Der berühmte Fotograf Elliott Erwitt prägte den Satz:

"Die 'Essenz des Geschehens' — darauf kommt es an." 

Was bedeutet das für deine Fotografie?

Bewusst fotografieren

Zunächst einmal bedeutet es, dass du dir die "Essenz des Geschehens" bewusst machen musst - vor der Aufnahme, nicht bei der Bildbearbeitung.  

  • Was  fasziniert dich an dem Motiv?
    Sind es die Farben, Formen, Muster?
    Ist es der gesamte Blick oder nur ein kleines Detail?
    Oder erzählt das Motiv eine Geschichte, die du vermitteln willst?
  • Was möchtest du mit dem Bild ausdrücken?
  • Was verleitet dich dazu, ein Bild aufzunehmen?

Erst wenn du dir klar darüber bist, was genau du fotografieren willst, wählst du das Objektiv, bestimmst den Bildausschnitt und die Komposition, stellst die Kamera ein und löst schließlich aus. 

Knipsen vs. fotografieren

Es reicht nicht aus, mit der Kamera durch die Gegend zu laufen und munter drauflos zu knipsen, sobald ein lohnenswertes Motiv in Sicht ist. 

Klar, diese Vorgehensweise hat auch ihren Reiz. Knipsen und Spaß haben. Ich liebe das. Aber ich bin mir bewußt, dass dabei nur äußerst selten gute Fotos heraus kommen.

  • Beim Knipsen geht es mir um den Prozess. Das Ergebnis ist zweitranig.
    Die Folge: Die meisten Bilder, die beim Knipsen entstehen, werden hinterher gelöscht. Macht aber nichts, denn ich war mir dessen vorher bewusst.
  • Anders beim Fotografieren. Da möchte ich mit meinem Bild etwas aussagen. Ich will festhalten, wie ich das Motiv gesehen habe, was ich dabei empfunden habe. 

Ich vergleiche das gerne mit einem Gespräch: 

knipsen = ratschen
fotografieren = sich ernsthaft unterhalten, diskutieren

Wenn die Gesprächsteilnehmer munter drauflos plappern, kann kein zielführendes Gespräch entstehend (obwohl ein oberflächlicher Ratsch viel, viel Spaß machen kann). Um ein gutes Gespräch zu führen, überlege ich mir meine Sätze, bevor ich sie in die Welt schicke. 

Genauso ist es beim Fotografieren. Ich überlege mir vor dem Einstellen/Auslösen der Kamera, was mich an dem Motiv reizt. Was genau ist es, was mich die Kamera aus dem Rucksack holen lässt?

Das klingt, als wäre eine halbe Doktorarbeit notwendig, bevor der Auslöser gedruckt werden kann. Weit gefehlt! Die Überlegungen laufen manchmal in Sekundenschnelle ab. Aber ohne sie geht es nicht.

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Ein Foto muss subjektiv sein

Wir bemühen uns in der Regel, in unseren Aussagen und Urteilen möglichst objektiv zu sein (aber ganz ehrlich: geht das überhaupt? Kann man wirklich 100% objektiv urteilen?).

In der Fotografie ist Subjektivität gefragt! Einzige Ausnahme: Die fotografierst eine Dokumentation. Da solltest du dich zumindest um Objektivität bemühen. 

Es ist alles schon tausendfach fotografiert worden. Aber nicht von dir oder von mir! Es geht bei der kreativen Fotografie nicht darum, wie der Eiffelturm aussieht (da kann ich mir eine Postkarte kaufen), es geht darum, wie ich ihn sehe. Was ich in dem Moment, in dem ich vor ihm stehe, empfinde. 

Daher möchte ich für die kreative Fotografie Elliott Erwitts Zitat leicht abändern ...

"DEINE 'Essenz des Geschehens' — darauf kommt es an."

... und den ungarischen Fotografen André-Kertész (1894-1985) zitieren:

"Ich dokumentiere nie, ich interpretiere immer mit meinen Bildern.
Ich interpretiere, was ich in einem bestimmten Augenblick empfinde,
nicht was ich sehe, sondern was ich empfinde."

Der beste Rat, den ich je bekam

In meiner Ausbildung bekam ich viele Ratschläge und Tipps von hervorragenden Dozenten. Ein Rat hat mir auf meinem Weg besonders geholfen. Er lautete sinngemäß:

"Setze dich 20 Minuten vor dein Motiv und schaue es dir nur an. Lass es auf dich wirken. Und dann mache EIN Foto."

Ich kann dir versichern: 20 Minuten sind hart. Nur beim Zahnarzt vergeht die Zeit noch langsamer. Aber du wirst sehen: Die 20 Minuten lohnen sich. Garantiert!

In diesen 20 Minuten wird dir DEINE Essenz deines Motivs bewusst. Danach hast du gar nicht mehr das Bedürfnis, mehr als ein Foto zu machen. Du machst dein Bild und weißt: Das ist es! Das drückt genau aus, was ich sagen will.

Das klappt übrigens nicht nur draußen. Nimm einmal daheim ein Objekt und schau es dir 20 Minuten lang an. Mache kein einziges Foto. Einfach nur schauen. Erst nach den 20 Minuten machst du dein Bild. 

Wäre das nicht eine gute Übung für das nächste Wochenende? Ich wünsche dir viel Spaß und Erfolg dabei.

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Knipsen vs. fotografieren | zuletzt überarbeitet am: 28.05.2025

Über mich, Helga Partikel

Ich bin Fotografin aus Leidenschaft und habe mich ganz der kreativen Fotografie und der Fotokunst verschrieben. Gerne gebe ich meine Begeisterung und mein Wissen in Fotokursen und auf Fotoreisen weiter. Lass dich von mir anstecken!

  • ich bin fotografisch dokumentarisch seit 1979 unterwegs und es gibt doch immer wieder tipps, die mich begeistern und die ich mir zu merken versuche … die 20-minuten-sache beispielsweise, die wird mich künftig begleiten … wie mein altes mantra: WER FOTOGRAFiERT, MEDiTiERT KREATiV … ich wünsche dir GUT LiCHT mit besten grüßen aus den bergen

    • Herzlichen Dank für den Kommentar. Es freut mich sehr, dass der 20-Minuten-Tipp bei dir Anklang gefunden hat. Herzliche Grüße!

  • Sehr schön all die Worte, all die Gedanken. Danke für den Beitrag.

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    Das sagen Teilnehmer zu meinen Kursen

    Das 1:1-Format des foto.coach war perfekt für mich

    Das 1:1-Format des foto.coach war perfekt für mich. Als Anfängerin in der Fotografie war dieses 1:1-Format des foto.coach perfekt für mich. Ganz besonders für meinen Einstieg in Lightroom.

    Ich bin Dir, Helga, richtig dankbar für Deine Geduld, und dass Du immer so zeitnah geantwortet hast, wenn ich vor unlösbaren Fragen stand.

    Mein Horizont für das, was in der Fotografie möglich und für gute Fotos nötig ist, hat sich in diesem halben Jahr sehr geweitet und Lust auf mehr gemacht. Jetzt freue ich mich aufs Weitermachen in der Meisterklasse.

    Ulrike

    Deshalb, anmelden!, es lohnt sich :)

    Lange habe ich gezögert mich für die Meisterklasse anzumelden. "Meister", das klang so unerreichbar für mich. Nun habe ich den Schritt gewagt und es nicht bereut.
    Die gestellten Aufgaben sind abwechslungsreich und werden immer von Helga fachkundig begleitet. Im Austausch mit den anderen Kursteilnehmern erhält man viele Anregungen, die eigene Kreativität entwickelt sich dadurch weiter. Es entstehen Fotos, von denen man nicht dachte, sie machen zu können.
    Deshalb, anmelden!, es lohnt sich :)

    Angelika

    Ich war begeistert von dieser Fotoreise!

    Ich war begeistert von dieser Fotoreise! Viel Zeit zum Fotografieren in einer wunderschönen Umgebung mit unzähligen tollen Motiven, anregende, sehr hilfreiche Bildbesprechungen und eine Unterkunft, in der man sich so richtig wohlfühlen konnte. Liebe Helga, vielen Dank für all die wertvollen Denkanstöße und Anregungen, die ich von dieser Woche mitgenommen habe.

    Monika
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