Menschen in der Landschaft

Die Leute fragen mich, warum auf meinen Landschaftsaufnahmen keine Personen sind. Ich antworte: "Bei jedem Bild sind doch zwei Personen, der Fotograf und der Betrachter!" | Ansel Adams (1902—1984)

Landschaften fotografieren die meisten am liebsten menschenleer. Ob man damit die Sehnsucht nach unberührter Natur ausdrücken möchte? Wir warten schussbereit geduldig, bis sich auch die letzte Person aus dem Bild bewegt hat. Ich kann das gut verstehen, denn mir geht es bei vielen Motiven nicht anders. Bei vielen - nicht bei allen.

Oft sind es gerade die Menschen, die ein Bild spannend machen.

  • Menschen im Bild vermitteln dem Betrachter die Größenverhältnisse. Ein hoher Baum kann auf einem Foto winzig wirken. Steht ein Mensch in der Nähe, ist seine wahre Höhe sofort erkennbar. Personen im Bild machen die Weite einer Landschaft oder die Enge eines Tals sichtbar.
  • Personen in einem Foto fallen sofort auf, sie ziehen uns ins Bild. Schauen sie in eine bestimmte Richtung, folgen wir ihrem Blick. Geschickt eingesetzt, können wir auf diese Weise den Betrachter auf unser eigentliches Bildmotiv lenken.
  • Bilder mit Menschen erzählen Geschichten. Sie erzählen von einsamen Strand- oder Bergwanderern, vom Familienurlaub, von Paaren, die sich selbst genügen, von ...
  • Sie suggerieren Gefühle, Abenteuer und Spannung. Sie vermitteln Atmosphäre.

Natürlich kannst du das alles auch ohne Menschen erreichen. Ein markanter Baumstumpf macht die Größenverhältnisse klar. Linien leiten den Blick, das richtige Wetter vermittelt Atmosphäre, ...

Es gilt vor Ort zu entscheiden, was bei diesem einen Motiv die bessere Wahl ist: mit oder ohne Menschen? Bei manchen Motiven musst du nicht lange überlegen, denn du weißt instinktiv, was besser ist. Falls du dir nicht sicher bist, mach einfach beide Alternativen und suche das beste Bild später am PC aus.

Welche Größe haben die Menschen?

Bei "Menschen in der Landschaft" sollte es sich immer noch um ein Landschaftsfoto handelt. Sind die Personen zu groß, handelt es sich eher um ein Porträt als um ein Foto von einer Landschaft mit Menschen.

Tipps für die Fotopraxis

Beziehe die Menschen unbedingt in die Landschaft mit ein. Sie sollten nicht wie Fremdkörper wirken (es sei denn, genau das ist deine Absicht).

Achte auf ihre Blickrichtung

Vielleicht betrachten sie einen ganzen bestimmten Punkt im Bild oder schauen verträumt auf einen Punkt außerhalb des Bildes? Das macht uns neugierig. Was genau sehen sie?

Wie ist die Position der Menschen im Bild?

Hier gelten die üblichen Kompositionsregeln. In der Regel sollten die Menschen ins Bild schauen - aber es gibt sicher Ausnahmen.

  • Stehen die Menschen auf der linken Seite des Bildes, schauen sie in die Zukunft.
  • Stehen sie auf der rechten Seite des Bildes, schauen sie in die Vergangenheit.

Bewegen sich die Menschen?

Willst du die Bewegung verstärken oder einfrieren? Wähle die entsprechende Belichtungszeit. Denke aber daran, dass du bei langen Belichtungszeiten ggf. ein Stativ benötigst.

Sei vorbereitet

Damit die den richtigen Moment erfasst, muss du dich vorbereiten. Hier ähnelt die Vorgehensweise der Streetphotography.

  • Suche dir zuerst einen Standort,
  • entscheide dich für ein Objektiv und
  • für bestimmte Kameraeinstellungen.
  • Und dann warte ab, was sich tut. Sei bereit, die Kamera auszulösen, sobald Menschen ins Bild kommen und die Situation für dich stimmig ist.

Die Rechtslage

Grundsätzlich ist es verboten, fremde Personen ohne deren Einverständnis zu fotografieren. Wohlgemerkt! Das Fotografieren ist verboten, nicht nur das Veröffentlichen der Bilder. 

Christof Stein, Pressesprecher des BfDi (Der Bundesbeauftragte für den Datenschutz und die Informationsfreiheit) äußert sich dazu wie folgt:

Wenn Personen in der Öffentlichkeit gefilmt oder fotografiert werden, ohne dass vorher eine Einwilligung eingeholt wurde, liegt sowohl ein Datenschutzverstoß als auch eine Verletzung der Persönlichkeitsrechte vor.

Solche Gesetze verbieten im Grunde jegliche Streetphotography und natürlich auch Landschaftsbilder mit Menschen.

Meine Haltung dazu: In meinen Landschaftsbildern sind die Menschen so winzig, dass sie nicht erkannt werden. Da ich keine Portraits aufnehme, bin ich i. d. R. so weit von den Personen entfernt, dass sie nicht einmal merken, dass ich sie fotografiert habe. Ich habe daher für mich entschieden, weiterhin Menschen in der Landschaft aufzunehmen und sehe darin keine Rechtsverletzung (so lange die Menschen nicht identifizierbar sind).

Aber ich bin kein Anwalt. Jeder muss für sich entscheiden, was er tut. Wie entscheidest du dich?

Über mich, Helga Partikel

Ich bin Fotografin aus Leidenschaft und habe mich ganz der kreativen Fotografie und der Fotokunst verschrieben. Gerne gebe ich meine Begeisterung und mein Wissen in Fotokursen und auf Fotoreisen weiter. Lass dich von mir anstecken!

  • Moin Helga,
    früher habe ich auch immer lange gewartet, bis alle Menschen aus dem Bild waren. Aber wenn ich mir die Bilder heute ansehe, so sind diese nichtssagend … sie erzählen keine Geschichte … es sind nur Abbilder der Natur. Heute warte ich bis Menschen im Bild sind und der Betrachter sich eine Geschichte um diese Aktion aufbauen kann. Ist einmal eine Person zu dominant … schon fast ein Porträt … so frage ich, ob ich das Bild verwenden darf und ich bin noch nie enttäuscht worden.
    Liebe Grüsse Hans

    • Danke für den Kommentar, lieber Hans. Ich finde beides gut: Landschaften mit und auch ohne Menschen. Manchmal brauche ich die Ruhe im Bild, manchmal sind die Menschen das i-Tüpfelchen. 🙂

  • Hallo Helga!
    Normalerweise finden sich auf meinen Fotos keine Menschen! Wenn es nicht anders geht evtl. von hinten, verschwommen oder winzig! Oder sie bekommen nachträglich eine Sonnenbrille aufgesetzt! Bei Fotos von Tanz- oder Musikgruppen (bei mir auf dem Dorf!) bin ich mutig und teile die dann auch mal auf FB mit „originalen“ Gesichtern!

    • Das Fotorecht ist leider relativ streng. Ich kann die andere Seite zwar auch verstehen, aber sind wir nicht froh, dass wir heute Bilder von Bresson & Co. bewundern dürfen?

  • Hallo Helga,
    genauso sehe ich diese Thematik auch. Ich mache auch manchmal, wenn die Menschen vielleicht doch zu erkennen sind, eine Verfremdung z.B. durch Unschärfe. Aber meistens sind meine Fotos auch ohne Leute.
    Liebe Grüße von Jutta

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    Das sagen Teilnehmer zu meinen Kursen

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    Christa

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    Nach längerem Zögern habe ich mich entschlossen, Lightroom CC zu abonnieren. Ich hatte Bedenken, dass mir das Programm zu komplex ist und ich damit nicht umgehen könnte.

    Dann habe ich den Lightroom-Kurs bei Helga Partikel gemacht. Dank dieser guten Einführung sind meine Bedenken weg und ich finde jetzt Spaß an dem Programm. Danke für diesen Kurs!

    Christa

    In den zwölf Monaten hat sich mein Blick verändert.

    Vor fast genau einem Jahr habe ich bei dir mit der MEISTERKLASSE FÜR KREATIVE FOTOGRAFIE begonnen. WENIGER IST MEHR war der übergreifende Leitgedanke. Mit WENIGER MEHR zu zeigen ist nicht einfach !
    Die Module in ihrer Reihenfolge haben sehr geholfen, die Wege zu finden, die zu immer mehr Reduktion geführt haben. Es war für mich eine echte Herausforderung ! Ich freue mich, sie angenommen zu haben. In den zwölf Monaten hat sich mein Blick verändert. Ich plane, schaue genauer, reagiere dadurch besser auf meine Objekte. Es macht mir Freude, die über das Jahr hinweg gewonnenen Erkenntnisse dabei gezielt einzusetzen. Vielen Dank für deine Unterstützung auf dem Weg dorthin !
    Fast noch herausfordernder war für mich die Form der Präsentation der Arbeit. In vielerlei Hinsicht betrat ich völliges Neuland. Jetzt ist es aber geschafft !

    Brigitte
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