Was ist ein fotografisches Projekt?

In meinen Fotokursen und auch in meiner eigenen fotografischen Arbeit spielen Fotoprojekte eine wichtige Rolle. Sie sind für mich ein besonderer Teil der kreativen Fotografie: Sie geben uns die Möglichkeit, uns intensiver mit einer Idee, einem Thema oder einer Fragestellung auseinanderzusetzen.

Aber was genau ist eigentlich ein fotografisches Projekt? Ist nicht jedes Bild, über das ich mir Gedanken mache, schon ein Projekt? Muss ein Projekt aus vielen Bildern bestehen? Und welche Formen kann ein fotografisches Projekt überhaupt annehmen?

Die Antwort ist überraschend einfach: Ein fotografisches Projekt kann sehr klein sein - oder sehr groß.

Ein Bild kann ein Projekt sein

Eine Fotokünstlerin, die ich kenne, plant jedes ihrer Bilder im Voraus. Minutiös. Bis ins kleinste Detail. Sie entwickelt ein umfangreiches Konzept, beschreibt die Location, Requisiten und Modelle, legt Farben und Lichtsetzung fest und überlegt genau, wie das fertige Bild aussehen soll. Die Notizen für ein einziges Foto können ein ganzes Notizbuch füllen.

Sie arbeitet im Bereich der konzeptuellen Fotografie, bei der die Idee im Mittelpunkt steht: Zuerst entsteht die Idee, dann das Konzept - und anschließend wird das Bild entsprechend dieser Vorstellung inszeniert.

Das Beispiel zeigt: Ein fotografisches Projekt muss nicht aus vielen Bildern bestehen. Auch ein einzelnes, bewusst geplantes und konzeptionell entwickeltes Foto kann eine eigenständige fotografische Arbeit sein.

Bildgruppen

Ein fotografisches Projekt kann aus einem einzelnen Bild bestehen - häufig werden aber mehrere Bilder zu einer gemeinsamen Arbeit zusammengestellt. Möglichkeiten gibt es viele. Sie unterscheiden sich beispielsweise in Umfang, Form und zeitlicher Dauer.

Welche Form kann ein Projekt haben?

Es gibt verschiedene Möglichkeiten, Bilder in Gruppen zu präsentieren – vom „kleinen“ Diptychon mit nur zwei Bildern bis hin zur umfangreichen Dokumentation.

Diptychon: zwei Bilder bilden ein Paar

Ein Diptychon besteht aus zwei Bildern, die als Paar betrachtet werden.

Die beiden Fotos können beispielsweise einen Gegensatz zeigen - Sommer und Winter, groß und klein, Nähe und Ferne. Sie können aber auch unterschiedliche Perspektiven auf dasselbe Thema zeigen oder sich gegenseitig ergänzen.

Wichtig ist: Die beiden Bilder stehen miteinander in Beziehung. Sie sind nicht einfach zwei beliebige Fotos, die nebeneinander hängen. Auch reicht es nicht aus, einfach ein Bild in zwei Teile zu schneiden.

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Triptychon: drei Bilder - eine gemeinsame Aussage

Beim Triptychon werden drei Bilder miteinander verbunden.

Auch hier geht es nicht darum, ein einzelnes Foto einfach in drei Teile zu zerlegen. Es entstehen drei eigenständige Bilder, die gemeinsam ein Thema beleuchten oder eine Aussage treffen.

Die Anordnung kann dabei ganz unterschiedlich sein. Meist werden die Bilder nebeneinander gestellt und von links nach rechts „gelesen“. Aber auch Triptychen mit untereinander gestellten Bildern sind möglich. Der mittlere Teil ist oft breiter als die Seitenteile, man kann aber auch alle drei Teile gleich groß darstellen. Häufig nehmen die Seitenteile ein Thema aus dem Mittelteil heraus und beleuchten es näher.

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Serie: fotografisch sammeln

Sammelst du gerne? Ich meine nicht Briefmarken! Ich rede vom fotografischen Sammeln. Darunter versteht man das Sammeln von Fotos zu einem bestimmten Thema. Du kannst Fotos von Regenschirmen, Türmen oder Fahrrädern sammeln. Oder von eckigen, runden, roten oder grünen Objekten. Oder ...

Eine solche Sammlung findet nie ein Ende - es sei denn, du verlierst die Lust daran.

Auch die formale Gestaltung spielt eine Rolle. Ein gemeinsames Format, eine einheitliche Perspektive oder andere wiederkehrende Gestaltungselemente können dazu beitragen, dass aus vielen einzelnen Fotos eine zusammengehörige Arbeit wird.

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Sequenz: Geschichten erzählen

Die einzelnen Fotos einer Sequenz zeigen gemeinsam eine kleine Geschichte oder einen Ablauf. Damit dies funktioniert, kommt es besonders auf die Reihenfolge der Bilder an.

Geschichten finden sich überall. Gehe mit der Kamera nach draußen und suche nach Geschichten. Oder konstruiere welche im Heimstudio.

Eine Sequenz muss nicht aus vielen Bildern bestehen. Oft sind kleine Geschichten besonders spannend. Neun Bilder sind beispielsweise eine gute Größe: Sie bieten genügend Raum, um eine Geschichte zu erzählen, und lassen sich zugleich gut auf einer Seite präsentieren.

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Essay: deine persönliche Sicht

Der fotografische Essay geht noch einen Schritt weiter in Richtung persönlicher Interpretation. Hier steht deine eigene Sicht auf ein Thema oder ein Ereignis im Mittelpunkt.

Du musst also nicht versuchen, möglichst objektiv zu sein. Im Gegenteil: Subjektivität ist ausdrücklich erwünscht.

Ein Essay kann sich einem Thema aus verschiedenen Blickwinkeln nähern, Gedanken und Assoziationen miteinander verbinden und eine ganz persönliche Geschichte erzählen.

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Rantum auf Sylt

Interpretation: Eine Vorlage in Bilder übersetzen

Manchmal entsteht ein fotografisches Projekt aus etwas, das zunächst überhaupt nichts mit Fotografie zu tun hat.

Ein Gedicht, ein Lied, eine Schlagzeile oder ein Text kann zum Ausgangspunkt werden. Du überlegst, welche Bilder zu dieser Vorlage passen und wie du deine persönliche Interpretation fotografisch umsetzen kannst.

Dabei entsteht nicht einfach eine Illustration des Ausgangstextes. Spannend wird es dort, wo du deine eigene fotografische Sicht entwickelst.

Theoretisch könntest du auch umgekehrt vorgehen: Du kramst in deinem Fotoarchiv nach gelungenen Fotos und suchst dann einen Text, der dazu passt. Leider geht dies selten gut und artet meist in eine lästige Sucherei aus.

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Auszug. Zum Projekt

Dokumentation: einen Sachverhalt zeigen

Eine Dokumentation beschäftigt sich möglichst sachlich mit einem Thema, einem Ort oder einem Gegenstand.

Du versuchst, verschiedene Aspekte zu zeigen und Informationen zu vermitteln. Je umfangreicher eine Dokumentation ist, desto wichtiger wird eine gute Vorbereitung und ein klares Konzept.

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Auszug aus dem Buch "Jurahaus. Stille Schönheit im Altmühltal". Zum Buch

Reportage: von einem Ereignis berichten

Eine Reportage erzählt von einem Ereignis. Du zeigst den Ort, die Menschen, die Handlung und die Atmosphäre. Ziel ist es, den Betrachter möglichst unmittelbar am Geschehen teilhaben zu lassen.

Eine Veranstaltung, ein Familienfest - nahezu jedes Ereignis bietet Stoff für eine Fotoreportage.

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Auszug aus einer Reportage

Zeitliche Unterscheidung

Fotografische Projekte lassen sich auch danach unterscheiden, wie viel Zeit ihnen zur Verfügung steht.

Kurzzeit- oder Miniprojekt

Ein Kurzzeit- oder Miniprojekt kann an einem einzigen Tag oder an einem Wochenende entstehen. Du könntest beispielsweise ein Gebäude oder einen Platz in deiner Heimatstadt fotografisch festhalten. Oder du besuchst eine Veranstaltung und entwickelst daraus eine kleine Reportage.

Langzeitprojekt

Wie schon der Name sagt: Ein Langzeitprojekt ist nicht in ein paar Tagen erstellt. Es können mehrere Wochen, Monate oder sogar Jahre vergehen, bis ein solches Projekt abgeschlossen ist. Meist startest du mit der Erstellung eines Konzepts. Wie genau du vorgehst, hängt natürlich vom Thema ab.

Ein Beispielprojekt

Ein Beispiel aus meiner eigenen fotografischen Arbeit ist mein Buch Jurahaus. Stille Schönheit im Altmühltal, das im Münchener Volk-Verlag erschienen ist.

Am Anfang stand die Entscheidung, mich intensiver mit den Jurahäusern im Altmühltal zu beschäftigen. Es folgten Recherchen, Gespräche mit Experten und viele Fragen: Was sind die besonderen Merkmale dieser Häuser? Welche Haustypen gibt es? Wo stehen sie?

Aus diesen Überlegungen entstand ein Konzept. Ich habe festgelegt, was ins Buch soll und wie die Inhalte angeordnet werden. Mit dieser Arbeitsunterlage bin ich immer wieder ins Altmühltal gefahren, habe fotografiert, Interviews geführt und mein Konzept weiterentwickelt.

Schließlich habe ich die Bilder ausgewählt und bearbeitet, Texte geschrieben, das Layout festgelegt, das Buch mit InDesign erstellt, die Finanzierung geklärt, einen Verlag gesucht ...

Entstanden ist ein Buch mit 320 Seiten und über 300 Fotos. Nach zwei Jahren war es so weit. Bei einer festlichen Buchpräsentation im Altmühlzentrum Dollnstein wurde mein Buch vorgestellt. Ein unvergessenes Erlebnis!

Wie stellst du dein Projekt zusammen?

Ein Projekt verändert seine Wirkung, je nachdem, wie die Bilder angeordnet, betrachtet und miteinander in Beziehung gesetzt werden.

Analog

Das gute alte Fotoalbum hat längst nicht ausgedient. Wenn du lieber analog arbeitest, druckst du deine Fotos aus und klebst sie in ein Buch. Oder du klebst alle Bilder auf eine Seite, erstellst also eine Collage.

Digital

Du bevorzugst die digitale Variante? Es gibt unendlich viele Möglichkeiten, deine Arbeit zusammenzustellen und zu präsentieren:

Für große Projekte geeignet ist das Fotobuch. Du kannst es mit dem Buchmodul von Lightroom oder der Software eines Fotobuch-Anbieters erstellen.

Kleinere Projekte kannst du in einer Textverarbeitung (z. B. Word oder Pages), einer Präsentationssoftware (z. B. PowerPoint oder Keynote) oder einem Layoutprogramm (z. B. Canva oder InDesign) zusammenstellen.

Wie wäre es mit einer digitalen Präsentation, z. B. einer Diashow oder einem Video?

Achte darauf, dass die Präsentationsform deiner Zielgruppe entspricht. Dein Opa wird keine Freude an einem Video haben, wenn er nicht über die geeignete Technik zum Abspielen verfügt.

Projektarbeit in der Meisterklasse

Projektarbeit spielt auch in der Meisterklasse kreative Fotografie eine zentrale Rolle. Am Anfang steht eine Serie. Im Laufe der Meisterklasse lernen die Teilnehmer aber auch andere Formen kennen. Bei den Klassentreffen sprechen wir über diese unterschiedlichen Möglichkeiten, betrachten fotografische Arbeiten und beschäftigen uns damit, wie Bilder miteinander in Beziehung treten können.

Denn ein fotografisches Projekt ist weit mehr als eine Sammlung von Fotos. Es ist eine Möglichkeit, einer Idee eine Form zu geben.

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Was ist ein fotografisches Projekt

Über mich, Helga Partikel

Ich bin Fotografin aus Leidenschaft und habe mich ganz der kreativen Fotografie und der Fotokunst verschrieben. Gerne gebe ich meine Begeisterung und mein Wissen in Fotokursen und auf Fotoreisen weiter. Lass dich von mir anstecken!

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Das sagen Teilnehmer zu meinen Kursen

Ich bin ja "Wiederholungs-Täterin", aber immer wieder erneut begeistert. Zum einen von der Art, wie Helga einen Kurs leitet, die Fotos kommentiert, Tipps zur Verbesserung der Fotos gibt und v. a. von dem Ideenreichtum neue Themen für die Fotografie zu finden, was sich auch in den wöchentlichen Foto-Tipps zeigt.

Bettina

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