Lesestoff: 

Fullmoon – Wenn der Mond die Zeit sichtbar macht

Schließt die Tore auf
lasst den Mond hinein
in den schwebenden Tempel.
Bashō (1644-1694)

Sonnenuntergänge und Nachtaufnahmen gehören zu den beliebtesten Motiven der Landschaftsfotografie. Millionen Bilder sind entstanden - und man könnte meinen, dass sich diesem Thema kaum noch etwas Neues abgewinnen lässt. Oder doch?

Der britische Fotograf und Konzeptkünstler Darren Almond (geb. 1971) beweist das Gegenteil. Über viele Jahre hinweg reiste er um die Welt und fotografierte Landschaften ausschließlich im Licht des Vollmonds. Von Schottland bis China, von Rügen bis Hawaii entstanden Bilder, die weniger einen Ort dokumentieren als einen besonderen Zustand der Natur.

Der Taschen-Verlag hat dieses außergewöhnliche Werk nun in dem großformatigen Bildband Fullmoon veröffentlicht, einer erweiterten Ausgabe mit 370 Aufnahmen.

Pacific, 2005 | © 2026 Darren Almond

Rügen und Darß, 2015 | © 2026 Darren Almond

Rügen und Darß, 2015 | © 2026 Darren Almond

Den Mond selbst sucht man auf den meisten Fotografien vergeblich. Er erscheint nicht als Motiv, sondern als Lichtquelle. Sein silbriges Licht verwandelt Berge, Wälder, Küsten und Ebenen in stille, beinahe unwirkliche Landschaften. Er spendet das Licht und taucht die Landschaft in eine mystische Szenerie.

Die Aufnahmen entstanden mit Langzeitbelichtungen - teilweise mit Belichtungen von bis zu zwei Stunden. Dadurch verlieren die Bilder ihren dokumentarischen Charakter. Sternspuren ziehen über den Himmel, Wolken lösen sich auf oder werden zu weichen Schleiern, Wasserflächen wirken glatt wie Glas. Manche Fotografien erinnern an den frühen Morgen, andere versinken beinahe vollständig im Dunkel.

Doch eigentlich fotografiert Almond weder den Mond noch die Nacht. Sein eigentliches Motiv ist die Zeit. Während unser Auge nur einen flüchtigen Augenblick wahrnimmt, sammelt die Kamera über Minuten oder sogar Stunden das Licht des Mondes. Die Landschaft erhält Zeit, sich zu zeigen - und genau das verleiht den Bildern ihre eigentümliche Ruhe und Tiefe.

Während der langen Belichtung siehst du nie, was du gerade fotografierst. Aber du gibst der Landschaft mehr Zeit, sich auszudrücken.
Darren Almond

Menschliche Spuren tauchen nur vereinzelt auf: ein Haus, eine Mühle oder Eisenbahnschienen. Gerade diese Zurückhaltung lässt viele Bilder zeitlos erscheinen. Sie wirken, als wären sie aus der Zeit gefallen. So könnte die Welt vor hunderten von Jahren ausgesehen haben.

Sheena Wagstaff, Leiterin der Abteilung Modern and Contemporary Art des Metropolitan Museum of Art in New York, schreibt im Vorwort:

Manche der fotografischen Ansichten Almonds vermitteln das Gefühl, wie es gewesen sein muss, als einer der ersten Entdecker das Auge über eine Landschaft schweifen zu lassen.

Genau darin liegt für mich der besondere Reiz dieses Bildbandes. Die geografischen Orte treten in den Hintergrund. Entscheidend ist ihre Atmosphäre. Die Fotografien erzählen nicht von Schottland oder China, sondern von Stille, Weite und Zeit.

Sheena Wagstaff beschreibt Almonds Werk als eine zeitgenössische Fortsetzung der britischen Landschaftstradition, deren Wurzeln bis in die Romantik zurückreichen. Tatsächlich erinnern viele Fotografien an Gemälde Turners oder Constables - nicht, weil sie diese nachahmen, sondern weil sie dieselbe Frage stellen: Wie lässt sich die Seele einer Landschaft sichtbar machen? Die Bilder zeigen keine spektakulären Naturschauspiele, sie zeigen Landschaften voller Licht, Stimmung und Geheimnis.

Vielleicht sind es deshalb gar keine äußeren Landschaften, die wir betrachten. Vielleicht führen uns diese Bilder vielmehr in unsere eigenen inneren Landschaften - dorthin, wo Erinnerungen, Sehnsucht und Fantasie miteinander verschmelzen. Nur wenige fotografische Bildbände schaffen es, eine ähnliche Wirkung zu entfalten.

Fullmoon ist kein Buch, das man rasch durchblättert. Es lädt dazu ein, langsam zu schauen und den Bildern dieselbe Zeit zu schenken, mit der sie entstanden sind. Vielleicht ist genau das die eigentliche Botschaft dieses außergewöhnlichen Bildbandes: Nicht nur die Landschaft verändert sich im Licht des Mondes - auch unser Blick auf sie. Wer sich darauf einlässt, entdeckt eine stille Welt, in der Zeit sichtbar wird.

Darren Almond. Fullmoon

Verlag Taschen

Hardcover, 30 x 30 cm, 3.73 kg, 564 Seiten
ISBN 978-3-7544-0710-3
Ausgabe: Mehrsprachig (Deutsch, Englisch, Französisch)
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Lesestoff: Fullmoon – Wenn der Mond die Zeit sichtbar macht

Über mich, Helga Partikel

Ich bin Fotografin aus Leidenschaft und habe mich ganz der kreativen Fotografie und der Fotokunst verschrieben. Gerne gebe ich meine Begeisterung und mein Wissen in Fotokursen und auf Fotoreisen weiter. Lass dich von mir anstecken!

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Das sagen Teilnehmer zu meinen Kursen

Wir haben uns sicher nicht zum letzten Mal gesehen.

Der SW-Kurs auf dem Egglhof als Präsenzveranstaltung war für mich ein wirkliches Highlight. Nicht nur weil die besondere Atmosphäre des Hofes alle Sinne (auch die leiblichen) beflügelt sondern auch den kreativen Rahmen eines wohlwollenden Interesses bietet, in dem die Bildbesprechungen abgehalten werden. Die Besprechungen der eigenen Bilder sowie die der anderen Teilnehmer sind sowieso die Höhepunktes eines jeden Seminars.
Vielen Dank Helga für deine engagierte Art, die knallharte (konstruktive) Kritik und die netten Gespräche nebenbei. Wir haben uns sicher nicht zum letzten Mal gesehen.

Uli

Danke für den tollen Kurs.

Danke für den tollen Kurs. Ich find dich als Menschen und natürlich Fotografin total mitreißend. Es macht Spaß mit dir zu lernen.

Stephanie

Ich fühle mich gerade sehr erfüllt und bereichert

Ich fühle mich gerade sehr erfüllt und bereichert und freue mich über die Inspiration und auch den Prozess den die letzen zwei Wochen mit diesem Thema in mir in Bewegung gebracht haben. Fotografie ist eben auch persönliche Entwicklungsarbeit. Eine schöne Arbeit.

Ulrike K.
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