Arnold Newman: Fotograf der Seele - foto.kunst.kultur.

Arnold Newman: Fotograf der Seele

Arnold Newman, Fotograf, foto.kunst.kultur

Über seine Fotografien sagte Arnold Newman einmal:

Meine Arbeiten sind ein Ausdruck meiner selbst, der Art, wie ich fühle und denke.

Ich bin interessiert daran, was Individuen antreibt, was sie mit ihrem Leben anstellen. Das Porträt ist eine Art von Biographie.“

Am 3. März 1918 wird Arnold Newman als zweiter von drei Söhnen in New York City geboren. Sein Vater stellte zunächst Kinderkleidung her, eröffnete dann in Atlantic City einen Kurzwarenladen und betrieb, da er das Geschäft durch die Weltwirtschaftskrise verlor, eine Reihe kleiner Hotels. Im Sommer lebte die Familie in Atlantic City, im Winter in Miami Beach. Über seinen Vater sagte Arnold Newman:

„Mein Vater war ein selbständiger Mensch. …
Meine Selbständigkeit habe ich von ihm.“ 

Schon als Junge interessierte sich Arnold Newman für die Kunst. Nach seinem Abschluss an der High School bekam er ein Stipendium  für ein Kunststudium an der „University of Miami“ in Coral Gables. Aus finanziellen Gründen musste er sein Studium allerdings 1938 abbrechen. Arnold Newman:

„Mein Lehrer in Miami, Denman Fink, ein sehr konservativer Künstler, war sehr wichtig für mich.
Er gab mir den Rat, das Museum of Modern Art in New York zu besuchen,
wies mich in die Richtung der Moderne und ließ mich gehen. Das war 1938.“

Ein Freund der Familie vermittelte ihm daraufhin einen Job in einem Kaufhaus-Portraitstudio. Arnold Newman über diese Tätigkeit:

„Ich bekam 16 Dollar die Woche. Ich nahm Fotos auf, verkaufte sie,
mischte Chemikalien, lernte retuschieren, tat alles, was dazugehört.“ 

Damals fängt er an, Freunde zu fotografieren und seinen eigenen Stil zu entwickeln. Durch seinen Jugendfreund Ben Rose (1916–1980) wurde er auf Walker Evans aufmerksam, dessen erste große Ausstellung 1938 im Museum of Modern Art gezeigt wurde. Newman studierte Evans Arbeiten und begann, Menschen auf der Straße zu fotografieren. Er sagte:

„Als ich zum ersten Mal mit der Kamera auf die Straße ging, sagte ich zu mir: ‚
Arnold, wenn du jetzt auf den Auslöser drückst, hat das nichts mit Malen oder Zeichnen zu tun. Hier geht es nur um das psychologische Moment.‘“


Die A. D. Gallery in New York zeigt 1941 eine Ausstellung mit Arbeiten von Arnold Newman und Ben Rose – ein großer Erfolg in den Medien und ein Meilenstein für Newmans weitere künstlerische Laufbahn. Er zieht nach New York, freundet sich mit einigen Künstlern an, macht Portraits von ihnen und entwickelt dabei mehr und mehr seinen individuellen Stil des „psychologischen Portraits“. 1942 kehrt Newman nach Miami Beach zurück und betreibt dort ein eigenes Studio. Aber immer wieder zieht es ihn nach New York. Eine Einzelausstellung im Philadelphia Museum of Art bringt den entscheidenden Durchbruch. Das Museum erwirbt sämtliche Exponate. In der Folge wird er von renommierten Zeitschriften wie Harper‘s Bazaar oder Life engagiert.

1946 zieht er nach New York zurück und teilt sich zunächst ein Studio mit Ben Rose bis er 1949 eine Wohnung mietet, die ihm auch als Studio dient. Im gleichen Jahr heiratet er Augusta Rubinstein. Zwei Söhne, Erica Allan und David Saul, gehen aus der Ehe hervor.

Sein individueller Portraitstil macht Newman zu einem der wichtigsten Porträtfotografen des 20. Jahrhunderts. Obwohl er sich gerne von der Großformatkamera dazu zwingen ließ, seine Fotografien mit Ruhe und Überlegung zu komponieren, portraitierte er manchmal über 50 Personen an einem Tag. Zudem war er ständig unterwegs, um Ausstellungen zu eröffnen und Vorträge zu halten. Regelmäßig unterrichtete er und war u. a. auch Gastdozent an der Universität Miami.

Er portraitierte u. a. berühmte Maler wie Marc Chagall, Max Ernst, Pablo Picasso oder Piet Mondrian; Musiker wie Igor Strawinsky, Leonard Bernstein oder George Harrison; Autoren wie Paul Auster, Norman Mailer oder Arthur Miller; Politiker wie John F. Kennedy, Golda Meir oder Konrad Adenauer. Auch berühmte Fotografen-Kollegen wie Berenice Abbott, Alfred Stieglitz, Henri Cartier-Bresson oder Man Ray standen vor seiner Kamera. Und auch Architekten (z. B. Frank Lloyd Wright), Industrielle (z. B. Alfred Krupp) oder Schauspieler (z. B. Marilyn Monroe). Das Werk Arnold Newmans liest sich wie ein „who-is-who“ der zweiten Hälfte des vergangenen Jahrhunderts.

Hätte er die Universität nicht verlassen müssen, wäre Newman sicher Maler geworden, denn

„Ursprünglich wollte ich Maler werden. Es war mein ganzer Wunsch, alles, was ich zu sagen hatte, in einem einzigen Bild zum Ausdruck zu bringen – meine Gefühle und Gedanken, meine Meinungen über Menschen, mein Interesse an der Natur.“

Am 6. Juni 2006 starb der große „Fotograf der Seele“, wie er gerne genannt wird, im Alter von 88 Jahren in New York an einem Herzinfarkt.

Bildband über Arnold Newman

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