Lesetipp: Minimalistische Fotografie - foto.kunst.kultur - Kurse für die kreative Fotografie

Lesetipp: Minimalistische Fotografie

Minimalistische Fotografie, dpunkt-Verlag, foto.kunst.kultur

Jeder, der schon einmal einen Kurs oder eine Bildbesprechung bei mir gemacht hat, hörte früher oder später von mir: „Weniger ist mehr“. Das ist mein Credo im Leben und in der Fotografie. Natürlich gibt es auch hervorragende Bilder mit „viel drauf“, das will ich nicht bestreiten. Mir sind minimalistische Fotos, die sich auf das Wesentliche konzentrieren, meist lieber.

Von Antoine de Saint-Exupéry, dem Autor des entzückenden Buchs „Der kleine Prinz“,  stammt der folgende Satz:

„Perfektion ist nicht dann erreicht, 

wenn man nichts mehr hinzufügen, 

sondern nichts mehr weglassen kann.“ 


Antoine de Saint-Exupéry (1900 – 1944)

Für die Fotografie interpretiere ich dieses Zitat so: Ein Foto ist dann gut, wenn du nichts mehr hinzufügen musst und auch nichts mehr weglassen kannst, um die Bildaussage zu verdeutlichen. Denn die Bildaussage hat immer das erste und letzte Wort bei einem Foto.

Die Entscheidung, was auf dem Bild sein soll und was weg kann, ist aber oft gar nicht so einfach. Gut, dass es dazu nun ein Buch aus dem Hause dpunkt gibt:

Minimalistische Fotografie: Kunst und Praxis

von Denis Dubesset

Entsprechend dem o. g. Zitat schlägt der Autor „sehr vorsichtig“, wie er schreibt, folgende Definition für minimalistische Fotografie vor:

„Ein Foto kann als minimalistisch gelten,
wenn der Fotograf mit der Absicht der Vereinfachung
alles Überflüssige ausschließt und nur das Wesentliche ins Bild rückt.“

Dem kann ich nur aus vollem Herzen zustimmen.

Nach der theoretischen Einführung, die auch einen Abstecher in die historische Einordnung macht, zeigt der Denis Dubesset einige Beispiele und Gegenbeispiele für minimalistische Fotografie. Hier muss man selbst entscheiden, welche Fotos dem Anspruch „Weniger ist mehr“ genügen und welche nicht. Was dem einen zu wenig minimalistisch ist, mag dem anderen schon zu viel Reduktion sein. Die Bilder schärfen auf jeden Fall den Blick.

Eingeteilt ist das Buch in 5 Kapitel:

1. Einleitung
2. Technik und Ausrüstung
3. Die Regeln der Komposition und die Kunst, dagegen zu verstoßen
4. Minimalismus in der Praxis
5. Die Nachbearbeitung
6. Minimalistische Ansätze anderer Fotografen

Ich gebe zu, dass ich nicht begeistert bin, in einem Buch zu einem Spezialthema mehrere Seiten zu den Grundlagen der Fotografie, zur Ausrüstung und zur Bildkomposition zu finden. Dementsprechend war ich beim ersten Blick ins Buch auch etwas enttäuscht.

Zum Glück bin ich dran geblieben. Vor allem das vierte Kapitel lohnt die Lektüre allemal. Hier stellt der Autor u. a. die minimalistische Fotografie in den verschiedenen Genres dar: Landschaft, Portraits, Architektur, Natur, Straßenszenen und Abstraktion. Ausgesprochen lehrreich finde ich die Anmerkungen zu den Bildern. Der Leser erfährt, warum das Motiv so und nicht anders aufgenommen wurde. Die Aufnahmedaten runden die Anmerkungen zu den Fotos ab.

Eine Quelle der Inspiration ist das letzte Kapitel, in dem fünf Fotografen vorstellt werden, die sich der minimalistischen Fotografie verschrieben haben. Es lohnt sich, die kurzen Texte über die Fotokünstler zu lesen. Und es lohnt sich, einen Blick auf deren Webseiten zu werden. Praktischerweise sind die Webadressen im Buch angegeben.

Meine anfängliche Enttäuschung und Skepsis war nach der Lektüre verschwunden. Obwohl ich schon viele Jahre minimalistisch fotografiere, konnte ich den einen oder anderen Tipp aus dem Buch ziehen. Was will ich mehr?

 

Minimalistische Fotografie

Kunst und Praxis
Dennis Dubesset

dpunkt-Verlag
218 Seiten, komplett in Farbe, Broschur
ISBN Print: 978-3-86490-557-5

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