Kreative Unschärfe in der Fotografie

Der Anspruch des Automatik-Modus einer Kamera ist es, das Motiv durchgehend scharf darzustellen. Aber gerade die Unschärfe macht oft den Reiz eines Fotos aus!

Allerdings ist Unschärfe nicht gleich Unschärfe. Natürlich ist hier nicht davon die Rede, dass kein Stativ verwendet und die Kamera nicht ruhig gehalten wurde (obwohl man das eigentlich wollte). Gemeint ist die bewusste, kreative Unschärfe. Dazu möchte ich dir heute ein paar Anregungen geben. Versuche doch einmal folgende Aufnahmen:

Tiefen-Unschärfe

Die üblichste Form der Unschärfe kennst du sicher. Das Hauptobjekt ist scharf, der Rest (meist der Hintergrund) unscharf. So kommt das Hauptobjekt besser zur Geltung. Die besten Voraussetzungen: 

  • einer große Blendenöffnung, 
  • ein geringer Abstand zum Motiv,
  • eine Tele-Brennweite.

Leider sind lichtstarke Objektive teuer. Mein Tipp: Viele Kamerahersteller bieten ein 50 mm-Objektive mit einer Lichtstärke von 1,8 für unter 200 € an. Eine lohnenswerte Investitition!

Mit einem Makroobjektiv kommst du nicht nur nah ran an dein Motiv, sondern kannst auch wunderbar Unschärfe ins Bild bringen. Du hast kein Makro und willst/kannst dir auch keines anschaffen? Dann versuche es mit Zwischenringen oder einer Nahlinse. 

  • Zwischenringe werden zwischen die Kamera und das Objektiv geschraubt. Das hat den großen Vorteil, dass du einen Zwischenring für alle Objektive verwenden kannst. Der Nachteil: Du musst das Objektiv abnehmen, um den Zwischenring an- oder abzuschrauben.
  • Nahlinsen werden vorne aufs Objektiv geschraubt. Du ahnst es: Der große Vorteil ist, dass du das Objektiv nicht abnehmen musst, wenn du die Linse an-oder abschrauben möchtest. Der entscheidende Nachteil: Du brauchst für jeden Objektivdurchmesser eine eigene Nahlinse.

Gestische Fotografie

Eine weitere Methode ist das Verwackeln der Kamera,  die sog. "Gestische Fotografie". Du schwenkst bei der Aufnahme die Kamera horizontal, vertikal oder völlig frei. Damit dies überhaupt möglich ist, benötigst du eine entsprechend lange Belichtungszeit.

Versuche beim vertikalen und horizontalen Schwenken die Kamera wirklich nur in die gewünschte Richtung zu bewegen. Wenn du zuviel wackelst, wird das Bild unruhig.

Achte bei der Auswahl der Fotos, dass sie beim Anschauen den Augen nicht weh tun. Zu viel Verwacklung kann irritieren.

Zoomen beim Auslösen

Besonders bei Nacht erhältst du tolle Effekte, wenn du beim Auslösen zoomen. Probiere es aus! Das funktioniert am besten mit einem Stativ.

Prüfe deine gezoomten Bilder genau, ob sie nicht zu unruhig sein. Das passiert leider allzu schnell. Sehr gut eignet sich das Zoomen beim Auslosen für Lichter in der Nacht. 

Ob diese Methode dem Objektiv schadet, ist umstritten. Ich würde sie mit meinen besten Objektiven nicht allzuoft einsetzen.

Malen mit der Kamera

In diesem Online-Fotokurs lernst du verschiedene Möglichkeiten kennen, mit der Kamera Fotos zu malen. Klingt spannend? Ist es auch!

Bewegung im Bild

Verwende eine lange Verschlusszeit, um Bewegung zu zeigen. Fotografiere auf diese Weise z. B. Sport, Autos, Fahrradfahrer oder Wasser.

Ein weiterer Versuch: Fotografiere aus einem Fahrzeug, das sich bewegt, z. B. aus einem Auto, Schiff oder Zug.  Natürlich kannst du auch beim Joggen fotografieren. Sei kreativ!

Kreative Unschärfe - Helga Partikel

Eine Aufnahme, die bei einer Schiffsrundfahrt entstanden ist. Die Kamera wurde ruhig gehalten, für die Bewegung im Bild sorgte das fahrende Schiff.

Kamera mitziehen

Wenn du Objekte fotografierst und die Kamera stillhhältst, wird bei langer Verschlusszeit das Objekt unscharf, und der Hintergrund scharf. Oft ist aber der Hintergrund gar nicht so interessant, und es wäre weit besser, wenn er unscharf und dafür das Objekt scharf darzustellen.

Du erreichst dies durch Mitziehen der Kamera. Das ist gar nicht so leicht. Der Trick dabei: Du musst dich beim Mitziehen genauso schnell bewegen, wie das Objekt. 

Die Verschlusszeit variiert je nach Entfernung zum Objekt und dessen Geschwindigkeit. Versuche folgende Zeiten:

  • langsame Bewegung (z. B. Menschen): 1/15s
  • schnelle Bewegung (z. B. Autos): 1/60 oder 1/100

Am besten gelingen diese Aufnahmen, wenn du dich breitbeinig in die Richtung stellst, in die sich das Objekt bewegt. 

Drehe dann nur den Oberkörper in die Richtung, aus der das Objekt kommt. Sobald es naht, löse aus und ziehe gleichzeitig die Kamera mit in die Richtung, in die sich das Objekt bewegt. 

Achte darauf, dass du die Kamera nicht verreißt. Auch solltest du nicht zu früh auslösen, damit das Objekt nicht nur von vorne abgebildet ist.

kreative Unschärfe - Helga Partikel

Weitere Möglichkeiten

Die Liste der kreativen Möglichkeiten für Unschärfe im Bild ist bei weitem nicht komplett. Wenn deine Kamera es zulässt, könntest du z. B. mit Mehrfachbelichtungen arbeiten. Oder du setzt Spezialobjektive (z. B. das Lensbaby) ein. Oder du fotografierst durch etwas hindurch. Oder ...

Christa Schiffner, Teilnehmerin vieler meiner Kurse, ist Meisterin der kreativen Unschärfe. Im dritten Modul der Meisterklasse Kreative Fotografiedas sich der Gestischen Fotografie widmet, hat sie u. a. einen Liedtext von Erika Pluhar in Fotos umgesetzt. Hier findest du Christas Projekt.

Christa Schiffner, Meisterklasse Kreative Fotografie, Erika Pluhar

© Christa Schiffner

Es darf aber auch scharf sein

Ich spiele gerne mit Unschärfe im Bild. Aber es MUSS nicht immer alles unscharf sein. Das Internet ist voll von inhaltsleeren gestischen Fotos. Es wird gewackelt und gezoomt was das Zeug hält. 

Achte immer darauf, dass die Art der Fotografie zur Bildaussage passt. Bei einem guten Foto wird die Bildaussage durch die eingesetzten Mittel und die Komposition verstärkt.

Malen mit der Kamera

Mein Kurs "Malen mit der Kamera" ist seit Jahren fester Bestandteil in meinem Angebot.

Am ersten Abend kümmern wir uns um die Frage, wie malerische Fotos entstehen. Die sog. "Gestische Fotografie" steht zwar im Mittelpunkt, aber es gibt weit mehr Möglichkeiten, Bilder mit der Kamera zu malen.  

Mit neuem Wissen machen sich die Kurszeitlnehmer dann ans Werk. Die fotografieren und schicken mir ihre Bilder. Der zweite Kursabend ist der Bildbesprechung gewidmet. Ausführlich  schauen wir uns die Fotos an. Was hätte man bei der Aufnahme besser machen können? Wie lässt sich das Bild im Nachhinein optimieren?

Ich bin beeindruckt von den vielen guten Ergebnissen. Lass dich von den Teilnehmerfotos inspirieren. Zu den Bildern

Malen mit der Kamera

In diesem Online-Fotokurs lernst du verschiedene Möglichkeiten kennen, mit der Kamera Fotos zu malen. Klingt spannend? Ist es auch!

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