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Fotografie und Recht im Fokus

Buch-Fotografie und Recht im Fokus

Alles Wissenswerte zu Urheberrecht, Pricing, Steuer, Nutzungsrecht und Social Media. Sebastian Deubelli

Das aktuelle Fotorecht macht es uns nicht einfach. Nicht bei der Frage, was man fotografieren darf und schon gleich nicht bei der Frage, welche Fotos veröffentlicht werden dürfen. Es gibt einen Sack voller Regeln, die oft nur Anwälten verständlich sind. Zumal man erst einmal herausfinden muss, wo genau die einzelnen Regeln verankert sind: im Urheberrecht, Nutzungsrecht, Markenrecht ... Wer soll sich da noch auskennen?

Viele sind der Meinung, das man als Privatperson sowieso nicht betroffen ist. Vor allem dann nicht, wenn keine Bilder verkauft, sondern "nur" auf Facebook & Co. gezeigt werden. Weit gefehlt!

Wie gut, dass es Anwälte gibt, die sich auf das Fotorecht spezialisiert haben. Einer davon ist Sebstian Deubelli, Fachanwalt für Urheber- und Medienrecht. Seit 2016 schreibt er in einer Kolumne über Rechtsfragen rund um das Fotobusiness in der Zeitschrift ProfiFoto. Im schönen Landshut an der Isar betreibt er eine Kanzlei für Urheber- und Medienrecht.

Im mitp-Verlag ist 2021 ein Buch von ihm erschienen, dass Licht in den Paragraphen-Dschungel bringt.

Das Buch "Fotografie und Recht im Fokus"

Alles Wissenswerte zu Urheberrecht, Pricing, Steuer, Nutzungsrecht und Social Media

Der Untertitel weist schon darauf hin, dass das Buch bei (fast) allen Rechtsfragen hilt, mit denen ein Fotograf konfrontiert werden kann.

Ehrlich gesagt, lese ich liebe Bücher über Fotokunst oder kreatvie Fototechniken. Ein Buch über Fotorecht zu lesen, fällt mir schwer. Ist aber leider notwendig und gehört zum Business oder zum ernsthaft betriebenen Hobby.

Wie gut, dass Deubelli das Buch nicht im Juristendeutsch geschrieben hat. Die Texte sind auch für Laien (also sogar für mich) verständlich. Viele Beispiele aus der täglichen Praxis eines Anwalts machen klar, worum es geht und was zu beachten ist.

Auf knapp 180 Seiten erhält der Leser zahlreiche Rechtstipps aus der Praxis, wie z. B.:

  • Was tun, wenn mein Bild geklaut wurde?
  • Kann ich Schadensersatz fordern? Wieviel?
  • Was bedeutet die Panoramafreiheit?
  • Was muss ich beachten, wenn ich Nutzungsrechte vergebe?
  • Darf ein Kunde meine Fotos bearbeiten?
  • Darf ich alle Bilder auf Pinterest, Facebook & Co. veröffentlichen?
  • Welche Rechte vergebe ich dabei?
  • Was ist bei Produktfotos zu beachten?
  • Was muss ich bei Verträgen beachten?

1 Urheberrecht

Das erste Kapitel beschräftigt sich mit dem umfrangreichen Urheberrecht - von der Werbekennzeichnung, über den Bilderklau bis hin zur Urhebernennung. Deubelli beleuchtet den Urheberschutz bei nachgestellten Motiven und auch, was genau an einem Foto urheberrechtlich geschützt ist. Sind Idee, Motiv und das Foto an sich geschützt? Sein Resumée dazu:

Zusammengefasst sieht man also, dass es nicht immer nur das Einkopieren eines Fotos ist, das für Ansprüche nach dem UrhG sorgen kann, sondern auch und gerade die Übernahme eines urheberrechtlich geschützen Bildmotivs. Allerdings ist hier im Gegensatz zur Kopie des gesamten Bilds die Rechtslage kompliziert, wenn auch nicht aussichtslos. Reine Ideen und noch nicht in ein Werk gegossene Konzepte hingegen werden nicht vom UrhG geschützt, sodass ich hier zur Vorsicht rate, was eine frühzeitige und freizügige Preisgabe an Dritte angeht.

2 Pricing und Steuer

Für alle, die Bilder verkaufen, ist das zweite Kapitel Pflicht. Hier geht es um den Anspruch auf angemessene Nachvergütung (wenn ein Bild unter Wert verkauft wurde), um Schadensersatz für geklaute Bilder und um die Versteuerung von Fotobüchern. Für mich ist es völlig unverständlich, dass das selbe Buch als Printausgabe mit 19 %, als eBook mit 7 % Umsatzsteuer besteuert wird.

Und wie sieht es mit dem Schadensersatz bei Bilderklau aus? In den weit überwiegenen Fällen von Bilderklau ist lt. Deubelli Schadensersatz zu leisten.

Die Problematik beginnt aber bei der Schadenshöhe. Anders als bei anderen Schadensersatzansprüchen ist die Schadensberechnung im Urheberrecht meist sehr abstrakt... Die gängige Art der Schadensberechnung bei Bilderklau ist die sogenannte Lizenzanalogie. Dabei darf der Fotograf das ansetzen, was er verlangt hätte, wenn der Bilderdieb die Aufnahme ordentlich lizensiert hätte.

Klingt einfacher als es ist. Schon auf der ersten Seite dieses Kapitels macht der Autor klar:

Man sollte sich von dem Gedanken verabschieden, dass jede Form einer Urheberrechtsverletzung automatisch zu Unsummen an Schadensersatz führt.

3 Nutzungsrecht

Das dritte Kapitel dreht sich um die Nutzungsrechte, also um die Frage, was der Käufer eines Bildes mit dem Foto  tun darf. Darf er es uneingeschränkt (Dauer und Ort) veröffentlichen? An Dritte weitergeben? Bearbeiten?

Du siehst schon: Es macht durchaus Sinn, vor dem Verkauf eines Bildes

  • mit dem Käufer abzuklären, wofür er das Bild haben möchte,
  • sich Gedanken zu machen, welche Rechte man bereit ist zu vergeben,
  • festzulegen, welches Honorar man für welche Nutzungsrechte verlangt.

Jedes Kapitel des Buchs endet mit einer Checkliste. Bei den Nutzungsrechten finde ich sie besonders wertvoll, denn hier ist kurz zusammengefasst, was in eine Nutzungsrechtevereinbarbung gehört.

4 Social Media

Eines sollte mittlerweile allen klar sein, die sich auf Facebook & Co. tummeln: Ein "privater" Account ist alles andere als "privat". Also ACHTUNG bei der Veröffentlichung von Fotos.

Sebastian Deubelli nimmt Pinterest als Beispiel, denn Pinterest fordert geradezu dazu auf, fremde Fotos zu "pinnen". Aber darf man das überhaupt?

Dazu der Autor:

Wenn ich Inhalte Dritter pinne oder re-pinne, benötige ich dafür die Genehmigung des Urhebers, also des Fotografen der jeweiligen Aufnahme.

Deubelli räumt zwar ein, dass er in seiner langen Praxis als Anwalt für Fotorecht erst einen einzigen Pinterest-Fall hatte, aber dennoch: Wer auf Nummer sicher gehen möchte, sollte keine fremden Fotos pinnen. Auch wenn ein Pin-it-Button auf einer Webseite dazu auffordert.

Auf Facebook sieht es nicht viel anders aus. Sebastian Deubelli kommt zu dem Schluss, dass auch in Zeiten von Social Media das Urheberrecht uneingeschränkt weiterbesteht und "der Schutz von geistigem Eigentum auch dort einen uneingeschränkt hohen Stellenwert genießt."

5 Praktische Rechtstipps

Das Buch endet mit wertvollen Tipps, wie z. B. das Vermeiden von Verhandlungsfehlern, den Umgang mit dem Markenrecht, die Allgemeinen Geschäftsbedingugen für Fotografen, Fotografenverträge und rechtliche Probleme bei Produktfotos.

Checklisten

Ich habe es schon erwähnt: Jedes Kapitel endet mit einer praktischen Checkliste, die alle wichtigen Aspekte des Kapitels auf den Punkt bringt. Das ist nicht nur prima zum Nachschlagen sondern erspart in manchen Fällen die Lektüre des ganzen Kapitels.

Mein Resumée

Das Buch kann mit Sicherheit keinen Anwalt ersetzen, wenn der Ernstfall eintritt. Aber man kann sich einen Überblick über die Rechtslage schaffen und in vielen Fällen Vorsorge treffen, damit Streitigkeiten verhindert werden.

Ich war sehr gespannt auf das Buch, denn Sebastian Deubelli hat mich vor einigen Jahren bei einem Streit um ein in einer Ausstellung beschädigtes Bild vertreten. Erfolgreich! Dank ihm wurde der Fall außergerichtlich zu meinem Gunsten geklärt.

Ein herzliches Dankeschön im Nachhinein, lieber Herr Deubelli! Ich wünsche Ihnen und dem mitp-Verlag viel Erfolg mit dem Buch.

Fotografie und Recht im Fokus

Alles Wissenswerte zu Urheberrecht, Pricing, Steuer, Nutzungsrecht und Social Media. Sebastian Deubelli

mitp-Verlag
ISBN: 9783747503256
1. Auflage 2021
184 Seiten
Download Leseprobe und Inhaltsverzeichnis

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