Wilde Elbe

Blätterst du auch gerne in Bildbänden? Ich gönne mir ab und zu eine Schmökerpause und lasse mich, gemütlich im Sessel bei einer Tasse Tee, von großer Fotokunst inspirieren oder "virtuell" an andere Orte locken.

Um mich mit einem Fotokunst-Buch zu beschäftigen, genügt meist der Name des Künstlers oder ein kurzer Blick auf seine Arbeit. Weit wählerischer bin ich bei Reise-Bildbänden. Bücher mit den üblichen Postkarten-Motiven interessieren mich nicht. Solche Fotos gibt es zur Genüge im Internet.

Doch es gibt einige Reise-Bildbände, die nicht Fotos von den üblichen Sehenswürdigkeiten in den immer gleichen Blickwinkeln aneinanderreihen. Sie bringen mich durch hochwertige, oft atemberaubende Bilder, zum Träumen, fangen die Schönheit und Vielfalt eines Ortes ein und machen Lust, sofort Kameratasche und Koffer zu packen.

Für mich sind solche Bücher eine inspirierende Möglichkeit, die Welt bequem aus meinem Sessel heraus zu erkunden. Meine letzte "Sessel-Reise" führte mich an die Elbe. Das hatte einen guten Grund: Jedes Jahr überquere ich den Fluß auf meinen Fahrten zum und vom Fotokurs auf Sylt. "Unterquere" wäre richtiger ausgedrückt, denn mein Weg führte meist durch den Elbtunnel in Hamburg.

Anders im Herbst 2023. Der Elbtunnel war damals gesperrt. Um nicht stundenlang im Stau zu stecken, entschied ich mich für die Autofähre, die von Wischhafen nach Glückstadt führt. Die kurze Überfahrt reichte für den Vorsatz aus, mich näher mit der Elbe zu beschäftigen. Was mich, wieder zuhause, zu dem Buch "Wilde Elbe" aus dem Knesebeck-Verlag führte:

Wilde Elbe

Naturschätze zwischen Riesengebirge und Wattenmeer

Bis zu dieser Lektüre kannte ich nur ein paar Fakten über den Fluss:

  • Die Elbe ist der zweitlängste Fluss in Deutschland (727 km in Deutschland)
  • und der drittgrößte Strom Westeuropas (ca. 1.090 km, die Längenangaben sind unterschiedlich).
  • Sie entspringt im Riesengebirge (Tschechien) und mündet bei Cuxhaven in die Nordsee.
  • Sie durchfließt oder streift sieben Bundesländer: Sachsen, Sachsen-Anhalt, Brandenburg, Mecklenburg-Vorpommern, Niedersachsen, Hamburg und Schleswig-Holstein.
  • Hamburg, Dresden, Magdeburg und Dresden liegen an der Elbe.

Zu meiner Schulzeit beschränkte sich der Geographie-Unterricht auf solche Fakten. Ich hoffe für die Schüler, dass es heute anders ist. Was auch immer der Lehrplan vorsieht: Zum Glück für alle gibt es Bücher wie "Wilde Elbe":

Das Buch "Wilde Elbe"

Kein anderer Fluß in Westeuropa weist eine solche Biotop- und Artenvielfalt auf. 

Dieser Satz im Vorwort macht neugierig auf das Gewässer und das Buch und seine Bilder. 

Die 180 farbigen Abbildungen geben uns einen eindrucksvollen Blick auf die malerische Landschaft entlang des Flusslaufes, von den sanften Hügeln des Elbsandsteingebirges bis hin zum faszinierenden Wattenmeer der Nordsee. Sie zeigen den Fluss in seiner ganzen Vielfalt, die Landschaft zu verschiedenen Tages- und Jahreszeiten und vor allem auch den Lebensraum für Tiere und Pflanzen.

Sechsundzwanzig Fotografen der GDT (Gesellschaft für Naturfotografie e. V.) unter Regie der Regionalgruppe Sachsen-Anhalt und Sachsen waren mehr als zwei Jahre unterwegs und haben mit ihren Kameras festgehalten, was sie an der wilden Elbe fasziniert.

Übrigens: Bilder von Menschen und Orten sucht man in dem Buch vergeblich. Die würden auch nicht zum Buch passen. Schließlich ist es kein Reiseführer, sondern ein Bildband über die wilde Seite der Elbe, die (mehr oder weniger) unberührte Natur.

Die informativen Texte verschiedener Autoren liefern zahlreiche Hintergrundinformationen zu den Abschnitten der Elbe von der Quelle bis zur Nordsee. Sechs Kapitel führen uns am Fluss entlang:

1. Die Elbe nimmt Gestalt an. Vom Riesengebirge zur Porta Bohemica.

Wilde Elbe, Knesebeck-Verlag, foto-kunst-kultur

© Oliver Richter

2. Zwischen Felstürmen und Talhängen. Vom Elbsandsteingebirge ins sächsische Tiefland.

Wilde Elbe, Knesebeck-Verlag, foto-kunst-kultur

© Tobias Richter

3. Die letzten Auwälder. Von der Elsterniederung zum Steckby-Lödderitzer Forst.

Wilde Elbe, Knesebeck-Verlag, foto-kunst-kultur

© Stefan Reichert

Wilde Elbe, Knesebeck-Verlag, foto-kunst-kultur

© Kevin Prönnecke

4. Wo Kraniche rufen und Störche klappern. Von der Saalemündung zur Hohen Garbe.

Wilde Elbe, Knesebeck-Verlag, foto-kunst-kultur

© Thomas Hinsche

5. Das breite Urstromtal. Vom Vierländereck zur Lauenburger Geest.

Wilde Elbe, Knesebeck-Verlag, Wolfram Riech, foto-kunst-kultur

© Wolfram Riech

6. Im Rhythmus von Ebbe und Flug. Vom Alten Land zum Wattenmeer.

Wilde Elbe, Knesebeck-Verlag, foto-kunst-kultur

© Martin Stock

Das Buch endet mit einem Epilog über die Zukunft der Elbe. Lassen wir die Autoren sprechen:

Die Elbe war über Jahrzehnte nicht viel mehr als ein großer schmutziger Abwasserkanal. Dieser Zustand ist durch länderübergreifende Schutzbemühungen heute Geschichte. Der Fluss ist wieder voller Laben und charakteristische Fische, Muscheln und Kleinstlebewesen sind zurückgekehrt.
...
Wir sollten hellhörig werden, wenn Wirtschaft und Politik über weitere wasserbauliche Maßnahmen an der Elbe sprechen.
...
Kanalisierte Wasserstraße oder lebendige Vielfalt? We die Elbe der Zukunft aussieht, liegt in unserer Hand.

Spätestes seit der Lektüre von "Wilde Elbe" steht für mich fest: Den Elbtunnel werde ich zukünftig öfter umgehen und mir die Fahrt mit der Autofähre gönnen. Bis dahin "tröste" ich mich durch eine Sessel-Reise mit dem Buch "Wilde Elbe", das ich allen Natur- und Landschaftsfotografen wärmstens empfehle.

Wilde Elbe

Naturschätze zwischen Riesengebirge und Wattenmeer

Knesebeck-Verlag
26.0 x 22.0 cm, gebunden, 208 Seiten mit 180 farbigen Abbildungen
ISBN 978-3-95728-668-0

Wilde Elbe, Knesebeck-Verlag, foto-kunst-kultur

Zu Amazon (Anzeige)

Lesetipp: Wilde Elbe | zuletzt überarbeitet am: 19.03.2024

Über mich, Helga Partikel

Ich bin Fotografin aus Leidenschaft und habe mich ganz der kreativen Fotografie und der Fotokunst verschrieben. Gerne gebe ich meine Begeisterung und mein Wissen in Fotokursen und auf Fotoreisen weiter. Lass dich von mir anstecken!

  • Hallo zusammen, wem die Elbe zu weit weg ist. Ich als Neubayer und nahe der Isar wohnend, kann Euch sagen, dass es einen wunderschönen Bildband über die Wilde Isar gibt. vom gleichen Verlag wie die Wilde Elbe. Interessant ist auch die Webseite der Gesellschaft für Naturfotografie. Wer sich für Naturfotografie interssiert .

    https://www.knesebeck-verlag.de/wilde_isar/t-1/915

    https://www.gdtfoto.de/

    Herzliche Grüße
    Anke

  • Liebe Helga,
    Als in Norddeutschland geborener und an der Aller (die wie die Donau quer verläuft) aufgewaschen war die Elbe nicht so weit, aber nicht wirklich besucht. Ich kenne sie noch von unten, damals noch in Hamburg per Lift Befahrbar. Heute Lebe ich an der Donau die ist nicht ganz so Krass…
    Danke für den Tippppppppp…..
    Uwe

    • Danke, lieber Uwe. Du weißt ja sicher: Für uns Bayern ist die Donau der Weißwurstäquator. Alles oberhalb der Donau ist Norden, also arg weit weg. 🙂
      Viele Grüße
      Helga

  • Liebe Helga, die Elbtalauen im Wendland sind in ihrer Abgeschiedenheit einfach wunderbar.
    Ich freue mich über weitere Anregungen für Bildbände jeglicher Art.
    Herzlichen Dank!
    Regine

  • {"email":"Email address invalid","url":"Website address invalid","required":"Required field missing"}

    Das sagen Teilnehmer zu meinen Kursen

    Es ist keine Landschaft der großen "Aaahs und Ooohs" auf den ersten Blick (wie etwa die Südoststeiermark oder das steirische Ennstal), das Pichlschloss bei Neumarkt liegt scheinbar abseits des Geschehens und der touristischen Highlights und eröffnet doch den Weg zu unzähligen landschaftlich und kulturellen Kostbarkeiten, allesamt äußerst fotogen, versteckt und oft nicht auf den ersten Blick zu würdigen. Ein echter Gewinn, diese Landschaft am Fuße des Zirbitzkogels und am Übergang zu Kärnten kennengelernt zu haben (und gerne dorthin auch wieder zu kommen). Das herrliche, warme Wetter tat sein Übriges dazu, diese Woche zu einem Highlight werden zu lassen.
    Der Kurs "Farbe" war natürlich das gestaltende Merkmal dieser Woche, in unseren Arbeiten ging es dann meist um Farbharmonie. War es anfangs noch mühsam, sich an das selbst gestellte Thema zu halten, wurde die Fokussierung dann aber zur Bereicherung und brachte uns dazu, anders und genauer hinzuschauen. Das Fotografieren war das eine, das andere wesentliche Teil waren aber die Bildbesprechungen. Helgas unbestechlicher Blick ("Der Fleck muss weg"), ihre konstruktive Kritik und ihr Humor lassen einen jedoch nie als Verliererin zurück, auch wenn man einmal arg daneben liegt. Danke dafür!
    Jeder Abend fand seinen anregenden Ausklang im Roten Salon bei rotem Schilcher, Schilchersturm oder Gemischtem Satz und ausführlichen Gesprächen. Am Ende mussten immer seeehr viele Gläser weggeräumt werden.
    Es war wieder einmal eine optimale Woche: Ich habe viel gelernt und Spaß dabei gehabt. Es möge noch viele solche Zeiten geben!

    Eva ... "Farbe", Fotowoche im Pichlschloss

    Ein tolles Erlebnis

    Ein tolles Erlebnis

    Die Reise in die Steiermark war wie letztes Jahr ein tolles Erlebnis. Regen, Sonne, wunderbare Unterkunft im Pichlschloss, liebenswerte Betreuung des gesamten Personals, guter Rotwein in der Bar am Abend bei interessanten Diskussionen und Fragen zum Projekt. Der Regentag war wie geschaffen, ein Gerüst für das fotografische Projekt zu einem literarischen Text zu erarbeiten. Es erfüllt einen mit einem gewissen Stolz an einer klar definierten Vorgabe zu bleiben. Für die viele Kraft und Geduld von Helga sage ich herzlichen Dank.

    Gesine

    Es macht Spaß, fordert die eigene Kreativität

    Ich habe sehr viel gelernt in diesem halben Jahr. Die Meisterklasse ist für das Erlernen der kreativen Fotografie großartig. Es macht Spaß, fordert die eigene Kreativität zu entwickeln, macht neugierig, wie sehen, fotografieren die Anderen die Aufgaben, manchmal fordernd in den Aufgaben, ist aber gut so. Serie, verschieden Aussagen für Fotos finden und die gestische Fotografie. Die hat mich fasziniert und ich werde sie verfeinern und noch oft üben, lernen.

    Lernen, das war mein Wunsch an die Meisterklasse, das gelingt auch mit Hilfe der Kommentare von Helga zu den einzelnen Fotos. Für mich persönlich war der Weg über einen Fotokurs im Pichlschloss 2024 , wo ich Helga kennen gelernt habe, der richtige Weg zur Meisterklasse. Wovon ich heute noch immer "zehre" sind die Bildbesprechungen von Helga, die so viel aussagen, man lernt und lernt...
    Freue mich schon auf Modul 4-6. Danke Helga

    Helga ... Meisterklasse
    >