10 schlimme Fehler beim Fotografieren – und wie du sie vermeidest

10 schlimme Fehler beim Fotografieren – und wie du sie vermeidest

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Sie drücken den Knopf, wir erledigen den Rest.

Mit diesem Werbeslogan für seine Rollfilm-Kamera „Brownie“ erschloss sich Kodak einst den Massenmarkt.

Auch heute wollen uns einige Kamerahersteller weismachen, dass man einfach nur aufs Knöpfchen drücken muss, um perfekte Bilder zu erhalten.

Ein „Fachverkäufer“ in einem Münchener Fotogeschäft erzählte mir eimal, dass man doch nur 100x dasselbe Motiv fotografieren müsse, damit eines davon scharf und gelungen sei. Er meinte es ernst. Ich war fassungslos.

Ich halte es da lieber mit der deutsch-französischen Fotografin Gisèle Freund (1908-2000), die sagte:

Das Auge macht das Bild, nicht die Kamera. 

Einfach nur drauf zu drücken, ist also keine Lösung. Außerdem macht Fotografie als Hobby doch erst dann richtig Spaß, wenn sie der kreativen Entfaltung dient. Findest du nicht?

Gerade für Anfänger ist es aber oft schwer, den Absprung vom Automatik-Modus zu schaffen. Denn es kann schon sein, dass die Ergebnisse erst einmal schlechter werden, wenn man sich selbst um die Kameraeinstellungen kümmert.

Aber lasse dich nicht entmutigen!

Die Einstellungen der Kamera kann man lernen. Beherrscht man die Basis, geht der Spaß doch erst richtig los! Denn zum Fotografieren gehört weit mehr, als „nur“ die Technik.

Die 10 Fehler beim Fotografieren

Damit du die erste Hürde etwas schneller überwindest, hier 10 Anfängerfehler – und wie du sie vermieden kannst.


1. Erst Hirn – dann Kamera einschalten

Die Teilnehmer meiner Fotokurse kennen diesen – zugegeben wenig charmanten – Spruch von mir. Aber immer wieder beobachte ich Hobbyfotografen, die einfach nur drauf los knipsen. Kamera aus den Rucksack, mit ausgestrecktem Arm ein kurzer Blick ins Display – und klick. Das nächste Bild. Klick.

Wen wundert’s, dass so nur Zufallstreffer gelandet werden können?

Nimm dir Zeit. Schaue dir dein Motiv genau an und stelle dir u. a. folgende Fragen:

  • Warum will ich dieses Motiv überhaupt fotografieren?
  • Was will ich mit dem Foto ausdrücken?
  • Was genau fasziniert mich an dem Motiv? Sind es die Muster, die Farben? Ist es die Atmosphäre? Der Gesamteindruck?
  • Wie kann ich das Motiv so ins Bild setzen, dass genau das zur Geltung kommt, was mich fasziniert?
  • Soll alles scharf sein oder will ich mit Unschärfen spielen?
  • Ist das Motiv überhaupt fotogen? Nicht jedes schöne Motiv führt zwangsläufig zu schönen Fotos. Manchmal ergeben auch völlig unspektakuläre Motive ganz tolle Fotos.
    Noch einmal: Nimm dir Zeit! Fotografie hat etwas Meditatives an sich. Du musst doch nicht zum nächsten Zug beim Fotografieren, oder?

2. Weniger ist mehr

Alles soll aufs Foto: Tante Lisa, der Hund, der Eiffelturm in voller Größe und halb Paris im Hintergrund.

Entscheide dich und mache lieber mehrere Fotos: Eines vom Eiffelturm, eines von Tante Lisa mit dem Hund und eines von der Skyline von Paris.

Wenn du zu viel aufs Foto packst, ist der Betrachter nur verwirrt und weiß nicht, worauf es sich jetzt konzentrieren soll. Nimm ihm die Entscheidung ab und konzentriere dich auf ein Hauptmotiv.

3. Bewege dich

Gut, du hast dir für teures Geld ein klasse Zoom-Objektiv gekauft. Aber heißt das, dass du deine Beine nicht mehr benutzen sollst? Klebe nicht am Boden und zoome wie ein Weltmeister. Gehe hin zum Motiv oder auch weiter weg.

Meine Schulungsteilnehmer bekommen oft die folgende Hausaufgabe:

„Fotografiere ein und dasselbe Motiv mehrfach:
  • Mit drei verschiedenen Brennweiten, indem du zoomst.
  • Aus drei verschiedenen Positionen, indem du auf das Motiv zugehst.

Und dann vergleiche die Bilder.“

Mache diese kleine Übung. Du wirst sehen, es ist nicht dasselbe, ob du zoomst oder an das Motiv ran gehst. Am besten funktioniert diese Aufgabe, wenn du dir ein Motiv suchst, das aus Vordergrund, Mittelteil und Hintergrund besteht.

4. Ran ans Motiv

Wenn deine Bilder nicht gut genug sind, warst du nicht nah genug dran.

Diesen Satz prägte Robert Capa (1913-1954), der ungarisch-amerikanische Fotograf, der als Kriegsfotograf in die Fotogeschichte einging.

Wie recht er hatte! Gehe ran an dein Motiv. Noch näher! Man sollte schon auf dem ersten Blick erkennen, was das Hauptmotiv deines Fotos ist.

Fotografiere auch Details. Der Eiffelturm wurde millionenfach in voller Größe abgelichtet. Versuche doch mal Detailfotos vom Eisenfachwerk. Oder gehe ganz nah ran und fotografiere den Turm aus der Froschperspektive. Wobei wir bei Punkt 5 wären:

5. Perspektivenwechsel

Gehe in die Knie, steige auf eine Bank, schmeiße dich auf den Boden. Wer fotografiert, braucht kein Fitness-Studio.

Beobachte mal die Schar von Hobbyfotografen vor einer Sehenswürdigkeit. Die meisten stehen aufrecht und halten die Kamera in die Luft – so weit der Arm reicht. Die immer gleiche Perspektive führt zu immer gleichen Fotos. Wie langweilig.

Überlege dir auch, was der Kamerastandort mit dem Motiv macht. Ein Porträt von oben herab fotografiert, macht den Fotografen zum Überlegenen. Von unten nach oben gibt es der fotografierten Person Macht, denn sie schaut nun von oben herab auf den Betrachter. Vor allem bei Bewerbungsfotos sollte man sich dieser Tatsache bewusst sein.

6. Hilfe! Das Meer läuft aus und die Häuser fallen um

Das Haus kippt um, das Meer läuft aus. Damit Gebäude nicht kippen, und der Horizont nicht schief verläuft, muss die Kamera absolut gerade gehalten werden.

Wenn Gebäude kippen, spricht man von „stürzenden Linien“. Sie entstehen immer dann, wenn die Kamera beim Fotografieren nicht völlig gerade ausgerichtet war.

Ein bisserl stürzend ist einfach unschön Also gibt es zwei Möglichkeiten:

  • Du vermeidest stürzende Linien oder
  • Du verwendest sie kreativ.

Das Meer oder ein See sollten niemals auslaufen. Obwohl … Sicher gibt es auch dafür einen guten Grund.

Wenn du ein Gebäude nicht ganz gerade aufs Bild bringst, nutze die stürzenden Linien kreativ.

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7. Raus aus der Mitte

Positioniere das Hauptmotiv nicht in der Bildmitte, sondern im Goldenen Schnitt (in etwa die Drittel-Regel). Das ist spannender.

Drittel-Regel:
Teile das Sucher-/Display-Bild horizontal und vertikal durch je zwei Linien in drei gleiche große Teile. Wenn du dein Hauptmotiv auf eine der Linien oder auf einen Schnittpunkt legest liegt es in etwa im Goldenen Schnitt.

Bei vielen Kameras lassen sich Gitternetzlinien im Sucher einblenden. Sie helfen beim Ausrichten des Motivs.

Schau dir dazu auch meinen Beitrag zum Goldenen Schnitt an: zum Beitrag

Aber Achtung: Nicht alle Fotos profitieren vom Goldenen Schnitt. Wenn z. B. Symmetrie dein Thema ist, kann die Mitte die richtige Wahl sein.
Es sollte auf jeden Fall einen Grund haben, wenn das Hauptmotiv in die Mitte platziert ist. Also schaue dir dein Motiv genau an und dann … (du weißt schon: Erst Hirn, dann …)

8. Vergiß die Effekte der Kamera

Moderne Kameras bieten unzählige Effekte an, ein Foto zu manipulieren. Vom einfachen Schwarz-Weiß bis hin zu Farbeffekten und Unschärfen. Das sind nette Spielereien, und es macht sicher Spaß, alle Effekte einmal auszuprobieren.

Wenn du aber wirklich gute Fotos machen willst (du, nicht die Kamera), vergiß die Effekte. Fotografiere im RAW-Format und bearbeite die Fotos anschließen auf dem PC. Die Konvertierung in Schwarzweiß hast du auf dem PC weit besser in der Hand als in der Kamera.

Und weil wir schon bei den Kameraeinstellungen sind, zum Schluss noch zwei technische Fehler:

9. Belichtungsfehler

Wir Digitalfotografen haben es gut: Das Histogramm gibt uns Auskunft, ob ein Foto richtig belichtet ist. Davon können Analogfotografen nur träumen. Nutze dieses Potential!

Wenn du gute Fotos machen willst, musst du dein Handwerkszeug beherrschen: deine Kamera. Die meisten Fehler passieren bei der Belichtung. In meinem Beitrag „So belichtest du deine Fotos richtig“ erhältst du dazu einige Tipps.

Achte darauf, dass dein Bild Kontraste aufweist. Ein flaues Bild ist i. d. R. langweilig. Schaue dir mal die Fotos von Ansel Adams (1902-1984) an, dem König der Landschaftsfotografie. Seine Bilder leben vom Kontrast. In ihnen finden sich alle Tonwerte – vom reinsten Weiß bis hin zum tiefsten Schwarz.

10. ISO-Automatik

Die ISO-Einstellung regelt quasi die Empfindlichkeit des Sensors. Klar: Da steckt eine ganz andere Technik dahinter. Der Sensor wird nicht wirklich empfindlicher. Aber wir haben diesen Ausdruck von der guten alten Analogfotografie übernommen und jeder weiß, was damit gemeint ist. Die Analogfotografen müssen den Film wechseln oder eine Zweitkamera mitschleppen, wenn sie mit unterschiedlichen Empfindlichkeiten fotografieren wollen. Was haben wir es gut! Wir brauchen nur an einem Rädchen zu drehen oder ein paar Knöpfe drücken.

Wenn du auch bei ungünstigen Lichtverhältnissen ohne künstliche Lichtquelle Fotos machen willst, kannst du eine höhere ISO-Einstellung verwenden. Aber: Mit hohen ISO-Werten steigt die Gefahr von Bildrauschen.

Die ISO-Automatik ist da gnadenlos. Reicht das Licht nicht aus, wird hochgedreht. Am Display mögen die Ergebnisse noch ganz gut aussehen. Die erschütternde Wahrheit zeigt sich oft erst am PC.

Verzichte daher lieber auf die ISO-Automatik und regele den ISO-Wert selbst. Als letzte Konsequenz, wenn du mit Blende und Verschlusszeit nicht weiter kommst.

Bei den meisten Kameras lässt sich die ISO-Automatik allerdings nur einstellen, wenn du auf die Vollautomatik bei der Belichtung verzichtest. Aber das solltest du sowieso tun.

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Aufgenommen mit einer Spiegelreflexkamera und 3200 ISO rauscht dieses Bild ganz gewaltig.

Den wichtigsten Rat hätte ich fast vergessen:

11. Fotografiere, fotografiere, fotografiere

Fotografieren ist – mittlerweile anerkannt – eine Kunst, aber eben doch immer noch ein Handwerk. Und ein solches erlernt man nur durchs Tun.

Teste deine Kamera, probiere die Einstellungen aus. Fotografiere in der Früh, zur Mittagszeit, während der Blauen Stunde und auch nachts. Ja, auch mittags kann man gute Fotos machen.

Fotografiere und analysiere hinterher die Fotos.

  • Warum gefällt mir dieses Foto, aber jenes nicht?
  • Was genau ist besser?
  • Wo liegen deine persönlichen Stärken und Schwächen?

Gut ist es auch, sich Feedback von anderen zu holen. Am besten von Leuten, die etwas vom Fotografieren verstehen. In meinen Bildbesprechungen bekommst du Feedback zu deinen Fotos. 

  • So nimmst du an Bildbesprechungen teil

Bei den Online-Besprechungen erhalten die Teilnehmer Tipps zur Aufnahme und zur Bildbearbeitung. Du kannst auch deine Fotos einreichen und dir Feedback holen. Informiere dich hier über die Bildbesprechungen

  • Banana sagt:

    Mal vielen Dank für die ganzen Tipps. Ich will zwar jetzt nicht unbedingt Fotograf werden, aber mal in Basel und Umgebung die Natur zu fotografieren macht mir schon Spass. Von daher gut, wenn man auch so lernen kann, wie es geht! 🙂

    • Herzlichen Dank für den Kommentar. Der freut mich sehr. Es ist doch immer gut, wenn man dazu lernt. Man muss nicht gleich Profi werden. Hauptsache die Fotografie bringt Spaß. 🙂
      Viele Grüße
      Helga

  • Danke! Aber was mache ich, wenn ich im nächsten Urlaub wieder hin fahren will. Dann ist kein Wasser mehr im Meer. 🙂

  • Sabine sagt:

    Na, da befinde ich mich ja in bester Gesellschaft: für auslaufendes Wasser bin ich ebenfalls bekannt 😉

    Aber ich arbeite dran 🙂

    LG
    Sabine

  • Monika Thalhammer sagt:

    Liebe Frau Partikel,

    ich musste herzlich lachen – genau für diese auslaufenden Ozeane und schiefen Horizonte bin ich berühmt-berüchtigt.
    Beim Abdrücken bin ich immer der Ansicht, dass ich die Kamera komplett gerade halte, aber dann ist das Bild doch wieder schief.
    Wahrscheinlich ist’s am einfachsten, wenn ich das zu meinem speziellen Markenzeichen erkläre ;o)

    Viele Grüße!
    Monika

    • Nicht aufgeben, liebe Monika.
      Mir geht das genauso. Ich bin auch ein „Schieffotografierer“. Irgendwie habe ich da einen Knick in der Optik. Aber ich kenne einige Kollegen, denen das genauso geht. Irgendwie beruhigend, oder?
      Ich fotografiere daher Architektur nur mit Aufsteck-Wasserwaage.

      Wenn man alle Probleme so leicht lösen könnte wie dieses. 🙂
      Herzliche Grüße
      Helga

  • Gisela Gebhardt sagt:

    Ich finde die Idenn und Tipps immer toll, habe auch schon einige Fotowalks mitgemacht, selbstverständlich den Grundlagenkurs der Prager Fotoschule und einen Foto-Work-Shop in der Steiermark. Danach hatte ich zwar viereckige Augen vom vielen fotografieren, aber es hat sich gelohnt und es macht unheimlich Spaß die Anregungen auszuprobieren! Nur nicht verzagen auf dem Weg zum ambitionierten Hobbyfotografen, man lernt nie aus!

    • Herzlichen Dank für das Feedback, Gisela.
      Wir hatten eine schöne gemeinsame Zeit in der Steiermark. Nun sind neue Reisen in der Planung und auch die Steiermark steht natürlich 2016 wieder auf dem Programm.
      Dir immer gutes Licht und ansprechende Motive!
      Viele Grüße
      Helga

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