Wer mich kennt, der weiß: Mich zieht es immer wieder ans Meer. Mich fasziniert die grenzenlose Weite, dass Rauschen der Wellen lässt mich den Alltag vergessen. Das Meer ist nie gleich - und daher für mich immer wieder ein wunderbares Fotomotiv. Es hat nur einen einzigen Nachteil: Es ist soooo weit weg von München.

Gut, dass es eine Alternative vor meiner Haustür gibt, die ähnliche Vorteile bietet: der Wald.

Bei einem ausgiebigen Spaziergang durch den Wald tanke ich Energie und komme zur Ruhe. Ich liebe das Rascheln der Blätter im Wind, das Zwitschern der Vögel, die unendliche Vielfalt der Natur, ... Und natürlich auch die unzähligen Fotomotive, die der Wald bietet. Seine dichten Baumkronen, das weiche Licht, das durch die Blätter fällt, und die verschiedenen Jahreszeiten bieten unzählige Möglichkeiten für beeindruckende Aufnahmen. Von majestätischen Baumporträts und winzigen Details bis zu verwunschenen Waldwegen – der Wald inspiriert mich zu kreativen und stimmungsvollen Fotos.

Schaut man sich bei Google Bilder vom Wald an, wird schnell klar: Von Meisterwerken bis zu Knipsefotos ist alles vertreten. Kein Wunder, dass letztere überwiegen, ist es doch gar nicht so einfach, eindrucksvolle Waldfotos aufzunehmen.

  • Da sind zum einen die großen Lichtunterschiede. Je nach Tageszeit und Dichte des Waldes kann es schwierig sein, die richtigen Belichtungseinstellungen zu finden.
  • Herabhängende Äste, Wurzeln und viele andere Details bringen Unruhe ins Bild. Wie schafft man es dennoch, die Ruhe des Waldes in einem Foto festzuhalten?
  • Wer sich der Tierfotografie verschrieben hat, steht vor einer harten Geduldsprobe. Die meisten Tiere sind scheu und schnell auf und davon, wenn sie Gefahr wittern.

Die Liste der Herausforderungen könnte man unendlich fortsetzen. Gut, dass es ein Buch gibt, dass sich ganz der Aufgabe widmet, uns beim Fotografieren im Wald zu unterstützen:

Geheimnisse der Waldfotografie

Die faszinierende Welt der Bäume verstehen und stimmungsvoll in Szene setzen
von Yvonne Albe, dpunkt.verlag

Geheimnisse der Waldfotografie, Lesetipp, foto.kunst.kultur, dpunkt-verlag

Schon beim schnellen Durchblättern des Buchs wird klar: Hier schreibt eine, die ihr Handwerk versteht. Yvonne Albe gelingt es mit ihrer Kamera perfekt, die verschiedenen Stimmungen im Wald einzufangen, die Seele des Waldes festzuhalten. Die zahlreichen Bilder im Buch machen ihre tiefe Verbindung zum Wald sichtbar. Im Vorwort schreibt sie:

Jeder hat eine andere Motivation, die ihn mit der Kamera in die Wälder treibt. Bei mir steht an oberster Stelle, die Schönheit des Waldes sichtbar zu machen, damit sie Menschen dazu veranlasst, diese Naturräume zu schützen und zu erhalten. Ich möchte darüber hinaus Stimmungen vermitteln und die Freude, die ich in besonderen Naturmomenten fühle.

Über das Buch

In zehn Kapiteln bringt uns die Autorin den Wald an sich und das Fotografieren im Wald näher.

1. Die Geschichte des Waldes

Woher kommen unsere Wälder, wie haben sie sich im Laufe der Zeitgeschichte verändert und in welchem Zustand sind sie heute?

Wer die Geschichte des Waldes kennt, weiß einzuschätzen, wie er sich im Laufe der Jahrmillionen immer wieder verändert hat. Er kann nachvollziehen, wie der Wald durch die Hand des Menschen geprägt wurde und wird unsere heutigen Wälder in einem anderen Licht betrachten.

2. Wald ist nicht gleich Wald

Dieses Kapitel ist ein Fundus für alle, die sich näher mit unseren Wäldern befassen wollen. Wusstest du, dass in Deutschland gut 97% aller Wälder Wirtschaftswälder sind? Erschreckend!

Yvonne Albe geht auf die verschieden Waldtypen und -arten ein und erklärt uns die Besonderheiten der unterschiedlichen Bäume in Laub- und Nadelwäldern. Zum Abschluss des Kapitels stellt sie uns eindrucksvolle Waldformen vor, z. B. Nieder- oder Hutewälder.

3. Wissenswertes zum Fotografieren in Wäldern

Ab dem dritten Kapitel dreht sich alles um die Fotografie. Zunächst erhalten wir viele Tips zum Fotografieren im Wald, u. a. zum Wetter und seinen waldtypischen Gefahren, zu den Tieren im Wald, zu Waldarbeiten, Jagden und zur Orientierung bzw. Navigation. Den Abschluss des Kapitels bildet ein Thema, das uns allen wichtig sein sollte: die Verantwortung gegenüber der Natur.

4. Kameraequipment und Ausrüstung

Welches Fotoequipment braucht man? Welche Kleidung ist sinnvoll? Und wie sieht es mit der Verpflegung für einen langen Aufenthalt im Wald aus. Praktische Empfehlungen für die notwendige Ausrüstung und lange Waldwanderungen findest du im vierten Kapitel des Buchs.

Geheimnisse der Waldfotografie, Lesetipp, foto.kunst.kultur, dpunkt-verlag


5. Aufnahmetechnik

Einige Seiten des fünften Kapitels wirst du sicher überfliegen können, überblättern solltest du sie nicht, denn die Autorin erzählt darin auch, wie genau sie selbst vorgeht. Wer sich für HDR-Aufnahmen und Foto Stacking interessiert, wird in diesem Kapitel fündig.

6. Motive

Die Bäume, die Sträucher, die Pflanzen sind der Schmuck und das Gewand der Erde. | Jean-Jacques Rousseau*

Motive gibt es wahrlich genug im Wald. Braucht man dazu ein Kapitel in einem Buch? Unbedingt! Yvonne Albe teilt die Motive in die vier Schichten des Waldes ein, erklärt die Pflanzenarten, die in den einzelnen Schichten zu finden sind und gibt Tipps für eigene Waldbilder.

  • Die Bodenschicht mit ihren Pilzen, Moosen, Flechten und herbstlichem Laub.
  • Die Krautschicht, in der Blumen, Farne und Totholz aufs Ablichten warten.
  • Die Strauchschicht mit ihren großen und kleinen Sträuchern und den vielen Spinnweben, die besonders im Herbst darin zu finden sind.
  • Die Baumschicht, das "oberste Stockwerk des Waldes", wo man vor allem im Kronendach und an den Baumstämmen interessante Motive entdecken kann. 

Das Kapitel schließt mit besonderen Waldmotiven, z. B. Wälder und Bäume am Wasser, Alleen oder Tiere im Wald.

Geheimnisse der Waldfotografie, Lesetipp, foto.kunst.kultur, dpunkt-verlag
Geheimnisse der Waldfotografie, Lesetipp, foto.kunst.kultur, dpunkt-verlag

7. Komposition und Bildgestaltung

Eine gezielte Komposition ist für jedes Foto wichtig. Wesentlich wird sie für Bilder, in denen es von unterschiedlichen Elementen geradezu wimmelt. Ausschnitt und Komposition können Ordnung schaffen.

Yvonne Albe trennt dieses Kapitel in zwei Teile:

  • Wald-Innen- und
  • Wald-Außenansichten. 

Erfahre mehr über Linienführung, Balance, Bildausrichtung ... und nicht zuletzt über Nebel als Kompositionshilfe und Farbe als Bildgestaltungselement.

8. Wälder im Wandel der Jahreszeiten

Der Wald verändert sich im Laufe der Jahreszeiten auf beeindruckende Weise.

Nichts zeigt uns Menschen in den gemäßigten Breiten deutlicher, welche Jahreszeit gerade herrscht, als der Wald. Wenn er aus dem Winterschlaf erwacht und seine zarten, frischen Blüten ausrollt, neue weiche Nadeln bildet und Blumen den Waldboden bedecken, wissen wir: Der Frühling ist gekommen. Dunkelgrüne, dichte Kronendächer, die uns Schatten geben, zeigen, dass der Sommer da ist. Wandeln wir zwischen orangefarbenen, roten und gelben Blättern, hat der Herbst Einzug gehalten. Melancholisch und schlicht begegnet uns der Wald im Winter. Jede Jahreszeit bringt uns eine Fülle von Motiven und Stimmungen.

In dem relativ kurzen Kapitel weist dich die Autorin auf Besonderheiten zu den einzelnen Jahreszeiten hin und gibt z. B. Tipps zur besten Tageszeit für einen Fotospaziergang im Wald. Zum Abschluss des Kapitels erfährst du, wie du deine Wahrnehmung schärfst, damit bessere Bilder gelingen.

9. Planung und Wettervorhersage

Die Kunst der Landschaftsfotografie liegt auch darin, zur rechten Zeit am richtigen Ort zu sein. Ein Spaziergang durch den Wald lohnt sich zwar immer - egal wann und wo - aber mit ein wenig Planung kannst du ihn dann unternehmen, wenn das Licht eindrucksvolle Foto fast schon garantiert.

Damit du planen kannst, benötigst du etwas Vorwissen. Du solltest z. B. die verschiedenen Nebelarten unterscheiden können und wissen, wie sich z. B. Hochnebel oder Bodennebel auf deine Fotos auswirken. Und was passiert bei "steigendem Nebel nach Regen"?

Keine Angst: Du musst kein Meteorologe sein oder werden, um dieses Kapitel zu verstehen. Wenn du dich durchbeißt, kannst du spielend das vorgestellte Planungstools kachelmannwetter.com verwenden - zumal es ausführlich erklärt wird.

10. Bearbeitung von Waldfotografien

Das letzte Kapitel widmet sich der Bildbearbeitung mit Lightroom und/oder Photoshop.

Nachwort einer Waldschützerin

Das Nachwort sollte man unbedingt lesen. Hier wird noch einmal deutlich, wie wichtig der Schutz unserer Wälder ist bzw. sein sollte. Wie geht es unserem Wald heute? Gibt es noch Hoffnung? Was können wir, was kann jeder einzelne tun?

Resümee

Über Natur- und Landschaftsfotografie gibt es viele Bücher. Einige davon widmen sich speziell der Waldfotografie. Allerdings kenne ich keines, das so weit über Empfehlungen zur Kameraeinstellung, zum stimmungsvollen Licht und zum Wechsel der Jahreszeiten hinaus geht, wie das Buch von Yvonne Albe.

Ich bin fest davon überzeugt: Wenn man etwas von seinem Motiv versteht, wird man es anders betrachten. Man wird Besonderheiten und Details wahrnehmen, die man sonst vielleicht übersehen hätte. Das führt zu besseren Fotos. Garantiert!

Das Buch "Geheimnisse der Waldfotografie" ist Lehrbuch für Fotografie und Kompendium zum Thema "Wald" in einem. Man taucht ein in den Wald - mit oder ohne Kamera - und entwickelt von Seite zu Seite mehr Verständnis für unsere einzigartigen Wälder.

Ich habe daher auch die ersten beiden Kapitel des Buchs "Die Geschichte des Waldes" und "Wald ist nicht gleich Wald" mit großem Interesse gelesen. Sie zeigen, dass Yvonne Albe nicht nur auf Motivjagd in den Wald umherstreift. Sie hat sich intensiv mit Wäldern beschäftigt, der Schutz des Waldes liegt ihr am Herzen. Ihre Texte und Fotos zeigen dies deutlich.

Das Buch macht Lust, neue Wälder zu entdecken (zumal die Autorin auch in dieser Beziehung mit Tipps nicht geizt). Mit den vertiefenden Kenntnissen aus dem Buch gehe ich mit anderen Augen durch den Wald und fotografiere ihn bewußter. Ich bin sicher: Noch oft werde ich das Buch vor meinen Foto-Waldspaziergängen zur Hand nehmen, mich informieren und mich inspirieren lassen.

Für mich sind Spaziergänge und Fototouren durch die Wälder zu Lichtpunkten in meinem Leben geworden. Viele Erlebnis im Wald wirken wie eine Glücksquelle auf mich., ...

schreibt die Autorin Yvonne Albe im Vorwort. Dem kann ich mich von ganzem Herzen anschließen.

Geheimnisse der Waldfotografie

Die faszinierende Welt der Bäume verstehen und stimmungsvoll in Szene setzen
von Yvonne Albe

Seitenanzahl: 256
Verlag: dpunkt-verlag
Einband: komplett in Farbe, Festeinband
ISBN Print: 978-3-86490-954-2
ISBN PDF: 978-3-96910-969-4

Geheimnisse der Waldfotografie, Lesetipp, foto.kunst.kultur, dpunkt-verlag

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Über mich, Helga Partikel

Ich bin Fotografin aus Leidenschaft und habe mich ganz der kreativen Fotografie und der Fotokunst verschrieben. Gerne gebe ich meine Begeisterung und mein Wissen in Fotokursen und auf Fotoreisen weiter. Lass dich von mir anstecken!

  • Zum Glück hab ich das Buch schon und finde es auch klasse 👍

    • Danke, liebe Gabi. Von dir kam der Tipp für dieses Buch. Beim Fotokurs im Pichlschloss. Herzlichen Dank auf dafür!

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    Das sagen Teilnehmer zu meinen Kursen

    Eine Freude mit Gleichgesinnten die Zeit zu verbringen

    Helgas Kurse sind immer ein Garant noch was dazu zu lernen. Mit ihrer sachlichen Betrachtung und schließlich klaren Einschätzung der gemachten Bilder führt sie uns immer wieder zum Kern unseres Tuns. Das Wochenende im Egglhof, in einem ruhigen oberbayrischen Dörfchen mit grandiosem Alpenpanorama, war für mich ein angenehmes Abtauchen aus der täglichen Anspannung. Die Gruppe war besonders homogen und eine Freude mit Gleichgesinnten die Zeit zu verbringen. Danke Helga!

    Beatrice

    Ich bin froh, dass ich auf dich gestoßen bin

    Vielen Dank für deinen informativen, inspirierenden Kurs! Wir sehen resp. hören uns wieder. Du hast eine tolle Art Dinge zu erklären! Ich bin froh, dass ich auf dich gestoßen bin.

    Eliane

    In den zwölf Monaten hat sich mein Blick verändert.

    Vor fast genau einem Jahr habe ich bei dir mit der MEISTERKLASSE FÜR KREATIVE FOTOGRAFIE begonnen. WENIGER IST MEHR war der übergreifende Leitgedanke. Mit WENIGER MEHR zu zeigen ist nicht einfach !
    Die Module in ihrer Reihenfolge haben sehr geholfen, die Wege zu finden, die zu immer mehr Reduktion geführt haben. Es war für mich eine echte Herausforderung ! Ich freue mich, sie angenommen zu haben. In den zwölf Monaten hat sich mein Blick verändert. Ich plane, schaue genauer, reagiere dadurch besser auf meine Objekte. Es macht mir Freude, die über das Jahr hinweg gewonnenen Erkenntnisse dabei gezielt einzusetzen. Vielen Dank für deine Unterstützung auf dem Weg dorthin !
    Fast noch herausfordernder war für mich die Form der Präsentation der Arbeit. In vielerlei Hinsicht betrat ich völliges Neuland. Jetzt ist es aber geschafft !

    Brigitte
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