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Fotografieren bei Nacht

Von wegen „Nachts sind alle Katzen grau“. Gehe unbedingt einmal nachts auf Motivsuche. Das macht nicht nur richtig Spaß, sondern bringt auch außergewöhnliche Ergebnisse.

Es gibt allerdings einige Punkte zu beachten: 

Kameraeinstellung 

Unsere Kameras messen das einfallende Licht und bestimmen so die richtige Belichtungszeit.

  • Mit der manuellen Einstellung bestimmst du Blende und Verschluss selbst. Die Lichtskala (oder Lichtwaage) liefert eine gute Orientierung.
  • Mit den Halbautomatiken (S/TV oder A/AV) legst du die Blende bzw. den Verschluss fest. Den zweiten Wert bestimmt die Kamera anhand des Messergebnisses. Mit der +/--Korrektur kannst du den Wert, den die Kamera einstellt, anpassen.
  • Bei der Vollautomatik hast auf die Belichtung keinen Einfluss. 

Warum ist das für die Abend-/Nachtfotografie so wichtig? 


So misst die Kamera die Belichtung

Die Kamera misst die Belichtung so, dass sich im Durchschnitt aller Tonwerte ein Grauwert von 18% ergibt. Bei vielen Motiven ergibt das ganz automatisch die richtige Belichtungszeit. Nicht so bei Nachtaufnahmen.

Ist das Motiv überwiegend schwarz, wird die Nacht grau dargestellt. Wenn du das nicht willst, musst du die Belichtung entweder manuell einstellen oder mit der +/--Korrektur anpassen. Mit der Vollautomatik hast du keine Chance auf dunkle Nachtfotos.

Übrigens: Diese Tatsache ist auch dann wichtig, wenn du überwiegend weiße Motive fotografierst, z. B. eine Schneelandschaft. Die Kamera macht aus dem weißen einen grauen Schnee. Auch in diesem Fall musst du die Belichtung korrigieren.

  • Verzichte auf die Vollautomatik. Verwende stattdessen eine der Halbautomatiken und korrigiere die Belichtung oder stelle die Belichtung manuell ein.
  • Egal, mit welchem Modus der Kamera du arbeitest: Nachts wirst du es mit längeren Belichtungszeiten zu tun haben. Verwende daher unbedingt ein Stativ. Ich weiß, das ist lästig. Die Alternative wären hohe ISO-Einstellungen, die allerdings zu unschönem Rauschen führen können.
  • Nachts hast du meist die Qual der Wahl: Entweder du belichtest auf die Lichter oder auf die dunklen Stellen. Im ersten Fall hast du Zeichnung in den Lichtern, aber die dunklen Partien des Bildes werden im tiefen Schwarz versinken. Im zweiten Fall fressen die Lichter aus.

Du mußt dich also entscheiden oder ein sog. HDR-Foto aufnehmen, eine Aufnahme, die aus mehreren unterschiedlich belichteten Bildern zusammengesetzt ist. Aber das ist ein anderes Thema.

Mein Rat:
Kleine Spitzlichter (z. B. von Straßenlaternen oder kleinen Fenstern) sind durchaus in Ordnung. Ist aber ein ganzes Schaufenster überbelichtet, verliert das Foto wahrscheinlich seine Aussage. Schaue dir deine Ergebnisse daher genau an. Stören die Spitzlichter oder im Schwarz versunkene Bildbereiche?

Die Belichtung

"Ein gutes Bild hat alle Tonwerte", sagte einst Ansel Adams, der Meister der Landschaftsfotografie. Schau dir unbedingt seine Bilder an! 

Ich habe es oben schon angesprochen: Bei der Nachtfotografie wirst du um eine Belichtungskorrektur nicht herumkommen (es sei denn, du fotografierst in einer hell beleuchteten Stadt).

Achte darauf, dass das Foto eine nächtliche Atmosphäre ausstrahlt. Mit einer entsprechenden Belichtungszeit kannst du Nachtaufnahmen so wirken lassen, als seien sie tagsüber fotografiert. Aber ist das auch erwünscht?

Prüfe dein Bild am PC und korrigere ggf. dort die Belichtung. Dein Bild soll eindeutig als Nachtaufnahme erkennbar sein - aber möglichst ohne "abgesoffene" Tiefen.

Wenn du die gesamte Belichtung korrigierst, erhöhe ggf. danach die Lichter, um das Mondlicht hell erstrahlen zu lassen. Oder minimiere die Lichter, um Zeichnung im hellen Mond zu erhalten. Ein grell weißen Punkt in einer dunklen Nachtaufnahme ist selten schön. Was genau du tun musst, ist leider von Bild zu Bild unterschiedlich. Daher kann ich dir an dieser Stelle keinen Rat geben - aber ein Beispiel:

Im Bild unten habe ich mit 1/1000 Sekunde Belichtungszeit, Blende 5,6 und ISO 1000 aufgenommen. Da es ziemlich spontan und mitten in der Nacht entstanden ist, hatte ich leider kein Stativ zur Hand. Am PC habe ich in Lightroom die Tiefen auf -13 und die Lichter auf -11 gesenkt. Mehr Bearbeitung fand nicht statt.

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Die beste Zeit

Im Grunde eignet sich jede Nacht und jede nächtliche Stunde zum Fotografieren. Ganz besonders reizvoll - allerdings mit hohem Kitschpotential - sind Vollmondfotos. Achte darauf, dass der Kitsch nicht allzu sehr aus den Bildern trieft. Fange das mystische Mondlicht lieber auf andere Weise an. 

Der Mond muss nicht unbedingt auf den Fotos zu sehen sein. Sein Licht ist magisch! Besonders schön finde ich es, wenn er hinter Wolken steht. Oder sich im Wasser spiegelt.

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Die beste Zeit für atemberaubende Vollmondfotos ist kurz nachdem der Mond aufgegangen ist. Dann steht er nah der Erde. Oder natürlich am frühen Morgen, kurz bevor er untergeht. 

Hilfreiche Apps

Es gibt zahlreiche Apps, die den Stand des Mondes bzw. der Sonne anzeigen. Ich benutze Photophills auf dem iPad sowie The Photographer's Ephemeris auf dem Mac und auf dem iPad. 

Mit "The Photographer's Ephemeris" muss man sich erst einmal auseinandersetzen, während Photophills mehr oder weniger selbsterklärend ist.

Für Windows und Android gibt es sicher ähnliche Programme. Da ich mich der Mac-Welt verschrieben habe, kann ich hier leider keine Empfehlungen geben.

Schreib doch in den Kommentar, welche App(s) du nutzt und welche Erfahrungen du damit gemacht hast.

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