10 Fragen, die du dir beim Fotografieren stellen solltest - foto.kunst.kultur.

10 Fragen, die du dir beim Fotografieren stellen solltest

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10 Fragen, die du dir beim Fotografieren stellen solltest

Mit der Erfahrung gehen so manche Dinge in Fleisch und Blut über. Man macht vieles automatisch, womit man anfangs gekämpft hat. Das ist beim Fotografieren nicht anderes wie beim Autofahren.

Wenn du beim Fotografieren noch (fast) am Anfang stehst, hilft dir sicherlich eine kleine Checkliste mit Punkten, die du beim Einstellen und Ausrichten der Kamera beachten solltest:

1. Ist das Format richtig gewählt?

Es gibt Motive, die erfordern ein bestimmtes Format. Die Anlage von Schloss Nymphenburg im Hochformat zu fotografieren, wird wohl kaum zu einem guten Foto geben. Aber darüber habe ich in meinem Beitrag über Bildformate schon geschrieben. Schaue dir also dein Motiv genau an: Welches Format ist empfehlenswert? Hochformat? Querformat? Oder kannst du deine Kamera auf ein anderes Format einstellen, das noch besser passt (z. B. Panorama oder Quadrat)? Ein Hochformat hätte dem Bild oben sicher nicht gut getan.

2. Ist das Hauptmotiv richtig platziert?

Wo steht das Hauptmotiv? Sollte es in der Mitte platziert sein oder nicht doch lieber im Goldenen Schnitt? Letzteres wirkt harmonischer. (Mehr dazu in dem Beitrag „Motive platzieren: Der Goldene Schnitt„)

Beachte auch, dass z. B. Personen, Tiere, Statuen etc. in das Bild hinein schauen. Gib ihrem Blick Raum. Schaut die Person von links nach rechts, geht ihr Blick in die Zukunft. Schaut sie von rechts nach links, geht er in die Vergangenheit.

In unserem Kulturkreis lesen wir von links nach rechts – daher ist diese Richtung positiv besetzt. Dies gilt übrigens auch für Diagonalen (wenn du z. B. eine Treppe fotografierst).

Die Originalaufnahme und in Lightroom gespiegelt.
Erkennen Sie die unterschiedliche Wirkung?

3. Scanne die Ränder ab

Schaue dir das Bild im Sucher oder auf dem Display vor allem an den Rändern genau an. Dort passieren die meisten Fehler. Lasse deinen Motiven Raum oder schneide sie vernünftig an.

Wenn bei einer Ganzkörper-Aufnahme nur die Füße fehlen, wirkt es meistens abgeschnitten. Achte darauf, dass dein Motiv komplett zu sehen ist. Oder stelle es nur teilweise dar – bei einem Portrait z. B. nur bis zum Knie.

In letzter Zeit sieht man häufig Portraitaufnahmen, bei denen der Kopf angeschnitten ist. Das ist derzeit in Mode. Aber auch hier gilt: Nur einen Millimeter abzuschneiden wirkt eher mißglückt als bewusst gestaltet.

4. In welchem Verhältnis stehen wichtige Bildelemente zueinander?

Zeigt dein Bild mehrere Objekte, achte darauf, in welchem Verhältnis diese angeordnet sind. Ist ein Objekt dominant? Wenn ja: Ist es auch das Objekt, das du herausstellen willst? Bilden die Objekte eine gedachte Linie? Oder ein Dreieck?

5. Wie sieht der Hintergrund aus?

Schaue dir nun den Hintergrund an. Erschlägt er das Hauptmotiv (z. B. durch Farbe, Form oder Beleuchtung)? Ist er dominant oder ordnet er sich unter? Ragt bei Portraits ein Pfahl aus dem Kopf?

6. Wo liegt der Horizont? 

Überlege dir bei Landschaftsaufnahmen, wo der Horizont liegen soll. Gibt es interessante Wolkenbildungen, lege ihn in den unteren Bildbereich. Ist der Himmel unspektakulär, lege den Horizont nach oben oder verzichte ganz auf ihn. Gib dem interessanteren Bereich mehr Raum. Nur selten ist ein mittig gelegter Horizont empfehlenswert (aber es gibt natürlich Fälle, in denen dies durchaus Sinn macht).

7. Ist der Horizont gerade ausgerichtet?

Ich gebe zu: Ich gehöre zu den „Schief-Fotografierern“. Ich bekomme es einfach nicht hin, den Horizont gerade auszurichten. Daher habe ich mir eine kleine Wasserwaage gekauft, die auf den Blitzschuh aufgesteckt wird. Mit Stativ und Wasserwaage ist ein gerader Horizont selbst für mich kein Problem mehr.

Aber manchmal richte ich den Horizont auch bewusst schief aus. Allerdings gilt hier das Gleiche wie beim Anschnitt (Punkt 3). Ein bisserl schief wirkt missglückt.

Das Meer läuft aus.
In Lightroom ausgerichtet.

8. Stürzende Linien

Weil wir schon beim Ausrichten der Kamera sind: Achte auch darauf, dass die Kamera vertikal gerade ausgerichtet ist. Ist sie das nicht, entstehen sog. stürzende Linien. Gebäude scheinen dann irgendwie umzukippen. Auch hier ist ein ideales Hilfsmittel eine kleine Aufsteckwasserwaage.

Hilfe! Die Kirche kippt um.
In Lightroom gerettet.

9. Wie fällt das Licht?

Das Wichtigste in der Fotografie ist das Licht. Mit dem entsprechenden Licht kann selbst aus einem langweiligen Motiv ein interessantes Foto gezaubert werden. Umgekehrt gelingt das weniger gut. Das beste Motiv kann durch schlecht gesetztes Licht uninteressant werden.

Schaue dir daher genau an, wie das Licht in deinem Foto gesetzt ist. Beleuchtet es das Hauptmotiv oder liegt dieses im Schatten? Benötigst du vielleicht einen Aufhellblitz? Oder kannst du die Lichtquelle anders platzieren?

10. Wo Licht ist, ist auch Schatten

Unser Gehirn neigt dazu, Dinge, die wir nicht sehen wollen, einfach auszublenden.

Daher sehen wir oft gar nicht, wenn z. B. bei einem Portrait unschöne Schatten auf das Gesicht fallen. Schaue genau hin. Wenn du ein Portrait aufnimmst, kannst du dein Modell vielleicht bitten, an einen anderen Platz zu gehen. In einen Hauseingang beispielsweise, oder unter einen Baum. So kannst du Schatten auf dem Gesicht vermeiden.

Meist ebenso unschön sind Schatten auf Gebäuden. Da hilft nur eines: Wiederkommen, wenn die Sonne durch Wolken bedeckt ist. Oder die Schatten akzeptieren.

Schaue dir dein Motiv also genau an: Wo liegen Schatten? Manchmal gelingen auch ganz tolle Fotos, wenn man den Schatten bewußt mit einbezieht. Oder nur den Schatten fotografiert.

 

Das waren nun 10 wichtige Punkte, auf die du achten solltest. Natürlich gibt es weit mehr. Aber wenn du diese Ratschläge befolgst, ist schon mal ein guter Anfang gemacht.

Da fällt mir noch ein Punkt ein

Überlege dir, ob dein Bild durchgehend scharf sein soll, oder ob du mit Unschärfen spielen willst (Bewegungsunschärfe, Tiefenschärfe). Die Antwort auf diese Frage bestimmt dann, wie du die Kamera einstellst. Mehr dazu in dem Beitrag „So belichten Sie Ihre Fotos richtig“.

 

Und nun gehe raus zum Fotografieren und vergiss nicht, hinterher deine Bilder in der Facebook-Gruppe zu posten. Viel Spaß!

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  • Daniel sagt:

    Tolle Auflistung! Über den ein oder anderen Punkt habe ich so noch gar nicht nachgedacht. Danke!

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