Ich hatte eine Farm in Afrika am Fuß der Ngong-Berge" - wer kennt ihn nicht, den berühmten ersten Satz aus dem Roman von Karen Blixen, 1985 von Sydney Pollack mit Meryl Streep, Robert Redford und Klaus Maria Brandauer in den Hauptrollen verfilmt. Ein romantischer Film, der in einer Region spielt, die alles andere als romantisch ist.

Der US-amerikanische Fotograf Peter Hill Beard (1938-2020), ein Freund von Karen Blixen, zeigt in seinen Afrika-Bildserien die Kehrseite dieser romantisierten Vorstellung.

Als Sohn einer wohlhabenden Familie konnte Beard ein luxuriöses Leben führen und hatte Zugang zur internationalen Jetset-Gesellschaft. Er war beispielsweise mit Truman Capote befreundet und dokumentierte die USA-Tournee der Rolling Stones. Nach seinem Kunststudium arbeitete er überwiegend als Modefotograf und porträtierte zahlreiche Stars.

Auf seinen zahlreichen Reisen durch Afrika entdeckte Beard seine Liebe zu diesem Kontinent. Schließlich ließ er sich auf einer Farm in der Nähe von Karen Blixens ehemaligem Besitz nieder, wo er viele Jahre lang lebte.

Peter Beard. The End of the Game, Taschen-Verlag, foto.kunst.kultur

Seite 30/31 | Karen Blixen’s African farmhouse and the Ngong Hills— scenery from, Out of | © The Estate of Peter Beard, Courtesy Peter Beard Studio, www.peterbeard.com

Dort fand er auch sein großes fotografisches Thema: die Zerstörung der afrikanischen Tierwelt durch den Menschen. Seine Bilder zeigen tote und sterbende Elefanten, Berge aus Knochen, abgezogene Felle - und daneben die stolzen Jäger. Sie sind verstörend, manchmal kaum auszuhalten. Und gerade deshalb kann man ihnen nicht einfach ausweichen.

Peter Beard. The End of the Game, Taschen-Verlag, foto.kunst.kultur

Seite 166/167 | Peter Beard, Game Control: Zebra Carpet at Ol Morani, Lariak Estate owned by Gilbert Colville, Laikipia, Kenya NFD, August 1960. The spoils of game control—domestic stock-still taking precedence over wild game. | © The Estate of Peter Beard, Courtesy Peter Beard Studio, www.peterbeard.com

The End of the Game

1965 erschien das Buch "The End of the Game". In Deutschland und der Schweiz wurde es zunächst unter dem Titel "Die letzte Jagd" veröffentlicht. Beards drastische Fotografien sorgten für einen Skandal.

Aber man kann noch so laut schreien, dass solche Bilder skandalös sind - wahr bleiben sie dennoch.

Nun hat der TASCHEN Verlag das Buch neu aufgelegt. In der Ankündigung heißt es:

"Peter Beards Werk ist ein unentbehrliches Zeitdokument der bedrohten Tierwelt Afrikas und zeigt einen Kontinent, der durch die menschliche Idee von ‚Fortschritt' ausgebeutet wurde."

Das Buch zeigt die Zerstörung nicht nur anhand einzelner Fotografien. Beard erzählt eine Geschichte: die Geschichte eines Kontinents, seiner Tierwelt und des Einflusses, den der Mensch auf ihn genommen hat.

Seit seiner Jugend führte Peter Beard Tagebuch. Seine Einträge ergänzte er mit Fotografien, Zeichnungen, Zeitungsausschnitten, Notizen und handschriftlichen Anmerkungen. Genau so ist auch dieses Buch gestaltet. Die Seiten wirken wie ein persönliches Archiv. Fotografien stehen neben Texten und Zeichnungen, Informationen treffen auf persönliche Beobachtungen, nüchterne Fakten auf emotionale Bilder.

Allein die Gestaltung macht das Buch zu einem Erlebnis. Würde man durch die eindrucksvollen Fotografien nicht immer wieder daran erinnert, wie grausam wir Menschen mit unserer Umwelt umgehen können.

Peter Beard. The End of the Game, Taschen-Verlag, foto.kunst.kultur

Seite 50/51 | Bild links: Peter Beard, Ali Hassim | Bild rechts: Karen Blixen’s favorite memory, the giraffe. | © The Estate of Peter Beard, Courtesy Peter Beard Studio, www.peterbeard.com

Fotografie als Zeitzeugin

Vielleicht liegt genau darin eine der wichtigsten Aufgaben von Fotografie. Sie soll nicht immer nur das Schöne zeigen. Sie darf hinschauen, wenn Wegsehen leichter wäre. Sie kann dokumentieren, was geschieht, bevor es vergessen wird. Und manchmal kann sie Dinge sichtbar machen, über die wir lieber nicht sprechen möchten.

Peter Beards Fotografien sind inzwischen selbst historische Dokumente. Sie zeigen eine Welt, die sich verändert hat - und eine Tierwelt, deren Verlust teilweise bereits eingetreten ist. Das macht "The End of the Game"heute, mehr als 60 Jahre nach seiner ersten Veröffentlichung, noch immer relevant.

Denn das Buch zeigt nicht nur, was wir verloren haben.
Es stellt auch die Frage: Wer wollen wir künftig sein?

Peter Beard. The End of the Game, Taschen-Verlag, foto.kunst.kultur

Seite 243, Peter Beard, Dead Elephants, Tsavo, 1971-1972. The ruined wood we used to know won’t cry for retribution – the men who have destroyed it will accomplish its revenge.” W.F. | © The Estate of Peter Beard, Courtesy Peter Beard Studio, www.peterbeard.com


"Ein einzigartiges Buch - in seinem Umfang und seiner Bandbreite, seiner kühnen und kontrastreichen Gestaltung, ja sogar in seinem edlen Anspruch."The New York Times


Mit den Worten auf dem Rückdeckel des Buches möchte ich diesen Beitrag abschließen. Sie sollten auch die letzten Zweifler aufrütteln:

"Last word from paradise."

Peter Beard: The End of the Game 

TASCHEN VerlagAmazon
Hardcover im Schuber, 24.5 x 27.2 cm, 1.90 kg, 304 Seiten
ISBN 978-3-7544-0271-9
Ausgabe: Englisch

Peter Beard. The End of the Game, Taschen-Verlag, foto.kunst.kultur

Peter Beard, Elui with World Record Cow Elephant Tusk, 47 lbs., Marsabit Forest, Kenya, 196. | © The Estate of Peter Beard, Courtesy Peter Beard Studio, www.peterbeard.com

Peter Beard. The End of the Game, Taschen-Verlag, foto.kunst.kultur

Cover Innen. Peter Beard. The End of the Game | Taschen-Verlag

Peter Beard. The End of the Game

Über mich, Helga Partikel

Ich bin Fotografin aus Leidenschaft und habe mich ganz der kreativen Fotografie und der Fotokunst verschrieben. Gerne gebe ich meine Begeisterung und mein Wissen in Fotokursen und auf Fotoreisen weiter. Lass dich von mir anstecken!

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Isabell

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