Ich bin dankbar für die schärfste Kritik, wenn sie nur sachlich bleibt.
Otto von Bismarck (1815 - 1898)

Was bringt dir der Blick von außen?

Warum wir unsere eigenen Bilder manchmal nicht sehen können

Du zeigst deiner Familie oder deinen Freunden ein Foto, das dir besonders gut gefällt. Die Reaktion: "Das ist aber schön!" Das tut natürlich gut. Und selbstverständlich ist es schön, wenn Menschen, die dir nahestehen, deine Bilder mögen. Aber ist das wirklich das Feedback, das dich fotografisch weiterbringt?

Familie und Freunde betrachten deine Bilder mit einem persönlichen Blick. Sie kennen dich, kennen vielleicht die Geschichte hinter dem Foto oder waren sogar selbst dabei. Und manchmal möchten sie dir schlicht eine Freude machen.

Für die eigene fotografische Entwicklung lohnt es sich deshalb, andere Augen auf die eigenen Bilder schauen zu lassen.

Wir sehen unsere eigenen Bilder anders

Wenn du ein Foto gemacht hast, kennst du die Geschichte dahinter. Du weißt, warum du genau diesen Moment fotografiert hast, was dich an der Situation fasziniert hat und was du mit dem Bild ausdrücken wolltest.

Der Betrachter kennt all das nicht. Er sieht nur das Bild. Genau darin liegt der Wert des Blicks von außen. Ein anderer Mensch kann in deinem Foto etwas entdecken, das dir selbst bisher gar nicht aufgefallen ist. Er kann eine andere Wirkung wahrnehmen, eine andere Geschichte darin erkennen oder auf ein Detail aufmerksam werden, das du selbst übersehen hast.

Das bedeutet nicht, dass der andere das Bild "richtig" und du es "falsch" siehst. Es gibt nicht die eine richtige Wahrnehmung eines Fotos. Aber jede ernsthafte Rückmeldung kann deinen eigenen Blick erweitern.

Der eigene blinde Fleck

Wir kennen unsere Bilder zu gut. Wir wissen, wie viel Arbeit in einem Foto steckt. Wir erinnern uns an die schwierigen Lichtverhältnisse, an den besonderen Moment oder daran, wie lange wir auf genau diese Aufnahme gewartet haben. All das kann unseren Blick beeinflussen.

Manchmal sehen wir deshalb über etwas hinweg, das anderen auffällt. Ein anderes Mal konzentrieren wir uns auf einen technischen Fehler und übersehen dabei, dass die Aufnahme eine ganz besondere Stimmung erzeugt. Der Blick von außen kann solche blinden Flecken sichtbar machen.

Bildbesprechungen: Mehr als "gefällt mir"

Genau deshalb sind Bildbesprechungen für mich ein so wichtiger Bestandteil meiner Fotokurse. Eine gute Bildbesprechung besteht nicht aus "gefällt mir" oder "gefällt mir nicht". Wir schauen genauer hin:

  • Wie wirkt das Bild?
  • Was fällt zuerst auf?
  • Wie ist es gestaltet?
  • Welche Stimmung entsteht?
  • Was erzählen mehrere Bilder miteinander?
  • Kommt das beim Betrachter an, was die Fotografin oder der Fotograf zeigen wollte?

Eine Rückmeldung von außen kann bestätigen, was du selbst schon gesehen hast. Oder sie macht dich auf etwas aufmerksam, das dir bisher entgangen ist. Manchmal ist es überraschend, was andere in einem Bild sehen.

Cornelia, eine Kursteilnehmerin, schrieb:

Vor allem die Bildbesprechungen waren sehr produktiv und aufschlussreich.

Cornelia

Und genau das ist für mich der entscheidende Punkt: Die Bildbesprechungen sollen nicht einfach ein Urteil über deine Fotos liefern, sondern neue Erkenntnisse ermöglichen.

Andere sehen anders

Besonders spannend wird es, wenn mehrere Menschen dasselbe Bild betrachten. Der eine achtet auf die Komposition, die andere auf die Farben. Einer entdeckt eine Geschichte, ein anderer reagiert vor allem auf die Stimmung. Diese unterschiedlichen Wahrnehmungen sind kein Problem. Im Gegenteil: Sie machen den Austausch so wertvoll.

Conny hat das nach einem Kurs sehr schön beschrieben:

Durch die äußerst homogene Gruppe wurden die Bildbesprechungen zu einem Highlight und gaben mir viele neue Anregungen. Ich habe viel gelernt, mich fotografisch weiterentwickelt...

Conny

In den Bildbesprechungen hörst du, was andere in einem Bild sehen. So entdeckst du Dinge, die dir selbst nicht aufgefallen sind. Und irgendwann beginnst du, dir diese Fragen beim Sichten deiner Bilder selbst zu stellen.

Du lernst bei den Bildbesprechungen übrigens nicht nur aus den Rückmeldungen zu deinen eigenen Bildern. Auch die Besprechung der Arbeiten anderer kann den eigenen Blick verändern.

Feedback ist keine Wahrheit

Ein wichtiger Punkt darf dabei nicht vergessen werden: Feedback ist immer eine persönliche Wahrnehmung.

Bei einer Bildbesprechung gibt es allerdings auch Dinge, über die man nicht lange diskutieren muss. Wenn ein bestimmter Bereich des Bildes scharf sein soll, aber unscharf ist, ist das ein Fehler. Wenn sich im Bild zahlreiche Ablenkungen befinden, die nichts mit der eigentlichen Bildaussage - dem "König" des Bildes - zu tun haben, kann auch das ein Problem sein.

Bei anderen Fragen sieht es anders aus. Nur der Fotograf selbst kennt die Situation, in der das Bild entstanden ist. Nur er weiß, was er mit seinem Bild ausdrücken wollte. Ob eine bestimmte Gestaltung diese Aussage unterstützt oder ob gerade eine ungewöhnliche Lösung beabsichtigt war, kann deshalb niemand von außen endgültig beurteilen.

Deshalb verstehe ich meine Hinweise bei einer Bildbesprechung immer als Vorschläge und Denkanstöße. Ich kann zeigen, was mir auffällt, erklären, wie ein Bild auf mich wirkt und Möglichkeiten für eine andere Gestaltung aufzeigen. Das letzte Wort hat aber immer die Fotografin oder der Fotograf.

Feedback bringt dich weiter

Ich erlebe in meinen Kursen immer wieder, wie viel sich durch gute Bildbesprechungen bewegen kann. Ein Hinweis führt zu einer neuen Bearbeitung. Eine andere Sichtweise bringt eine neue Idee. Ein Teilnehmer entdeckt bei den Bildern der anderen eine Möglichkeit, die er selbst ausprobieren möchte. Manchmal ist es nur ein einziger Satz, der plötzlich etwas sichtbar macht.

Uli, Teilnehmer vieler Kurse, schrieb:

Die Besprechungen der eigenen Bilder sowie die der anderen Teilnehmer sind sowieso die Höhepunkte eines jeden Seminars.

Uli

Das ist auch meine Erfahrung: Wir entwickeln uns nicht nur weiter, indem wir fotografieren. Wir entwickeln uns weiter, indem wir unsere Bilder betrachten, darüber sprechen und andere Sichtweisen kennenlernen.

Der Blick von außen ersetzt nicht deinen eigenen

Der fremde Blick ist eine Ergänzung zu deiner eigenen Wahrnehmung - kein Ersatz. Du musst dein Bild nicht verändern, weil jemand anderes eine andere Meinung hat. Aber du kannst dich fragen, warum jemand etwas anders wahrnimmt als du.

Vielleicht entdeckst du dabei eine neue Möglichkeit oder verstehst dein eigenes Bild danach sogar besser. Genau darin liegt der Wert des Feedbacks: Jemand anderes zeigt dir manchmal etwas in deinem Bild, das du selbst nicht sehen konntest.

Was siehst du in diesem Bild?
Bevor du weiterliest: Schau dir das Foto einmal ganz unvoreingenommen an. Was fällt dir zuerst auf?

Helga Partikel, foto.kunst.kultur. Fotoexperimente

Weiterlesen: Die hohe Kunst des Feedbacks

Wie erlebt eine Teilnehmerin die Bildbesprechungen und den Austausch in einem Fotokurs? Claudia Omonsky hat ihre Erfahrungen in einem Gastbeitrag festgehalten: Die hohe Kunst des Feedbacks

Was bringt dir der Blick von außen?

Über mich, Helga Partikel

Ich bin Fotografin aus Leidenschaft und habe mich ganz der kreativen Fotografie und der Fotokunst verschrieben. Gerne gebe ich meine Begeisterung und mein Wissen in Fotokursen und auf Fotoreisen weiter. Lass dich von mir anstecken!

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Das sagen Teilnehmer zu meinen Kursen

Es war ein Spitzen-Workshop!

War alles super interessant und wissenswert. Es war ein Spitzen-Workshop!

Catrin

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