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So fotografierst du Bewegung

Wir Fotografen haben ein Problem: Unsere Welt bewegt sich, unsere Fotos tun es nicht. Autos fahren, Kinder toben herum, Menschen und Tiere laufen, Wasser fließt. Sogar die Sterne am Himmel bewegen sich.

Damit nicht genug. Objekte bewegen sich auch noch unterschiedlich schnell. Natürlich sollten Fotos dies zeigen. Du kennst sicher die atemberaubenden Bilder von Autorennen. Man sieht und spürt, mit welcher halsbrecherischen Geschwindigkeit Autos über die Rennbahn rasen. Oder Skirennen. Oder Pferderennen.

Aber nicht nur in der Sportfotografie spielt das Festhalten von Bewegung eine große Rolle. Fotografiere fahrende Züge, Menschen beim Joggen, Radfahrer, spielende Kinder. Gehe in den Zoo und fange die Tiere in ihrer Bewegung ein. Es gibt viele Möglichkeiten, die deine Bilder lebhaft werden lassen.

Schauen wir uns die beiden wichtigsten Möglichkeiten an, auf einem Foto Bewegung darzustellen:

Objekt unscharf - Hintergrund scharf

Wenn du ein Objekt fotografierst, das sich bewegt, und die Kamera dabei ruhig hältst, ist der Hintergrund scharf. Aber was passiert mit dem Objekt? 

Bewegung einfrieren

Eine kurze Verschlusszeit friert Bewegung ein. Wenn du ein fahrendes Auto mit einer kurzen Verschlusszeit fotografierst, sieht es aus, als ob es mitten auf der Fahrbahn parken würde. Meist erkennt man nur an den unscharfen Reifen, dass es fährt.

Frierst du hingegen Objekte in Positionen ein, die nur in der Bewegung stattfinden können, erkennt man sofort, dass ich das Objekt bewegt.

 So kann auch ein Pferd nicht lange stehen. An der ungewöhnlichen Haltung erkennt man die Bewegung. 

 

Bewegung zeigen

Eine lange Verschlusszeit macht alle Objekte unscharf, die sich bewegen. So wird z. B. das fahrende Auto unscharf, der Hintergrund bleibt scharf.

Leider gibt es für die Dauer der Verschlusszeit keine Faustregel. Es hängt  davon ab, wie schnell sich das Objekt bewegt. Je schneller es sich bewegt bzw. je länger die Belichtungszeit ist, desto verschwommener ist das Objekt auf dem Bild. Bewegt sich das Objekt sehr schnell und/oder wählst du eine sehr lange Zeit, ist das Objekt auf dem Foto sogar ganz verschwunden. 

Probiere es aus.:

  • Nimm einen kleinen Ball und rolle ihn langsam über den Tisch. Fotografiere den Ball mit verschiedenen Verschlusszeiten.
  • Dann rolle den Ball schneller und fotografiere ihn wieder mit verschiedenen Verschlusszeiten.

Du wirst sehen: Je länger du die Verschlusszeit wählst bzw. je schneller der Ball rollt, desto mehr verschwindet er in Unschärfe. Am Schluss ist er ganz einfach weg.

Aber Achtung: Wenn du mit langer Verschlusszeit arbeitest, brauchst du ein Stativ; tagsüber benötigst du unter Umständen einen Graufilter.

Tipp: Es nervt dich bei deinen Urlaubsfotos, dass immer so viele Menschen vor den Sehenswürdigkeiten auf dem Bild sind? Fotografiere mit sehr langen Verschlusszeiten. Ggf. musst du einen Graufilter verwenden. Ein Stativ sowieso. Du wirst sehen: Die Menschen sind wie von Zauberhand aus dem Bild gefegt. Toll oder?

Mit langer Verschlusszeit entstehen übrigens auch die roten und weißen Streifen, wenn man nachts Autos fotografiert. Probiere es aus oder komme mit auf meinen foto.walk „Abend- und Nachtfotografie“ durch München.

 Hier wurde eine Verschlusszeit von 3 sek. gewählt.

Objekt scharf - Hintergrund unscharf

Eigentlich doof: Wenn ich mit einer langen Verschlusszeit arbeite, ist mein Hauptmotiv unscharf, der Rest scharf. Die tollen Sportler in ihren bunten Trikots sind kaum zu sehen, weil sie in Unschärfe verschwinden - aber der uninteressante Hintergrund ist messerscharf. Umgekehrt wäre besser! Die gute Nachricht: Umgekehrt funktioniert!

Der Trick: Du ziehst die Kamera während der Aufnahme mit. Dadurch wird das sich bewegende Objekt scharf, der Hintergrund unscharf.

 Mitziehen: Das Auto ist scharf, der Hintergrund unscharf.

Ich gebe zu, das ist nicht einfach und erfordert einige Übung. Aber der Aufwand lohnt sich. Nicht nur für Sportfotografen.

Und so geht’s:

Angenommen, du willst ein fahrendes Auto mit dieser Technik fotografieren.

  • Stellen dich so hin, dass du leicht in die Richtung schaust, in die das Auto fährt. Drehe den Oberkörper in die Richtung, aus der das Auto kommt. So hast du ein weit stabileren Stand als wenn du parallel zur Straße stehen würdest.
  • Passe die Verschlusszeit der Geschwindigkeit des Objekts an. Je schneller sich das Objekt bewegt, desto kürzer kann die Verschlusszeit sein. Faustregel: ca. 1/15 für eine gehende Person, ca. 1/60 für ein fahrendes Auto. Die Verschlusszeit hängt aber auch davon ab, wie weit das Motiv entfernt ist. Probiere es einfach aus, damit du ein Gefühl dafür bekommst.
  • Da das Auto scharf sein soll, musst du auf das Auto fokussieren. Am besten verwendest du zunächst den Autofokus und arbeitest dann manuell weiter, bis du deinen Standpunkt verlässt. Die Autos fahren ja alle auf der gleichen Ebene. Also musst du nicht bei jedem Auto neu fokussieren. Gerade zum Üben der Technik ist diese Vorgehensweise ideal!
  • Du schaust also in die Richtung, aus der das Auto kommt. Wenn es naht, drehst du den Körper in die Richtung, in die es fährt und löst aus. Das klingt leichter als es ist, denn du musst dich synchron zum Auto bewegen. Achte darauf, dass du die Bewegung nicht unterbrichst, wenn du auslöst und löse nicht ruckartig aus.


Und nun gehe mit deiner Kamera ans Werk. Zum Üben kannst du einfach an die nächste Straßenecke gehen.

  1. Fotografiere die Autos mit verschiedenen Verschlusszeiten. Wenn du einen Graufilter hast, verwende ihn, um noch längere Verschlusszeiten zu ermöglichen.
  2. Fotografiere nun vom selben Standpunkt aus die Autos durch Mitziehen. Versuche verschiedene Verschlusszeiten. Gib nicht auf! Das Mitziehen der Kamera will wirklich geübt sein. Es gibt nur wenige Naturtalente.
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