Inhalt deiner Fototasche aus. Oft entstehen die interessantesten Bilder, wenn wir eine Szene bewusst inszenieren.
Anschließend darf natürlich wieder aufgeräumt werden.
Chaos als Fotoprojekte
Serie: fotografisch sammeln
Wo wird Chaos sichtbar? Du kannst ganz unterschiedliche Orte in einer Serie zusammenfassen oder dich auf einen Ort beschränken - beispielsweise das Chaos im Kleiderschrank oder in einer Werkstatt.
Diptychon: zwei Bilder
Zeige links das Chaos und rechts das Ergebnis. Besonders wirkungsvoll wird das Diptychon, wenn beide Bilder exakt dasselbe Motiv zeigen - zum Beispiel eine Küchenschublade vor und nach dem Aufräumen.
Sequenz: vom Chaos zur Ordnung
Erzähle den Weg vom Durcheinander zur Ordnung als kleine Bildergeschichte. Das kann das Ausmisten eines Schranks sein, das Aufräumen der Werkbank oder das Sortieren eines Regals.
Tipps für spannende Bilder
Chaos bedeutet nicht, dass ein Bild beliebig sein sollte.
- Chaos lebt davon, dass von allem zu viel vorhanden ist. Nutze das bewusst für deine Bildgestaltung. Die Regel "Weniger ist mehr" darf für dieses Projekt ruhig einmal Pause machen.
- Suche Bildausschnitte, die das Chaos verstärken. Oft wirken enge Ausschnitte unruhiger als eine Totale.
- Nutze starke Kontraste, Texturen, wiederkehrende Muster und Überlagerungen. Das Auge darf sich im Gewirr verlieren.
- Achte trotzdem auf einen kleinen Blickfang. Auch im größten Chaos hilft ein Ankerpunkt dabei, das Bild spannend wirken zu lassen.
- Lasse Farben miteinander konkurrieren. Bilder, die Chaos zeigen, dürfen so richtig bunt sein.
- Finde trotz des Durcheinanders einen Blickfang.
Ein letzter Gedanke
Chaos begegnet uns überall. Was im Alltag oft störend wirkt, kann fotografisch ausgesprochen reizvoll sein. Vielleicht entdeckst du gerade dort interessante Formen, Farben und Strukturen, wo andere möglichst schnell wieder Ordnung schaffen möchten. Aber manchmal beginnt Kreativität genau dort, wo die Ordnung aufhört.
Vielleicht stellst du beim Fotografieren fest, dass selbst im größten Durcheinander überraschende Muster, Farben und Strukturen verborgen sind.
Alle Bilder auf dieser Seite hat Christa Schiffner fotografiert. Ein herzliches Dankeschön, liebe Christa, dass ich sie hier veröffentlichen darf!
