Die sieben Todsünden der Fotografie

Sieben besonders schlechte Charaktereigenschaften werden in der Theologie als die sieben Todsünden bezeichnet:

  • Superbia - Hochmut
  • Avaritia - Geiz
  • Luxuria - Wollust
  • Ira - Zorn
  • Gula - Völlerei
  • Invidia - Neid
  • Acedia - Faulheit

Viele berühmte Maler haben die sieben Todsünden als Thema für Einzelbilder und Bildfolgen verwendet, z. B. Pietro Bruegel, Mark Chagall oder Otto Dix. Sie auch in der Fotografie abzubilden, liegt also relativ nahe.

Die Fotografin Monika Andrea ist einen anderen Weg gegangen:

Ohne bewusst darüber nachzudenken, begann ich auszuloten, welche der sieben Laster mir denn schon in meinem fotografischen Schaffensprozess über den Weg gelaufen sein könnten. Mich beschlich sofort das Gefühl, in meiner Fotografie schon ziemlich viel gesündigt zu haben.

Nach dieser Erkenntnis hat die Autorin offensichtlich doch viel darüber nachgedacht und auch gleich ein Buch über die sieben Todsünden in der Fotografie geschrieben.

Die sieben Todsünden der Fotografie

Reflexionen und Wege zu besseren Bildern

Die sieben Todsünden der Fotografie, foto.kunst.kultur

Der Untertitel ist Programm. Mit ihren Texten regt die Autorin zum Nachdenken über die eigene fotografische Arbeit an. So kommt man den eigenen Verfehlungen schnell auf die Schliche, gewinnt wertvolle Erkenntnisse und kann - dank der angebotenen Lösungswege - gute Vorsätze gleich in die Tat umsetzen. Nehmen wir als Beispiel

Gula, die Völlerei

Was hat die Völlerei mit der Fotografie zu tun? Im Kern, so die Autorin, hat Völlerei auch etwas mit Gier zu tun, z. B.:

Die Gier nach immer mehr Ausrüstung

So manch einer meint, eine teuere Ausrüstung sei der Garant für gute Fotos.

Wir haben oft kaum die Grundzüge von Kameratechnik, Weißabgleich, Bildaufteilung und Farbenlehre verstanden, da beschleicht uns schon das Gefühl, die Ausrüstung könnte nicht vollständig sein. Brennweitenlücken werden schnell zu einem hartnäckigen Jucken, das unbedingt weggekratzt werden muss, noch bevor wir die Objektive, die wir schon besitzen, wirklich aus dem Effeff beherrschen.

Da ist viel Wahres dran. Ein Japanisches Sprichwort sagt, dass ein guter Maler auch mit einem schlechten Pinsel ein ansprechendes Bild malen kann. Ein viel zitierter Witz verlagert diese Erkenntnis in die Küche:

Der Koch zum Fotografen: "Ihre Fotos sind ausgezeichnet, Sie haben sicher eine gute Kamera."
Der Fotograf nach dem Essen: "Das Essen war hervorragend - Sie haben sicher gute Töpfe."

Die Gier, alles mitzuschleppen

Ich bin auf meinen Fotokursen immer wieder erstaunt, was die Teilnehmer alles mit sich herum schleppen. Ich würde so viel Ausrüstung nicht tragen wollen. Obwohl ich gut verstehen kann, dass man „allzeit bereit“ sein möchte und deshalb die gesamte Ausrüstung einpackt. Man weiß ja nie.  Aber es geht auch anders. Der Rat der Autorin:

Viel effektiver als eine andere Brennweite ist oft ein Herumgehen um das Motiv und ein damit verbundener Blick für den besten oder noch einen zusätzlichen Standpunkt.

Sie hat sich, wie sie schreibt, in Bezug auf die Ausrüstung der Mäßigung verschrieben und beschränkt sich auf längeren Reisen auf wenige Objektive und ein einziges Gehäuse. Einschränkung fördert die Kreativität! Wer schon einmal aus Resten ein Menü gezaubert hat, weiß, dass auch hier der Bezug zur Küche nahe liegt. Aber die Völlerei macht bei der Ausrüstung nicht halt:

Die Gier nach vielen Bildern

Wir fotografieren viel zu viel. Ein Bild kostet ja nichts und kann schnell wieder gelöscht werden. Dank Serienbildmodus können wir mehrere Aufnahmen in der Sekunde machen. Aber macht das immer Sinn?

Verwechseln Sie Ihre Kamera nicht mit einer Gießkanne, nur weil Sie digital arbeiten und die einzelnen Schüsse nichts mehr kosten. Sie kosten Ihre Zeit - die brauchen Sie nämlich für die Auswahl am Computer - und sie kosten viele vergebene Möglichkeiten, Fotos überlegt zu gestalten

Die Tipps für bewußtes Fotografieren folgen auf der Stelle.

Fragen Sie sich, bevor Sie den Knopf drücken: Ist das wirklich der optimale Blick auf die Szene? Ist es der beste Moment?

Die Gier, alles ins Bild zu nehmen
„Räumen Sie ihr Bild auf“, rät Monika Andrae. Meine Kursteilnehmer wissen: Mit „Weniger ist mehr“ spricht sie mir aus der Seele.

Gegen visuelle Völlerei hilft es, alle Dinge wegzulassen, die nicht ins Bild gehören. Darunter fallen Dinge, die keine Zusatzinformationen liefern, oder Elemente und Formen, die ablenken.

Tipps zur Bildgestaltung, z. B. zum negativen Raum, zu Linien, Rahmen und zur Farbe, zeigen den Weg, in einem Bild aufzuräumen.

Mein Resumee

Als ich das Buch zum ersten Mal in Händen hielt, war ich über den Bezug der Fotografie zu den Todsünden mehr als irritiert. Die Texte von Monika Andrae haben mich aber auf Anhieb begeistert, und schließlich fand ich auch die Aufteilung in die Todsünden nachvollziehbar.

Das Buch ist eine gelungene Mischung aus Gedanken zur Fotografie (die mich zum Nachdenken anregen) und unzähligenTipps (die mich zum Nachmachen anregen). Es geht weit über ein allgemeines Lehrbuch hinaus - obwohl es auch als solches verstanden werden kann.

Dass Monika Andrae nicht nur klug und unterhaltsam schreibt, sondern auch hervorragend fotografiert, zeigen die vielen Abbildungen im Buch.

Die sieben Todsünden der Fotografie

Die sieben Todsünden der Fotografie, foto.kunst.kultur

Reflexionen und Wege zu besseren Bildern
Monika Andrae
dpunkt-Verlag
206 Seiten, komplett in Farbe
ISBN Print: 978-3-86490-465-3

Die sieben Todsünden der Fotografie | zuletzt überarbeitet am: 20.06.2024

Über mich, Helga Partikel

Ich bin Fotografin aus Leidenschaft und habe mich ganz der kreativen Fotografie und der Fotokunst verschrieben. Gerne gebe ich meine Begeisterung und mein Wissen in Fotokursen und auf Fotoreisen weiter. Lass dich von mir anstecken!

  • Vielen Dank! Ich hab das Buch in der Bücherei entdeckt und beschlossen es zu kaufen statt auszuleihen. Es hat mich sofort innerlich berührt. Bin Anfängerin was die Technik betrifft und liebe den visuellen Blick auf die Dinge. Lg Anita

    • Wie schön, dass dich der Artikel zum Kauf des Buchs inspiriert hat. Das freut mich sehr. Herzlichen Dank für deinen Kommentar.

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    Das sagen Teilnehmer zu meinen Kursen

    Ich bin schlichtweg .....sprachlos!!!

    Ich bin schlichtweg .....sprachlos!!! Ich möchte mich für den unglaublich guten Kurs bei Dir bedanken. Ich bin schlichtweg .....sprachlos!!!, über die Fülle an Anregungen und welchen Motivationsschub dieser Kurs bei mir bewirkt.

    Ingrid

    Juhu geschafft :-) - ich freu mich

    Ich kann die Meisterklasse nur wärmstens empfehlen, um mal über den eigenen fotografischen Tellerrand hinauszuschauen. Die individuelle Betreuung von Helga mit vielen Tipps sind echt super.
    Ob mit kleinen Clips, in denen Theorie anschaulich erklärt wird oder sehr verständlich geschriebenen Scripten, in den Klassentreffen oder direkt per Mail mit Helga.
    Freue mich schon auf die nächsten Herausforderungen!

    Gabi

    Käuferin ist glücklich und begeistert! … und ich natürlich auch.

    Gerade eben, 4 Jahre später - in der Zwischenzeit bin ich im Projektkurs Modul 7 der Meisterklasse- habe ich Helga wieder als Foto Coach engagiert.

    Ich bekam ein Anfrage, Fotos von mir in einer Praxis aufzuhängen und zu verkaufen.

    Nach der ersten Freude tauchten schnell ziemlich viele Fragen auf:

    • Welche Bilder passen am besten in diesen Raum und in welcher Größe und Format?
    • Wie bringe ich meine Bilder in LR bzw. Photoshop ins richtige Format und wie exportiere ich sie für den Druck in der richtigen Auflösung.
    • Welches Papier wähle ich, welche Rahmen….???
    • Auch war ich etwas zögerlich, ob die ausgewählten Fotos einer Größe von 50x60 cm standhalten würden.

    In meinem Meeting mit Helga war es dann wie immer:

    Helga öffnet die Kiste Ihres Erfahrungsschatzes: sie informiert, sie frägt nach und recherchiert, sie teilt ihre Erfahrungen, unterstützt und ermutigt mich, nicht nur mit ihrer großen Kompetenz sondern mit wirklichem Interesse und Freude an der Sache und mit dieser außerordentlichen Großzügigkeit, mit der sie dann auch gleich Fragen beantwortet, an die ich bisher noch garnicht gedacht hatte.

    Das macht dann einfach unglaublich Spaß und ich lerne wieder so viel Neues.

    Die Drucke sind gelungen und die Käuferin ist glücklich und begeistert! … und ich natürlich auch.

    Ulrike K.
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