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Lesetipp: Der kreative Fotograf

Anders sehen. Quer denken. Kreativ fotografieren.

Was bedeutet eigentlich „kreative Fotografie“? Ist ein Foto schon „kreativ“, wenn es mit einer außergewöhnlichen Technik entstanden ist? Du weißt schon: Schwenken, Zoomen beim Auslösen & Co.

Vor einiger Zeit habe ich in einer Arbeitsgruppe von Fotografen diese Fragen gestellt. Wir waren uns einig, dass die kreative Fotografie bereits vor der Aufnahme beginnt und mit der Bildbearbeitung endet. Das Ergebnis meiner kleinen Umfrage findest du hier.

Es gibt viele Bücher auf dem Markt, die sich diesem spannenden Thema widmen. Das Autorenteam Robert und Heidi Mertens sind nun einen anderen Weg gegangen: Sie haben ein Buch über den kreativen Fotografen geschrieben.  Es geht hier also nicht um die kreativen Fototechniken an sich, sondern um den Weg, kreativ(er) zu fotografieren. Der Weg zum guten Bild beginnt nun mal immer bei einem selbst.

der kreative fotograf rheinwerk

Wo stehst du jetzt und wo möchtest du hin?

Wer sich (fotografisch) weiterentwickeln möchte, muss zwei Dinge kennen: den Ausgangspunkt und das Ziel. Daher ist es nur konsequent, dass das Buch nach einer kurzen Einführung über Kreativität mit dem Kapitel beginnt „Sie befinden sich hier“. Untertitel: Wieso es wichtig ist, den eigenen Standpunkt zu kennen. Einige Fragen laden zur intensiven Standortbestimmung ein, z. B.:

  • Wie Sind Sie zur Fotografie gekommen?
  • Wann fotografieren Sie?
  • Wie gehen Sie mit Fehlern um?

Danach geht es an die Zielbestimmung. „Was möchten Sie mit Ihrer Fotografie erreichen?“, lautet eine der Fragen, die das Ziel klar werden lassen.

In meinen Kursen stelle ich manchmal die Frage „warum fotografierst du überhaupt“. Warum gibst du viel Geld aus für eine Ausrüstung und schleppst dich unterwegs mit dem schweren Zeug ab? Manchmal ernte ich Unverständnis. Aber die Beantwortung dieser Frage ist so wichtig! Nur wer weiß, warum er fotografiert, kann seinen fotografischen Weg festlegen. Es ist ein Unterschied, ob ich fotografiere, um mich kreativ auszudrücken oder nur Erinnerungen festzuhalten. Das sage ich ohne Wertung!

Jeder ist kreativ!

„Ich bin nicht kreativ“ oder „mir fällt nichts ein“ – diese Sätze höre ich oft von Kursteilnehmern, wenn es um die Planung eines Projekts geht. Die nächsten Kapitel im Buch „Der kreative Fotograf“ helfen, die eigene Kreativität zu fördern und Ideen zu finden.

Kreativität ist ein normaler Bestandteil unserer täglichen Arbeit
und keine geheimnisvolle Zauberei einiger Auserwählter.

Ich bin fest davon überzeugt, das dieser Satz richtig ist. Oder ist etwa eine Hausfrau nicht kreativ, die aus Resten im Kühlschrank ein schmackhaftes Abendessen zaubert? Oder ein Heimwerker, dem eine Reparatur gelingt – obwohl er das notwenige Handwerkszeug oder Zubehör nicht hat?

Aus Fehlern lernen

Scheitern gehört dazu – auch in dem Buch, in dem sich das Kapitel „Nichts ist so flexibel wie ein fixer Plan“ der Kunst des Scheiterns widmet. Es ist befreiend, sich selbst Fehler zu erlauben. Meist stehen wir uns doch nur selbst im Weg, unsere kreativen Ideen zu verwirklichen. Die warnende Stimme im Kopf, die uns zuflüstert „das ist doch Käse“ oder „das gelingt dir nie“, macht die Vision und den Glauben an sich selbst oft zunichte. Schade.

Mein Resümee

Ich habe das Buch vom Anfang bis zum Ende durchgelesen. Aber Lesen alleine reicht nicht. Durcharbeiten heißt die Devise. Dabei kann man gerne auch mitten ins Buch springen. Am besten führst du ein fotografisches Notizbuch (das ich jedem ans Herz lege) und hältst deine Gedanken fest.

Lass dir Zeit! Das ist kein Buch, dass man nach ein paar Tagen in den Schrank stellt. Damit nicht alles graue Theorie bleibt, solltest du immer wieder zur Kamera greifen und die Workshops im Buch durchführen.

Ich weiß genau: Dieses Buch werde ich wieder und wieder in die Hand nehmen und das eine oder andere Kapitel durcharbeiten. Um genau die Bilder zu machen, die ich so liebe. Der Text am Anfang des Buchs weist auf sie hin:

 

Für die Fantasie

Es gibt sie, diese Bilder.

Sie tragen uns zu einem neuen, unbekannten Ort,
erheben das Alltäglich zu etwas Besonderem und
erweitern unseren Blick auf ganz wunderbare Weise.

Suchen Sie diese Bilder!

 

Übrigens: Von Robert Mertens habe ich in diesem foto.blog auch das Buch „Der eigene Blick“ vorgestellt. Zum Beitrag

 

Der kreative Fotograf

„Anders sehen. Quer denken. Kreativ fotografieren.“
von Robert Mertens, Heidi Mertens

Rheinwerk Verlag
369 Seiten, 2017, gebunden, in Farbe
Rheinwerk Fotografie, ISBN 978-3-8362-4516-6

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