Die Guten ins Töpfchen, die schlechten ins Kröpfchen. | aus Aschenputtel  

Das Märchen "Aschenputtel" findet sich bei den Brüdern Grimm, aber auch als "Aschenbrödel" bei Ludwig Bechstein. Sein Ursprung geht aber auf die neapolitanische Märchensammlung "Pentameron" von Giambattista Basile zurück.

Aschenputtel kannte nur zwei Bewertungskriterien: gut oder schlecht. Im Guide Michelin werden die besten Restaurants mit bis zu drei Sternen ausgezeichnet. Aktuell gibt es weltweit nur 144 Lokale mit dieser hohen Ehre (davon 9 in Deutschland). Auf der Webseite findet man folgende Aussage zu den Sternen:

  • Ein Michelin-Stern ist einen Stopp wert.
  • Zwei Michelin-Sterne sind einen Umweg wert.
  • Drei Michelin-Sterne sind eine Reise wert!

Was Michelin kann, können wir auch. 

Warum Fotos bewerten?

Es gibt viele Gründe, Fotos mit Sternen zu bewerten. Die zwei wichtigsten:

Zeitersparnis

Eine Sternbewertung unterstützt dich beim Suchen und Filtern deiner Bilder. Vor allem beim Durchsuchen großer Fotosammlungen ist sie unglaublich hilfreich. 

Auch die Auswahl der Bilder für ein Fotoprojekt verläuft dann viel schneller. Du weißt sicher: Die Qualität eines Projekts wird durch das schlechteste Bild in dem Projekt definiert. Warum also das gesamte Archiv nach passenden Fotos durchforsten, wenn sowieso nur die besten Bilder für das Projekt ausgewählt werden sollen?

Kill your darlings?

Die Zeitersparnis ist ein wichtiger Grund, warum du deine Bilder bewerten solltest. Es gibt einen weiteren: Wir fotografieren meist viel zu viel. Von demselben Motiv mehrere Bilder. Im Grunde sollte man diese Fotos gleich nach dem Shooting einer gründlichen Analyse unterziehen und dabei die besten heraussuchen. Die behält man, der Rest wird gnadenlos gelöscht. Wenn du so vorgehst: GRATULATION!!!

Für die vielen anderen, die sich schwer von ihren Bildern trennen können, sind Sternebewertungen geradezu unverzichtbar. Oder willst du dir immer die "Na-ja-passt-schon-irgendwie" Bilder anschauen, wenn du doch eigentlich nur die Perlen sehen willst?

Bilder bewerten

In Lightroom stehen uns für die Bewertung von Bildern fünf Sterne zur Verfügung. Zu viele, wie ich finde.

Gut (*) - besser (**) - noch besser (***) - noch viel besser (****) - am besten (*****)

Ich würde mich mit der Einstufung meiner Fotos in diese fünf Kategorien sehr schwer tun. Bislang habe ich meine Bewertung nach folgendem Regeln vorgenommen:

  • * Archiv, Familienfotos, zur Dokumentation
  • ** Besser, evtl. bearbeiten
  • *** Gut
  • **** Favoriten
  • ***** Top-Bilder

Obwohl ich jahrelang damit klar kam: So ganz zufrieden war ich mit diesen Bewertungskriterien nicht. Letztlich ähnelt es doch sehr der Aufteilung von "gut" bis "am besten". Vor kurzem habe ich mein Sterneschema daher geändert. Nun bewerte ich wie folgt:

0 nicht bewertet

Jedes Foto, dass ich mir angeschaut habe, bekommt eine Sternebewertung. Jedes! Ich habe mir eine Sammlung angelegt, die alle Bilder zeigt, die noch nicht von mir bewertet wurden, also 0 Sterne haben. So sehe ich schnell, welche Bilder ich noch sichten muss. 

* Dokumentation, Textur, Fremdfoto

Einen Stern bekommen folgende Bilder: 

  • Dokumentationen
    Manchmal fotografiere ich ein Schild oder ein anderes Motiv zur reinen Dokumentation. Hier geht es mir also nicht darum, ein gutes Foto aufzunehmen. Bei solchen Bildern kommt es nur auf die Information an, die das Bild zeigt. 
  • Texturen
    Das sind Bilder von Mustern und Oberflächen, die z. B. mit Photoshop über ein anderes Bild gelegt werden, um einen speziellen Effekt zu erzielen. So könnte man z. B. ein Landschaftsbild mit einem Foto überlagern, das eine Leinenstruktur zeigt und dadurch die Landschaft wie ein Gemälde aussehen lassen. Texturen findet man im Internet zum Download. Du kannst sie aber auch selbst fotografieren. 
  • Fremdfotos
    Bilder, die ich in meinem Katalog haben möchte, aber nicht selbst aufgenommen habe.
Helga Partikel, foto.kunst.kultur, Kochbuch

Aus dem Kochbuch meiner Großmutter. Es zerfällt fast. Daher habe ich die Seiten vor Jahren gescannt.

** Erinnerungsbilder, Familienfotos

Mit zwei Sternen bewerte ich rein private Bilder. Fotos von der Familie und Freunden. Auch "Erinnerungsbilder" könnten zwar in die Kategorie "Favoriten" oder "Top-Bilder" fallen, bei diesen Fotos nehme ich aber keine Bewertung vor. Hier ist mir nur wichtig, dass die Fotos eine schöne Erinnerung zeigen.

Helga Partikel, foto.kunst.kultur, Eichstätt Vernissage

Eine Erinnerung an die Vernissage zur Ausstellung "Reigen der Natur" im Jahr 2012 in Eichstädt .


*** Archiv

Im Grunde würde ich am liebsten alle Bilder sofort löschen, die keine vier oder fünf Sterne verdienen. Geht aber nicht. Manchmal brauche ich Fotos, die vielleicht nicht so prickelnd sind, aber notwendig - aus welchem Grund auch immer. Oder ich bin mir unsicher, ob ich die Bilder später benötige. Wenn ein Bild nicht in die Kategorie der Ein- oder Zwei-Sterne-Fotos passt, aber nicht gut genug für vier oder fünf Sterne ist, erhält es drei Sterne und wandert damit ins Archiv. Dort bleibt es, bis ich es brauche, ggf. neu bewerte oder lösche. 

Helga Partikel, foto.kunst.kultur, Sassnitz

Ein Bild von meiner letzten Reise nach Rügen. Irgendwann werde ich es entweder bearbeiten oder löschen. Bis dahin bleibt es im Archiv.

Auch Fotos, die ich später bearbeiten möchte, wandern ins Archiv. Da ich diesen Bildern eine grüne Markierung gebe, finde ich sie schnell.

**** Favoriten

Jetzt kommen die guten Fotos an die Reihe. Vier Sterne erhalten alle Bilder, die mir gut gefallen. Bildaussage, Komposition und Technik passen. Diese Bilder würde ich sofort veröffentlichen.

Helga Partikel, foto.kunst.kultur, Vögel

Dieses Bild mag ich zwar sehr, aber zu meinen Top-Fotos gehört es nicht. Aber immerhin: Vier Sterne hat es verdienst. 

***** Top-Bilder

Ein paar wenige Fotos ragen heraus. Das sind meine Top-Bilder. Der Guide Michelin würde dafür drei Sterne vergeben. Zur Erinnerung: Es gibt nur 144 Restaurants auf der Welt mit dieser Auszeichnung. Mach es wie Michelin: Sei kritisch bei der Vergabe der Top-Bewertung.

Helga Partikel, Galerie, An Nord- und Ostsee

Das ist eines meiner Lieblingsbilder. Im Moment verdient es fünf Sterne - aber das kann sich jederzeit ändern.

Was ist ein gutes Foto?

Bei der Bewertung von Bildern stellt sich natürlich die Frage: Was ist überhaupt ein gutes Foto? Der amerikanische Fotograf Elliott Erwitt (1928-2023) prägte den Satz.

Ein gutes Foto
ist erstens gut komponiert,
hat zweitens etwas zu sagen
und hat drittens - und das ist das Wichtigste - etwas Magisches.

Schauen wir uns seine Aussage näher an:

Ein gutes Foto

  • ist erstens gut komponiert
    Ich kann nicht oft genug betonen, wie wichtig die Bildkomposition ist. Dazu gibt es einen eigenen Beitrag in meinem foto.blog und immer wieder einen Fotokurs.
  • hat zweitens etwas zu sagen
    Die Bildaussage! Das A und O eines Fotos. Wer meine Fotokurse kennt, der kennt auch die Metapher vom "König im Bild". Der König im Bild ist die Bildaussage. Was willst du mit dem Bild ausdrücken? Jedes Bild sollte eine eindeutige Aussage, also einen eindeutigen König, haben. Alles andere muss diesem König zuarbeiten (wie im richtigen Leben: Zwei Könige im Königreich bringen Krieg).
  • und hat drittens - und das ist das Wichtigste - etwas Magisches.
    Die magischen Bilder sind die Fünf-Sterne-Fotos. Sie haben einen ganz besonderen Zauber. Bei dieser Kategorie fällt mir immer das berühmte Zitat von Ansel Adams (1902-1984) ein:
Zwölf gute Fotos im Jahr sind eine gute Ausbeute.

Stelle die richtigen Fragen

Geht es dir auch so wie vielen meiner Kursteilnehmer? Ich höre von ihnen immer wieder, wie schwierig es ist, Fotos zu bewerten. Das kann ich gut nachvollziehen. Es nicht einfach, ein Urteil über die eigenen Bilder zu fällten. Vor allem dann nicht, wenn ein Bild an eine schöne Begebenheit erinnert. Oder man unter 10 ähnlichen Fotos das beste aussuchen muss.

Eine Bewertung ist nicht in Stein gemeißelt

Früher habe ich einmal im Jahr ALLE Bilder durchgesehen, dabei viele gelöscht oder neu bewertet. Eine Zeitreise, die zwar immer viel Spaß gemacht hat, allerdings auch recht aufwändig war.

Seit dem neuen Bewertungsschema prüfe ich nur noch die Favoriten und die Top-Bilder. Die Bewertung der Fotos mit einem, zwei oder drei Sternen ändere ich nur, wenn ich zufällig auf ein Bild stoße und der Meinung bin, es hat mehr Sterne verdient oder sollte in den Papierkorb wandern.

Vor einiger Zeit habe ich dazu einen Blogbeitrag mit dem Titel "Der kritische Blick" geschrieben. Darin führe ich viele Fragen auf, die du dir bei der Bewertung von Bildern stellen kannst. Er enthält auch ein Video aus dem Kurs "Kreativ fotografieren und Bildsprache finden"

Wie gehst du vor?

Bewertest du deine Bilder und, falls ja, nach welchem Schema? Schreib uns doch in den Kommentar, nach welchen Regeln du die Sterne vergibst. Oder machst du das gar nicht?

Über mich, Helga Partikel

Ich bin Fotografin aus Leidenschaft und habe mich ganz der kreativen Fotografie und der Fotokunst verschrieben. Gerne gebe ich meine Begeisterung und mein Wissen in Fotokursen und auf Fotoreisen weiter. Lass dich von mir anstecken!

  • Liebe Helga,
    Obwohl mir deine Bewertungen nicht neu sind, finde ich diese Zusammenstellung für mich sehr hilfreich. Du hast einfach eine gute Art, Dinge zu strukturieren und übersichtlich zu gestalten.
    Auch finde ich es sehr gut, dass Du Themen immer wieder aufgreifst und sie aus der Fülle der Informationen von Zeit zu Zeit in der Vordergrund rückst.
    Vielen Dank :-)….und liebe Grüße
    Ulrike

    • Ganz herzlichen Dank, liebe Ulrike. Es freut mich sehr, wenn ich höre, dass meine Beiträge nützlich sind.
      Liebe Grüße
      Helga

  • Liebe Helga, vielen Dank für diesen sehr hilfreichen Einblick in deine Vorgehensweise bei der Bildbewertung. Ich konnte mit fünf Sternen bisher wenig anfangen und mich deshalb auf drei Sterne beschränkt. Die wenigen Bilder, die doch einmal einen vierten Stern erhalten haben, gehören bei mir in die Kategorie „würde ich veröffentlichen.“ Deine Vorgehensweise erscheint mir wirklich praktikabel; vielen Dank dafür.

    • Herzlichen Dank, liebe Lotte. Dein Kommentar freut mich sehr. Super, wenn dich meine Vorgehensweise dazu anregt, deine zu überdenken.
      Viele Grüße
      Helga

  • Danke Helga, das ist sehr hilfreich. Ihr System zur Auswahl der besten Fotos ist sehr gut. Normalerweise markiere ich die Fotos, die mir wirklich gefallen, und auch die, die ich leider löschen muss. Den Rest der Fotos lösche ich einfach. Ich wähle die Fotos intuitiv aus, ohne tiefgründige Analyse. Ich werde versuchen, Ihr Prinzip bei der Auswahl meiner Fotos anzuwenden.

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    Das sagen Teilnehmer zu meinen Kursen

    In den zwölf Monaten hat sich mein Blick verändert.

    Vor fast genau einem Jahr habe ich bei dir mit der MEISTERKLASSE FÜR KREATIVE FOTOGRAFIE begonnen. WENIGER IST MEHR war der übergreifende Leitgedanke. Mit WENIGER MEHR zu zeigen ist nicht einfach !
    Die Module in ihrer Reihenfolge haben sehr geholfen, die Wege zu finden, die zu immer mehr Reduktion geführt haben. Es war für mich eine echte Herausforderung ! Ich freue mich, sie angenommen zu haben. In den zwölf Monaten hat sich mein Blick verändert. Ich plane, schaue genauer, reagiere dadurch besser auf meine Objekte. Es macht mir Freude, die über das Jahr hinweg gewonnenen Erkenntnisse dabei gezielt einzusetzen. Vielen Dank für deine Unterstützung auf dem Weg dorthin !
    Fast noch herausfordernder war für mich die Form der Präsentation der Arbeit. In vielerlei Hinsicht betrat ich völliges Neuland. Jetzt ist es aber geschafft !

    Brigitte

    Danke für den tollen Kurs.

    Danke für den tollen Kurs. Ich find dich als Menschen und natürlich Fotografin total mitreißend. Es macht Spaß mit dir zu lernen.

    Stephanie

    Die Bildbesprechungen wurden zum Highlight

    Der Wochenendworkshop „Wabi-Sabi“ im Egglhof in Straußdorf war etwas ganz besonderes. die Ruhe und Idylle vor Ort hat wunderbar das fotografische Thema ergänzt. Ich konnte mich voll und ganz auf mein gewähltes Thema "die Natur setzt sich durch" konzentrieren und die Schönheit der Natur im Kleinen auf mich wirken lassen. Durch die äußerst homogene Gruppe wurden die Bildbesprechungen zu einem Highlight und gaben mir viele neue Anregungen. Ich habe viel gelernt, mich fotografisch weiterentwickelt und freue mich über meine Fotos vom Wabi-Sabi-Workshop. Wenn ich mir sie jetzt zu Hause anschaue, kommt ein bisschen etwas von dem Flair des Wochenendes zurück.

    Conny
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