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Knipsen oder fotografieren?

Knipsen oder fotografieren?

Heutzutage muss alles schnell gehen. Daher schießt man auch Fotos oder knipst sie. Ich gebe zu: Ich mag beide Ausdrücke nicht. Ich fotografiere lieber.

100x geklickt – und sicher ein paar Treffer

Einfach draufhalten, wird schon was dabei heraus kommen. Kaum zu glauben: In einem Münchener Fachgeschäft bekam ich unlängst genau diese Aussage, als ich mit dem Verkäufer über das Fokussieren sprach. Es sei doch egal, meinte der „Fachverkäufer“, wenn ein paar Bildern unscharf wären; man könne doch kostenlos vom selben Motiv ein paar Dutzend Fotos schießen. Ich traute meinen Ohren nicht.

Natürlich ist es klasse, dass man durch die Digitalfotografie keine Folgekosten mehr hat. Keine Filme kaufen, keine Entwicklungskosten – alles umsonst. Aber muss ich deshalb gleich zum Vielknipser werden?

Warum fotografierst du eigentlich?

Diese Frage stelle ich häufig den Kursteilnehmern auf meinen Fotoreisen. Die meisten wissen darauf keine wirkliche Antwort. Die häufigste Antwort: „Ich will Erinnerungen festhalten“. Aber das kann ich heutzutage auch mit dem Handy. Dazu brauche ich keine teure Spiegelreflex- oder Systemkamera und schon gleich keinen Fotokurs. Außerdem machen 1000 geknipste Fotos von ein und dem selben Ereignis die Erinnerung nicht lebendiger.

Warum also? Warum fotografierst du? Warum greifst du zur Kamera?

Es gibt viele verschiedene Gründe. Setze dich in Ruhe hin und suchen deine Antwort auf diese Frage. Sie kann wegweisend für dein Hobby sein.

Gönne dir eine kreative Auszeit

Für mich ist Fotografie u. a. eine kreative Auszeit vom Alltag – obwohl ich Berufsfotografin bin. Es ist so wunderbar, sich ein paar Stunden Zeit zu nehmen und mit der Kamera auf Motivsuche zu gehen.

Es geht mir dabei nicht darum, die Wirklichkeit abzubilden. Ich will nicht zeigen, wie das Rathaus oder der See aussehen. Ich will zeigen, was mich an diesem Gebäude oder an dieser Landschaft im Moment so fasziniert. JETZT, zu dem Zeitpunkt, an dem ich fotografiere. Morgen würde ich vielleicht ein ganz anderes Bild machen.

Egal, wie deine Antwort oben ausgefallen ist: Gönne dir ab und zu eine kreative Auszeit. Schnappe dir deine Kamera, sage den Alltagssorgen Adieu und geh‘ auf Fotopirsch. Du musst nicht mit hunderten Fotos heim kommen. Wenn du kein einziges aufgenommen hast, ist das auch nicht in Ordnung.

Für mein Jurahaus-Buch bin ich mehrere Male ins Altmühltal gereist und ohne ein einziges Foto zurück gekommen. Weil das Wetter nicht passte oder ich nicht die richtigen Häuser zum Fotografieren gefunden hatte. Aber ich hatte einen schönen Tag, habe neue Orte kennen gelernt und mich zumindest gedanklich einen Tag lang meinem Projekt gewidmet. So manche Ideen für das Buch sind aus solchen scheinbar unproduktiven Tagen hervorgegangen.

Nimm dir Zeit: Du musst nicht zum Zug

Schalte Sie auf Tempo 30, nimm dir viel, viel Zeit. Schließlich sprechen wir von einem Hobby, also einer Beschäftigung, für die du deine FreiZEIT opferst. Du solltest dich dabei aber auch erholen. Also nimm den Druck raus! Du musst nicht morgen zum Meisterfotografen werden, der einen Wettbewerb nach dem anderen gewinnt. Nicht umsonst wird Fotografieren (nicht Knipsen) häufig mit Meditation in Verbindung gebracht.

Die Fotografie soll dir Spaß machen. Aber macht es wirklich Spaß, Tausende von Fotos zu machen und die meisten hinterher als „mißglückt“ auszusortieren? Bei mir käme da Frust auf. Wenn das bei dir nicht so ist, dann gönnen dir ab und zu eine Knipsstunde und schieße wild drauf los.

Ansonsten aber nimm dir Zeit für jedes einzelne Bild. Natürlich gibt es Motive, bei denen das nicht geht. Wenn du Sport fotografierst oder Straßenszenen einfängst, musst du schnell sein. Doch auch hier sollte das Bild zuerst im Kopf entstehen. Bei den meisten Motiven hat man Zeit, in Muse zu arbeiten.

In einem Blogbeitrag habe ich zehn Punkte genannt, die man u. a. beim Fotografieren beachten sollte (ich weiß: es gibt weit mehr). Gönne dir die Zeit, diese Punkte einzeln zu kontrollieren, wenn du ein Bild aufbaust. Auch mein Beitrag „10 schlimme Fehler beim Fotografieren – und wie du sie vermeidest“ richtet sich an Menschen, die gerne bewußt fotografieren. Der erste Rat, den ich darin gebe, gehört zu den Wichtigsten:

Erst Hirn – dann Kamera einschalten

Wer sich vor dem Auslösen der Kamera überlegt, was er fotografieren möchte, entfernt sich einen riesigen Schritt vom reinen Knipsen.

Überlege dir, welches dein Hauptmotiv ist und wie du es in Szene setzen willst.

  • Welche Botschaft soll das Bild vermitteln?
  • Was wollen Sie dem Betrachter zeigen/sagen?

Erst dann bestimmest du den Bildausschnitt und stellst deine Kamera ein. Die Folge solcher Vorüberlegungen werden bessere und aussagekräftigere Fotos sein!

Finde Themen, die dich wirklich interessieren!

Natürlich kann man mit Fotos Erinnerungen festhalten. Soll man auch. Es ist einfach schön, nach Jahren zu sehen, wo man war und wie es dort ausgesehen hat. Aber Fotografie kann so viel mehr sein! Und außerdem schließt das eine das andere nicht aus. Ich kann auch bewußt aufgenommene Fotos von Orten machen, an denen ich war.

Reagiere nicht nur auf schöne Motive, die dir begegnen, sondern agiere, indem du Motive suchst und bewußt in Szene setzt. Am besten, du suchst dir ein Thema aus, das dich besonders interessiert und fängst es in einer Serie von Bildern ein.

Oh weh: Jetzt bin ich schon wieder bei meinem Lieblingsthema gelandet, dem Zusammenstellen von Bildern vom Diptychon bis hin zum Fotoprojekt.

Du hast gesehen: Nicht die Kamera ist entscheidend für die Qualität der Bilder. Wer jedoch vor der Kaufentscheidung einer neuen Kamera steht, hat die Qual der Wahl.

  • Überlegt und bewusst fotografieren, gute Idee, aber die meisten guten Motive sind schon weg, bis ich die Kamera ausgepackt habe. Zum Überlegen finde ich da gar keine Zeit mehr

    • Das stimmt natürlich. Bei einigen Motiven hat man keine Zeit, lange zu überlegen. Vor allem nicht vor jedem einzelnen Bild. Aber sicher kann man vor einem Shooting überlegen, was genau man einfangen möchte.

      Wer gerne im Bereich Streetphotography tätig ist, weiß ein Lied davon zu singen: Die einzelnen Fotos sehen zwar wie Schnappschüsse aus, aber gute Fotos entstehen nur dann, wenn man mit Überlegung an die Arbeit geht – sich z. B. vorher einen geeigneten Standpunkt aussucht, bei dem der Hintergrund stimmt. Dann heißt es abwarten und reagieren, sobald etwas Interessantes passiert. Ohne die Vorüberlegung, welche Position Sinn macht, entstehen nur „Zufallstreffer“.

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